Verschwundene Briefe

Immer mehr Klagen über die Post in Berlin

Die Zahl der Beschwerden bei der Bundesnetzagentur ist gestiegen. Die FDP sieht auch den Senat in der Pflicht.

In Berlin sind die Beschwerden bei der Bundesnetzagentur über die Brief- und Paketzustellung deutlich angestiegen.

In Berlin sind die Beschwerden bei der Bundesnetzagentur über die Brief- und Paketzustellung deutlich angestiegen.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Berlin. In der Hauptstadt gibt es einer neuen Auswertung zufolge zunehmend Probleme bei der Zustellung von Briefen und Paketen. Laut Linksfraktion im Bundestag ist die Zahl der Beschwerden von Berliner Verbrauchern bei der zuständigen Bundesnetzagentur in den Jahren 2014 bis 2018 um 724 Prozent gestiegen. Im vergangenen Jahr meldeten Berliner demnach in 1212 Fällen Probleme bei der Brief- und Paketzustellung. Die Dunkelziffer ist noch viel höher, da sich nicht jeder verärgerte Kunde beschwert. 2014 lag die Zahl der schriftlichen Meldungen bei nur 147.

Laut Auswertung der Linkspartei auf der Grundlage von Daten, die die Bundesnetzagentur zur Verfügung stellte, sind die Berliner damit im bundesweiten Vergleich besonders aktiv beim Anzeigen von Problemen mit der Post: In keinem anderen Bundesland gab es rechnerisch pro Einwohner mehr Beschwerden als in Berlin. Der Unmut wächst aber auch im übrigen Bundesgebiet. In den vergangenen 20 Jahren habe sich die Zahl der Beschwerden im Postbereich verfünfzigfacht, von 250 im Jahr 1999 auf 12.615 in vergangenen Jahr. Berlin leide aber offenbar ganz besonders unter den negativen Folgen der verfehlten Privatisierung des Postsektors, sagte der Sprecher für Dienstleistungs- und Gewerkschaftspolitik der Linken im Bundestag, Pascal Meiser, der Berliner Morgenpost.

Probleme bei Zustellung von Briefen und Paketen: Linkspartei will mehr Sanktionsmöglichkeiten

„Es wird höchste Zeit, dass die Bundesregierung die wachsende Unzufriedenheit mit der Qualität der Postdienstleistungen ernst nimmt. Die Bundesnetzagentur muss dazu mit schärferen Kontroll- und Sanktionsinstrumenten ausgestattet werden – sowohl gegenüber der den Briefmarkt beherrschenden Deutschen Post AG als auch gegenüber dem zunehmenden Wildwuchs auf dem deregulierten Paketmarkt“, forderte Meiser.

Kommentar: Die Berliner sind zu Recht verärgert

Die Deutsche Post erklärte auf Anfrage die gestiegene Anzahl der Beschwerden auch mit einer verbesserten Wahrnehmung der Bundesnetzagentur als Beschwerdeinstanz. Die Behörde habe sich in den vergangenen Jahren deutlich stärker medial engagiert, sodass auch ihre Sichtbarkeit als Aufsichtsbehörde größer geworden sei, sagte ein Unternehmenssprecher. Er betonte, dass der Großteil der Sendungen die Empfänger erreiche. Die Zahl der Beschwerden im Vergleich zu den versendeten Briefen und Paketen sei zudem sehr gering. 2018 habe die Post bundesweit mehr als 19 Milliarden Pakete und Briefe zugestellt. Statistisch gesehen kämen so auf 1,7 Millionen Sendungen eine Beschwerde, so der Sprecher.

Dennoch investiere die Post weiter in die Qualität der Zustellung: In der Region Berlin-Brandenburg ist derzeit etwa ein neues Paketzentrum in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) im Bau. Zudem habe das Unternehmen in 14 neue Sortiermaschinen in den Briefzentren in Tempelhof und Schönefeld investiert.

Hintergrund: Paketdienst-Ärger: Braucht Branche bessere Kontrollen?

FDP in Berlin vermutet gewerbsmäßigen Betrug

Angesichts der deutlich gestiegenen Zahl der Beschwerden in Berlin sieht die FDP im Abgeordnetenhaus auch Versäumnisse beim Senat. „Bereits vor 18 Monaten haben wir den Verbraucherschutzsenator aufgefordert, Beschwerde bei der Bundesnetzagentur zu erheben – und wie üblich ist nichts geschehen. „Wer – wie offenbar manche Dienstleister – einen Auftrag annimmt, den er wegen fehlenden Personals gar nicht erfüllen kann, begeht gewerbsmäßig Betrug. Egal, ob es ein privater oder staatlicher Anbieter ist“, sagte der Abgeordnete Marcel Luthe. Nur durch eine personelle Stärkung der Amts- und Staatsanwaltschaft könne dafür gesorgt werden, dass die Dienstleister die bezahlte Leistung auch erbringen, so Luthe weiter.

Linkspolitiker Meiser sieht hingegen die Bundesregierung in der Verantwortung: Das Briefporto solle künftig nur noch in dem Umfang erhöht werden, in dem die Einnahmen für bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Qualität der Postzustellung verwendet werden, forderte Meiser. Die Deutsche Post hatte erst zum Juli das Porto angehoben: Das Versenden eines Standardbriefs im Inland kostet seitdem 80 Cent statt bisher 70 Cent. Für die Postkarte war das Porto von 45 auf 60 Cent gestiegen.