Verkehr

Müller will 365-Euro-Jahreskarte für Bus und Bahn in Berlin

365 statt 761 Euro: Berlins Regierungschef will den Preis mehr als halbieren. Wann und mit welchem Geld, das lässt er zunächst offen. Für einige gibt es aber schon in Kürze das billigere Ticket.

Eine U-Bahn fährt unter einem Schild mit der Aufschrift "BVG" vorbei.

Eine U-Bahn fährt unter einem Schild mit der Aufschrift "BVG" vorbei.

Foto: dpa

Berlin/Zürich. Einen Euro pro Tag: Aus Sicht des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) sollte eine Jahreskarte für Busse, Trams und U-Bahnen in Berlin mehr nicht kosten. "Ich will Schritt für Schritt auch das Ziel verfolgen, ein Jahresticket für den öffentlichen Personennahverkehr für 365 Euro anbieten zu können", kündigte er bei einer Diskussionsrunde der "Neuen Zürcher Zeitung" in der Schweiz an. Vorbild sei die Stadt Wien, sagte Müller in der Runde mit seinen Amtskollegen aus Wien und Zürich.

Für das Berliner Stadtgebiet kostet die Umweltkarte des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg bislang 761 Euro im Jahr. Von August an bekommen Azubis für 365 Euro die Jahreskarte.

In Deutschland testen derzeit Bonn und Reutlingen mit Hilfe von Bundesförderung 365-Euro-Karten. Diese sollen mehr Menschen dazu bringen, das Auto stehen zu lassen und stattdessen Bus und Bahn zu fahren. Die SPD macht sich wie die Grünen auch auf Bundesebene dafür stark.

Die Berliner CDU-Fraktion ist hingegen skeptisch. "Anders als in Österreichs Hauptstadt ist unser Nahverkehr leider unterfinanziert", teilte die Partei mit. Es fehlten Fahrzeuge. Müller müsse klar machen, wie er seinen Vorschlag finanzieren wolle. Die FDP betonte, auch Sicherheit, Sauberkeit und ein gutes Angebot seien wichtig.

"Jede Idee ist gut, die dazu führt, dass mehr Menschen den ÖPNV nutzen", sagte eine Sprecherin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Notwendig seien dann aber auch mehr Personal und Fahrzeuge. "Das ist eine sehr große Investition."

Das Landesunternehmen plagt ohnehin ein U-Bahn-Mangel: 1500 neue Wagen würde sie gern bei Stadler bestellen, der Konkurrent Alstom aber legte Beschwerde ein. Die Vergabekammer hat bisher nicht darüber entschieden, wie die Wirtschaftsverwaltung bestätigte. Die "Berliner Morgenpost" (Montag) hatte darüber berichtet.

Wien hatte 2012 für Busse und Bahnen eine Jahreskarte für 365 Euro eingeführt, jeder zweite Wiener habe sie im Portemonnaie, bilanzierte das Beratungsunternehmen Civity in einer Studie, auf die die BVG am Montag hinwies. Allerdings sei die Zahl der Fahrgäste seither nicht stärker gestiegen als die der Einwohner, es werde auch nicht weniger Auto gefahren.

In Wien war auch der Rabatt nicht so stark wie er in Berlin wäre: Vor 2012 kostete die Jahreskarte in der österreichischen Hauptstadt 449 Euro. Zugleich wurden ab 2012 Gelegenheitsfahrten deutlich teurer, wie die Studie erläutert. Der öffentliche Verkehr war schon vorher deutlich gewachsen, während die Parkgebühren stiegen.