Heute Eröffnung

Die James-Simon-Galerie ist Berlins neues Tor zur Kunst

Die James-Simon-Galerie wird am Freitag von der Bundeskanzlerin eingeweiht. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Die James-Simon-Galerie auf der Berliner Museumsinsel wird am 12. Juli mit einem Festakt eröffnet.

Die James-Simon-Galerie auf der Berliner Museumsinsel wird am 12. Juli mit einem Festakt eröffnet.

Foto: Christoph Soeder / dpa

Berlin. Am heutigen Freitag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach acht Jahren Bauzeit das Gebäude einweihen, das die Museumsinsel auf spektakuläre Weise komplettiert: Die für 134 Millionen Euro entstandene James-Simon-Galerie ist der neue Eingangsbau zur Museumsinsel. Wir haben die wichtigsten Fakten zusammengestellt.

Was bietet die James-Simon-Galerie?

Die James-Simon-Galerie wurde vom britischen Architekten David Chipperfield entworfen, der schon für den Wiederaufbau des angrenzenden Neuen Museums zwischen 1997 und 2009 verantwortlich zeichnete. Sie umfasst eine Bruttogrundfläche von 10.900 Quadratmetern bei einer Nutzfläche von 4600 Quadratmetern und bietet direkten Anschluss an die benachbarten Häuser des Pergamonmuseums und des Neuen Museums.

Wie ist die James-Simon-Galerie aufgeteilt?

Die Galerie gliedert sich in drei Hauptgeschosse, ein zwischen den oberen Ebenen eingeschobenes Mezzaningeschoss und ein Untergeschoss. Die oberste Ebene ist über die zum Lustgarten hin ausgerichtete Freitreppe erreichbar. Im Foyer befindet sich der bereits vor einigen Wochen eingebrachte „Liegende Löwe“ des Bildhauers August Gaul (1869-1921), der zur Kunstsammlung des Verlegers und Mäzens Rudolf Mosse (1843-1920) gehörte. Hier kann man Tickets erwerben, zugleich ist – auch ohne Ticket und außerhalb der Öffnungszeiten der Galerie – die Terrasse mit dem Restaurant zugänglich. Diese Ebene bietet auch den momentan einzigen Zugang zum Pergamonmuseum. Auf der unteren Ebene, direkt vom Neuen Hof des Neuen Museums zugänglich, befindet sich ein weiteres, kleineres Foyer, an das sich ein Auditorium mit 300 Sitzplätzen anschließt. Von hier aus führt der Weg hinunter zum temporären Ausstellungsraum mit 650 Quadratmetern und zur Archäologischen Promenade. Zwischen den Ebenen, im Mezzaningeschoss, befinden sich der Museumsshop, Toiletten und Garderoben. Das Untergeschoss ist der Gebäudetechnik vorbehalten.

Lesen Sie auch: Kultursenator: Museumseintritt ab Januar sonntags kostenlos

Nach wem ist die Galerie benannt?

Der gebürtige Berliner James Simon (1851-1932) war jüdischen Glaubens, erfolgreicher Textilunternehmer im wilhelminischen Berlin und als solcher ein beispiellos engagierter Philanthrop und Mäzen. Das prominenteste Beispiel seiner in die Tausende gehenden Schenkungen an die Berliner Museen war die 1912 von Ludwig Borchardt im ägyptischen Tell el-Amarna entdeckte Büste der Nofretete, heute das Prunkstück der Ausstellung im Neuen Museum und zuverlässiger Touristenmagnet. Weniger bekannt ist leider, dass sich Simon weit über sein Mäzenatentum hinaus sozial engagierte, indem er mit großem finanziellen Einsatz – insgesamt einem Drittel seiner jährlichen Einkünfte – Wohltätigkeitsvereine gründete, Volksbäder eröffnete, Ferienwohnheime eröffnen ließ und vieles andere mehr. Einiges davon bleibt heute im Dunkeln, weil Simon das Licht der Öffentlichkeit scheute. „Dankbarkeit ist eine Last, die man niemandem aufbürden sollte“, lautet ein von ihm überlieferter Satz.

Wie kann man mehr über James Simon erfahren?

Im großen Foyer ist James Simon eine Inschrift gewidmet, außerdem wird im Sonderausstellungsraum mit vier Filmen sein Leben rekonstruiert. Im Bode-Museum können die Besucher mit dem James-Simon-Kabinett die Fülle seiner Schenkungen nachvollziehen. Gründlicher informieren kann man sich mit Hilfe des von Waldtraut Braun von der James-Simon-Stiftung finanzierten Bandes von Olaf Matthes: „James Simon. Die Kunst des sinnvollen Gebens“ aus der Reihe „Jüdische Miniaturen“ (Hentrich & Hentrich) oder mit dem von Bernd Schultz herausgegebenen Band „James Simon: Philanthrop und Kunstmäzen“ (Prestel). Schultz macht sich im Vorstand der James-Simon-Stiftung seit vielen Jahren um das historische Erbe dieses Mannes verdient.

Hintergrund: Nach sechsjähriger Bauzeit: Richtfest für das Pergamonmuseum

Welche Ideen liegen der Gestaltung der Galerie zugrunde?

Als der Haushaltsausschuss des Bundestages im Jahr 2006 Gelder für den Neubau eines zentralen Eingangsgebäudes auf der Museumsinsel freigab, legte Architekt David Chipperfield zunächst einen modernen Entwurf mit Glasfassade vor, der sich von den umstehenden Gebäuden erkennbar abhob. Die Resonanz unter Architekturkritikern fiel teilweise vernichtend aus: „So nicht, Mr. Chipperfield!“, lautete etwa die Überschrift eines Artikels von Heinrich Wefing in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Chipperfields nun realisierter Entwurf nimmt die Formsprache der Nachbargebäude auf, ohne sie historisierend zu imitieren: den Sockel des linker Hand gelegenen Pergamonmuseums ebenso wie die sich rechts anschließenden Stülerschen Kolonnaden vor der Alten Nationalgalerie und dem Neuen Museum. So wirkt die Galerie zeitgemäß, ohne sich unnötig damit hervorzutun. Sie nimmt zugleich die Formensprache der Einbauten Chipperfields im Neuen Museum auf.

Was genau ist die Archäologische Promenade?

In der James-Simon-Galerie wurde – nach dem Bode-Museum und dem Neuen Museum – ein weiteres Teilstück der Archäologischen Promenade fertiggestellt, die voraussichtlich 2025 eröffnet werden wird. Sie wird Altes Museum, Neues Museum, James-Simon-Galerie, Pergamonmuseum und Bode-Museum miteinander verbinden. Nach den Sanierungsarbeiten an der alten Bausubstanz sollen für 15 Millionen Euro Verbindungsstücke zwischen den einzelnen Häusern hergestellt werden. Die Archäologische Promenade bietet außerdem Raum für Objekte sämtlicher Sammlungen, die auf der Museumsinsel beheimatet sind. Die Idee der Verbindung der Häuser gab es bereits, als 1843 mit dem Bau des Neuen Museums begonnen wurde, damals allerdings sollte dies noch mit Hilfe von Brückenbauwerken geschehen. Der 1999 beschlossene Masterplan Museumsinsel legte fest, den Verbindungsgang auf der Sockelebene zu errichten.

Lohnt der Besuch?

Unbedingt. Die James-Simon-Galerie ist, vor allem durch die zum Kupfergraben hin geöffnete Terrasse mitsamt ihrer (rein symbolischen) Treppe zur Spree, eine ebenso kluge wie begeisternde Einladung zum Besuch der Museumsinsel in der historischen Mitte Berlins. Im Innern kommt die hochwertige Gestaltung mitsamt der Materialien vom warmen Walnussholz bis zum unterkühlten Sichtbeton hinzu. Schon die Räume selbst sind ein Erlebnis.

Wann eröffnet die Galerie?

Am morgigen Sonnabend, 13. Juli, laden die Staatlichen Museen von 10-21 Uhr zu einem Aktionstag in die Galerie ein. Angeboten werden Führungen, Workshops für Kinder und Familien, Ausstellungsgespräche für Erwachsene. Kuratoren und Kuratorinnen werden von den Sammlungen der Museumsinsel berichten.

James-Simon-Galerie, Museumsinsel Berlin, Bodestraße, Mitte. Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag (außer Donnerstag) 9.30-18.30 Uhr, Donnerstag 9.30 Uhr. Gastronomie tgl. 9.30-23 Uhr. Der Eintritt ist frei, mit Ausnahme der Sonderausstellung, die man aber mit Tickets für das Neue Museum oder das Pergamonmuseum besuchen kann.