Polizei

Berliner Kriminaltechnik mit 52.000 Aufträgen im Rückstand

Aus welcher Waffe kam der Todesschuss? Die Kriminaltechnik weiß auf vieles eine Antwort - wenn sie denn hinterherkommt.

Einsatzkräfte der Polizei und Kriminaltechniker stehen im Tiergarten.

Einsatzkräfte der Polizei und Kriminaltechniker stehen im Tiergarten.

Foto: dpa

Berlin. Auf die Auswertung von Spuren müssen Ermittler in Berlin oftmals lange warten. Beim Kriminaltechnischen Institut des Landeskriminalamtes (LKA) hat sich die Zahl noch nicht abgeschlossener Untersuchungen seit Ende 2014 etwa verdoppelt: auf knapp 52 000 Aufträge Ende 2018. Das geht aus einer Antwort der Innenverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Marcel Luthe (FDP) hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Demnach geht der Anstieg vor allem auf vermehrt angeforderte DNA-Analysen zurück. Der Rückstand des dafür zuständigen Fachbereichs lag Ende 2014 noch bei rund 5900 - inzwischen beziffert die Polizei ihn auf rund 29 000 Aufträge. DNA-Analysen im Zusammenhang mit Kapitalverbrechen würden vorrangig bearbeitet, erklärte die Polizei auf Anfrage. Im Schnitt liege die Bearbeitungsdauer bei 58 Tagen. Dabei blieb unklar, ob Kalender- oder Werktage gemeint sind.

Wartezeit auf DNA-Analysen bis zu drei Jahren

Der Berliner Staatsanwalt Ralph Knispel sprach kürzlich in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz von einer Wartezeit auf DNA-Analysen von zwei bis drei Jahren bei Delikten wie Einbrüchen. Reisende Täter etwa seien nicht mehr greifbar, wenn das Ergebnis komme. "Selbst im Bereich der organisierten Kriminalität und auch bei Tötungsdelikten warten wir bisweilen Monate auf die Untersuchungsergebnisse", so Knispel. Der Grund sei Personalmangel. "Es türmen sich Berge auf." Diese Missstände gebe es auch in anderen Bundesländern.

Heutzutage reichen kleinste Spuren von Blut, Haut oder Haaren für eine DNA-Analyse. Der Nachweis des genetischen Fingerabdrucks gilt vor Gericht als besonders sicheres Beweismittel.

Fingerabdrücke: 235 Tage, Waffen: 238 Tage, Handschriften: 325 Tage

Für weitere Arten von Spuren schlüsselt die Innenverwaltung in ihrer Antwort auf, wie viel Geduld im Schnitt nötig ist: Bei Fingerabdrücken dauere die Bearbeitung 235 Tage, bei Waffen 238, bei Urkunden und Handschriften 325. Die Behörde schränkt jedoch ein: Oft bearbeiteten mehrere Fachbereiche eine Spur, teils auch nacheinander. Deshalb ließen sich die realen Zeiten nur bedingt erfassen.

"Grundsätzlich ist die Polizei Berlin um schnellstmögliche Bearbeitung der Vorgänge bemüht", erklärt die Innenverwaltung. Zum Abbau des Rückstandes würden interne Zielvereinbarungen getroffen. Zum Beispiel soll ein neuer Qualitätsstandard zur Sicherung von DNA-Spuren dafür sorgen, dass man sich auf "tatsächlich erfolgversprechende DNA-Spuren" konzentriert.

"Aufgaben werden größer und die Kapazitäten kleiner"

Insgesamt wurden 2018 rund 136.000 Untersuchungen bei der Kriminaltechnik angefordert, in den Jahren zuvor schwankten die Zahlen zwischen rund 118.000 (2014) und fast 139.000 (2016). Dabei ziehen die Experten bestimmte Analysen vor: Wenn es zum Beispiel um schwere Delikte geht und um eilende Fälle, in denen das Ergebnis mit entscheidend sein kann für die Anordnung von Untersuchungshaft. So erklärt es ein Polizeisprecher. Längere Bearbeitungszeiten beträfen zum Beispiel Kleinkriminalität, wie Diebstahl aus Autos.

"In allen Fragen der Sicherheit werden die Aufgaben größer und die Kapazitäten kleiner - so auch hier", erklärte Luthe. Nötig sei mehr Personal beim LKA. Zudem müsse ausreichend Geld zur Verfügung stehen, um Aufträge extern zu vergeben, damit der Riesenberg abgebaut werden können und nicht stetig weiter wachse. Dem Senat warf Luthe vor, dem Thema Sicherheit niedrigste Priorität einzuräumen.

Die veranschlagten Investitionen in die Kriminaltechnik liegen laut der Senatsantwort in den nächsten Jahren ungefähr konstant bei rund 1,1 Millionen Euro pro Jahr. Das Kriminaltechnische Institut beschäftigt rund 400 Mitarbeiter, darunter Biologen, Chemiker und Physiker. Zu den Aufgaben gehöre, die am Tatort gesicherten Spuren "zum Sprechen" zu bringen", heißt es auf der Institutswebseite.