Gropiusstadt

Mann zündet eigene Wohnung an - Hochhaus evakuiert

Bei dem Feuer in einem 14-stöckigen Wohnhauses in Gropiusstadt kam der Mann ums Leben. 80 Anwohner wurden ins Freie gebracht.

Berlin. Ein Mensch will in einem Verzweiflungsakt seinem Leben ein Ende bereiten und gefährdet dabei das Leben von 100 Mitmenschen: In der Nacht zu Donnerstag hat ein Mieter Feuer in einem Hochhaus in Gropiusstadt gelegt und damit dafür gesorgt, dass Einsatzkräfte der Feuerwehr mehr als 100 Bewohner in einer riskanten Rettungsaktion aus dem 14-stöckigen Gebäude am Käthe-Dorsch-Ring evakuieren mussten. Der mutmaßliche Brandstifter selbst konnte nach Abschluss der Lösch- und Bergungsarbeiten nur noch tot geborgen werden.

Um sechs Minuten vor Mitternacht ging der Alarm bei der Feuerwehr ein. In einiger Entfernung vom Brandort lebende Bewohner des ausgedehnten Blocks hatten dichten Qualm bemerkt, der aus einer Wohnung in der sechsten Etage des Hauses quoll. Als die Einsatzkräfte wenige Minuten später am Brandort eintrafen, loderten bereits Flammen aus dem Fenster der Wohnung. Qualm und Flammen waren am nächtlichen Himmel über weite Entfernungen zu sehen.

Mutter des mutmaßlichen Brandstifters kommt in Klinik

Während ein Teil der Einsatzkräfte unverzüglich mit den Löscharbeiten begannen, machten sich ihre Kollegen daran, die über der Brandwohnung liegenden acht Etagen zu räumen. In die Brandwohnung selbst gelangten sie nicht hinein. Der Mieter hatte sich, wie spätere Untersuchungen ergaben, verbarrikadiert und dann offenbar die Möbel angezündet. Feuerwehrleute entdeckten ihn erst bei einer Begehung des Hauses nach dem Ende der Löscharbeiten.

Der Mann lag tot auf dem Boden der völlig ausgebrannten und verwüsteten Wohnung. Aufgrund der Auffindesituation und weiterer Erkenntnisse sei davon auszugehen, dass der Tote den Brand in Suizid-Absicht gelegt habe, sagte eine Feuerwehrsprecherin am Donnerstag. Angaben zur Identität des Mannes machten weder Feuerwehr, noch Polizei – aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und der Pietät angesichts des tragischen Todes. Bekannt wurde allerdings, dass der mutmaßliche Brandstifter zusammen mit seiner Mutter in der Wohnung lebte. Der war es gelungen, die Wohnung zu verlassen, bevor ihr Sohn sich verbarrikadierte. Die Frau, über die ebenfalls keine weiteren Angaben gemacht wurden, kam mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung in ein Krankenhaus. Vier weitere Hausbewohner wurden von Rettungskräfte vor Ort behandelt. Weitere Verletzte gab es nicht.

Die Evakuierung war zwingend erforderlich und musste schnell erfolgen. Denn viele Mieter versuchten festzustellen, was vor sich ging, indem sie gleichzeitig die Fenster und ihre Wohnungstüren öffneten. Das ist ein Vorgehen, vor dem die Feuerwehr immer wieder warnt, erzeugt es doch häufig den sogenannten Kamineffekt, bei dem ein durch das Feuer frei gesetztes Kohlenmonoxid-Gemisch in enormer Geschwindigkeit das Treppenhaus hochzieht. Bereits zwei, drei Atemzüge inmitten einer solchen grauen Qualmwolke führen zur Bewusstlosigkeit. Da auch Bewusstlose weiter atmen, dauert es danach nicht mehr lange bis zu einer tödlichen Kohlenmonoxidvergiftung.

Die Feuerwehr war in der Nacht mit einem Großaufgebot und Spezialgerät zur Menschenrettung im Einsatz. Wie immer bei solchen Einsätzen, sammelte sich am Brandort eine große Anzahl Schaulustiger. Der Polizei gelangt es allerdings, sie auf Distanz zu halten.

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Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Suizidgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.