Gesundheit

Mit dem BIG bekommt die Charité ein neues Institut

Die medizinische Forschung soll schneller an Patienten gebracht werden. Der Bund finanziert erstmals ein Universitätsklinikum.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU, r.) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) beim Rundgang im BIG.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU, r.) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) beim Rundgang im BIG.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) wird in die Charité integriert. Damit soll am Universitätsklinikum die medizinische Forschung gestärkt werden. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) haben dazu am Mittwoch eine entsprechende Verwaltungsvereinbarung zwischen dem Bund und dem Land Berlin unterzeichnet. Das Ziel: Patienten sollen künftig schneller von Forschungsergebnissen profitieren. Die Zusammenlegung soll auch die Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung des BIG schaffen.

Bund beteiligt sich an Finanzierung eines Universitätsklinikums

Neben der Krankenversorgung und der Medizinischen Fakultät wird das BIG damit zur dritten Säule des Klinikums. Zusätzlich soll das BIG einen Sitz im Vorstand der Charité erhalten und das Bundesministerium für Bildung und Forschung einen Sitz im Aufsichtsrat. Außerdem beteiligt sich der Bund erstmals an der Finanzierung eines Universitätsklinikums. Die Integration des BIG in die Charité soll voraussichtlich zum 1. Januar 2021 erfolgen.

Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung verfolgt das Ziel, innovative Forschungsergebnisse aus dem Labor schneller der medizinischen Behandlung zugänglich zu machen. Durch neue Diagnose- und Therapieverfahren soll die Lebensqualität von Menschen mit fortschreitenden Erkrankungen verbessert werden. „Die rasche und effektive Übertragung von Forschungsergebnissen aus dem Labor in die Klinik gelingt nur, wenn Ärztinnen und Ärzte, Forscherinnen und Forscher, und natürlich Patientinnen und Patienten ohne institutionelle Hürden in einem optimalen Umfeld zusammenarbeiten“, erklärt Axel Radlach Pries, Dekan an der Charité und interimsweise Vorstandsvorsitzender des BIG. Für diese sogenannte Translation – die Übertragung von Forschungsergebnissen ins Labor – biete die Integration des BIG in das Universitätsklinikum die beste Voraussetzung.

Gesetzesänderung erlaubt Zusammenarbeit von Bund und Ländern

In der Gemeinsamen Wirtschaftskonferenz (GWK) hatten bereits am 5. Juli alle Länder der Verwaltungsvereinbarung zugestimmt. Grundlage hierfür ist der 2015 abgeänderte Artikel 91b des Grundgesetzes, der damit erstmals Anwendung findet. Auf Grundlage dessen können Bund und Länder in bestimmten Bereichen der Wissenschaftsförderung und des Bildungswesens aufgrund von Vereinbarungen zusammenwirken und damit eine sogenannte Gemeinschaftsaufgabe wahrnehmen.

Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité, betont die Möglichkeiten der Gesetzesänderung: „Mit der breiten Zustimmung von Bund und Ländern erfährt das BIG eine herausragende Legitimation, als neues Modell Translationaler Medizin innovative Wege zu beschreiten, um Ergebnisse aus der Grundlagenforschung schnell ans Krankenbett zu bringen.“

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller erklärt dazu: „Dass wir dafür mit anderen exzellenten Zentren bundesweit zusammenarbeiten können, passt zu einem Wissenschaftsstandort wie Berlin, der von einer ausgeprägten Kultur und Kooperation gekennzeichnet ist.“ Dafür seien nun die Rahmenbedingungen gesetzt und die Umsetzung könne beginnen.

Ein weiterer Partner für Molekulare Medizin

„Das zentrale Ziel ist es, dass Forschung und Gesundheitsversorgung noch stärker ineinandergreifen“ erklärt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek. Auf diese Weise solle der medizinische Fortschritt vorangetrieben und Deutschland als Forschungsstandort weiter gestärkt werden. Durch die neue Organisationsstruktur solle das BIG handlungsfähiger gemacht werden. Deutschlandweite Projekte zur weiteren Stärkung der translationalen Forschung sollen durch das BIG gefördert werden.

Der Bund steigt mit der Vereinbarung erstmals direkt in die Grundfinanzierung eines Universitätsklinikums ein. Die wirtschaftliche Autonomie des BIG solle dabei gewahrt bleiben. Das Verhältnis der bisherigen Finanzierung zwischen Bund (90 Prozent) und dem Land Berlin (zehn Prozent) soll beibehalten werden. Das Gesamtvolumen beträgt hierbei 77 Millionen Euro pro Jahr.

Zusätzlich wird das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) Partner des BIG. „Als privilegierter Partner wird das MDC entscheidend dazu beitragen, dass das BIG seinen Auftrag erfüllt und die Forschungsergebnisse schnellstmöglich in die Klinik bringt“, sagt Thomas Sommer, kommissarischer Wissenschaftlicher Vorstand des MDC. Das MDC sei ein Innovationstreiber und verfüge über hochmoderne Technologien und Infrastrukturen, die zum Teil gemeinsam von MDC, Charité und BIG aufgebaut und genutzt werden.

Ein Beispiel dafür ist die BeLove Studie. Im Rahmen dieser sollen Patienten, die an akuten Erkrankungen der Blutgefäße leiden, beispielsweise Diabetes mellitus, Koronarsyndrom oder Nierenversagen, über viele Jahre beobachtet werden. Die Wissenschaftler hoffen dadurch herauszufinden, wie die verschiedenen Herz-Kreislauferkrankungen entstehen und verlaufen.

Mit den Erkenntnissen sollen dann neue Therapien entwickelt werden. Sommer lobte neben seinen eigenen Spezialisten am MDC auch den bereits bestehenden Austausch mit dem Universitätsklinikum. Das MDC arbeite „schon jetzt mit Ärzten der Charité sehr gut zusammen“, so Sommer. Durch die neue Partnerschaft soll die Zusammenarbeit noch einmal intensiviert werden.