Leitlinien

Keine Höhengrenze für Hochhäuser in Berlin

Die Leitlinien für den Bau von Hochhäusern sehen künftig keine Höhenbegrenzung vor. Angewandt werden sie zuerst in der City West.

Die Hochhäuser  Waldorf Astoria (r.) und Upper West sind hinter einem Fenster in der Turmruine der Gedächtniskirche zu sehen.

Die Hochhäuser Waldorf Astoria (r.) und Upper West sind hinter einem Fenster in der Turmruine der Gedächtniskirche zu sehen.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Der Himmel über Berlin ist grenzenlos. Für Hochhäuser in Berlin gilt künftig keine Höhenbegrenzung. Das sehen die Leitlinien für den Bau von Hochhäusern vor, den Senatsbaudirektorin Regula Lüscher am Donnerstag vorgestellt hat. Demnach können grundsätzlich im ganzen Stadtgebiet neue Hochhäuser entstehen, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen.

So ist vorgesehen, dass Hochhäuser eine Mischnutzung aufweisen müssen. Reine Wohn- oder Bürogebäude sind dementsprechend nicht möglich. Mindestens 30 Prozent der Bruttogeschossfläche müssen mit einer anderen Nutzungsart kombiniert werden. Außerdem müssen das Erdgeschoss und das oberste Stockwerk öffentlich zugänglich sein.

Genehmigungsverfahren wird vier bis fünf Jahre dauern

„Hochhäuser müssen einen Mehrwert für die Gesellschaft bieten“, sagte Regula Lüscher bei der Vorstellung der Leitlinien. „Vom Ausblick sollen alle profitieren.“ Hochhauspläne mit Luxuswohnungen in der obersten Etage werden demnach künftig nicht genehmigt. Alle neuen Hochhäuser mit einem Wohnanteil müssen nach dem Berliner Modell einen Anteil von 30 Prozent geförderten Wohnungen enthalten.

Keine Chance auf Genehmigung haben künftig Hochhausprojekte, die an nicht ausreichend erschlossenen Flächen, neben denkmalgeschützten Gebäuden oder direkt an Naturschutzgebieten entstehen sollen. Ist dies nicht der Fall, beginnt ein umfangreiches Genehmigungsverfahren, das nach Angaben Lüschers vier bis fünf Jahre dauern wird. Das Baukollegium prüft, ob das Hochhaus in die Umgebung passt, außerdem werden die Anwohner beteiligt. Ist beides geschehen, erfolgt die Aufstellung eines Bebauungsplans.

Neue Leitlinien werden zuerst in City West angewandt

Die Leitlinien gelten künftig für alle Bauvorhaben, die höher als 60 Meter geplant sind oder die umliegende Bebauung um mehr als 50 Prozent überragen. In einem Gebiet mit Gebäuden auf Traufhöhenniveau von 22 Metern bedeutet das ab einer Höhe von 33 Metern.

Als erstes werden die neuen Leitlinien in der City West angewandt. Hier hat der Bezirk um eine Überarbeitung des Masterplans gebeten, die nun unter Berücksichtigung der Hochhausleitlinien erfolgt. „Das funktioniert sehr gut“, sagte Lüscher am Donnerstag.

Derzeit gibt es über 20 Hochhausprojekte in Berlin, vor allem in der City West um am Alexanderplatz bemühen sich Investoren für die Baugenehmigung neuer Hochhäuser. Am weitetesten fortgeschritten ist der Anbau des Estrel-Hotels in Neukölln. Hier soll ein 175 Meter hohes Hochhaus entstehen.

Planungen für zwei Hochhäuser am Alexanderplatz

Aber auch am Alexanderplatz sind die Planungen für zwei neue Hochhäuser weit fortgeschritten. Der französische Baukonzern Covivio hat den Bauantrag für ein 130 Meter hohes Haus neben dem Park-Inn-Hotel eingereicht und die Monarch-Gruppe will ein 150 Meter hohes Haus neben dem Alexa bauen. Hochhauspläne für den Alexanderplatz bestehen seit dem Fall der Mauer. Sie wurden aber immer wieder revidiert und verworfen.