Funkausstellung

Das sind die Trends auf der IFA 2019 in Berlin

Ohne Künstliche Intelligenz geht in der Unterhaltungselektronik immer weniger. Auf der IFA wird das Thema zu den wichtigsten Trends gehören.

Nicht nur Fernseher werden immer intelligenter. Auf der IFA zeigen Hersteller auch schlaue Haushaltsgeräte.

Nicht nur Fernseher werden immer intelligenter. Auf der IFA zeigen Hersteller auch schlaue Haushaltsgeräte.

Foto: Franziska Gabbert / dpa-tmn

Berlin. Ob es denn denkbar sei, dass Til Schweiger künftig die Tagesschau spreche, will Moderatorin Judith Rakers am Mittwochmittag bei der Vorstellung einiger Highlights der diesjährigen IFA von einem Samsung-Mitarbeiter wissen. Denn der Schauspieler Schweiger nuschele ja so, sagt Rakers.

Der Mitarbeiter des südkoreanischen Elektronik-Konzerns lächelt. Zuvor hatte er die Vorzüge der neuen Samsung-Geräte vorgestellt. Unter anderem könne mithilfe von Künstlicher Intelligenz die Qualität von Bild und Ton verbessert werden. Aber Schweigers nuscheln? Der Mitarbeiter zuckt mit den Schultern.

Internationale Funkausstellung vom 6. bis zum 11. September in Berlin

Samsung legt wie auch andere Hersteller verstärkt Wert auf Künstliche Intelligenz (KI) in seinen Geräten. Neue Produkte sollen auch auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin zu sehen sein, die in diesem Jahr vom 6. bis 11. September auf dem Messegelände unterm Funkturm stattfindet. Die Südkoreaner jedenfalls glauben fest an den Siegeszug von KI.

Sieben Entwicklungszentren arbeiten weltweit daran, die Technologie nach vorne zu bringen. Bis zum Jahr 2022 sollen sich konzernintern 1000 Ingenieure ausschließlich mit diesem Thema befassen. „Geräte werden sich künftig nicht mehr durch Hardware-Features differenzieren, sondern dadurch, wie intelligent sie sind,“ sagt Samsung-Marketing-Direktor Mike Henkelmann.

Künstliche Intelligenz gehört immer mehr zum Alltag

In Deutschland gehört Künstliche Intelligenz laut einer aktuellen Studie längst zum Alltag der Verbraucher – und nimmt auch in der Unterhaltungselektronik an Bedeutung zu. In erster Linie werden entsprechende Lösungen zwar derzeit für Mobilität und Verkehr genutzt, ergab eine repräsentative Studie, die die Branchengesellschaft gfu im Vorfeld der IFA in Auftrag gegeben hat. Aber auch in den für die Messe relevanten Branchen nehme KI eine zunehmend wichtige Rolle ein, so die gfu.

Die Einstellung der Bevölkerung in Deutschland zur Künstlichen Intelligenz sei überwiegend positiv, sagt Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsvorsitzender der gfu. 80 Prozent der Befragten nutzen KI bereits zur Verkehrsleitung oder planen den Einsatz, wie die Umfrage unter 2000 Haushalten in Deutschland ergab. Inzwischen steuern jedoch auch bereits 68 Prozent ihre smarten Unterhaltungsgeräte per Sprache beziehungsweise haben dies vor. 63 Prozent verwenden entsprechende Lösungen für die Live-Übersetzung. Und Haushaltsgeräte steuern 57 Prozent der Befragten per Sprache mit Hilfe von KI.

Verbraucher äußern auch Skepsis zum Thema KI

Generell würden Verbraucher den größten Nutzen in der Medizintechnik, der Gesichtserkennung, der Verkehrslenkung und in der Industriellen Fertigung sehen. Die Hauptgründe für eine Ablehnung solcher Technologien lägen im Schutz der Privatsphäre (60 Prozent der Befragten) sowie der Auffassung, dass die Anwendungen noch nicht ausgereift seien (59 Prozent), so gfu-Vertreter Kamp.

Im Bereich von Fernsehern wird nicht nur der Bedienkomfort das ganz große Thema sein. Immer mehr Hersteller arbeiten zudem an dem sogenannten semantischen Fernsehen. Dabei erkennt KI den Inhalt der bewegten Bilder und spielt dazu passende zusätzliche Informationen aus. Grundlage dafür sind Millionen gesammelter Daten, die dann in einer Datenbank abgerufen und ausgespielt werden.

Die Technik biete etwa auch Kunden aus der Werbeindustrie neue Möglichkeiten, Verbraucher anzusprechen, erklärt Matthieu Deru vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken. Deru hat für die verschiedenen Anwendungsfelder bereits eine Software entwickelt. Noch ist „Swoozy“ allerdings eine reine Forschungsanwendung. In zwei bis drei Jahren könnten ähnliche Programme aber bereits in ersten Geräten zu finden sein.

Der Backofen weiß, wann das Backhendl fertig ist

Auf der IFA werden in diesem Jahr aber auch immer mehr schlaue Haushaltsgeräte zu sehen sein. „In Zukunft weiß der Backofen nicht nur, wann das Backhendl fertig ist, sondern, wie Sie ihr Backhendl am liebsten mögen“, sagt Thomas Salditt von dem Hersteller BSH Hausgeräte, der auf der Messe unter anderem mit dem Marken Bosch und Siemens vertreten sein wird. Vor allem mithilfe von Kameras werden die Geräte künftig den Zustand der Mahlzeiten erkennen können – und sie werden so auch erlenen, wie Nutzer die Gerichte am liebsten mögen. Wie lange das Lernen dauere, hänge auch davon ab, wie viele Personen mit den Geräte arbeiten. KI könne aber künftig dabei helfen, das Essen auf den Punkt zu kochen, so Salditt.

Zudem werde sich die Technik auch Routinen der Nutzer merken. Wenn ein Nutzer etwa immer nachts um 2 Uhr aufstehe, um ein Glas Milch zu trinken, werde sich der Kühlschrank künftig darauf vorbereiten – um danach wieder Energie zu sparen, sagt Salditt. Diese neue Ära der Hausgeräte werde auf der IFA in diesem Jahr eingeleitet, so der BSH-Mitarbeiter.