Deutsche Bahn

Zu wenig Personal – Diese Züge fallen am Wochenende aus

Berliner müssen sich auf weitere Zugausfälle bei der Regionalbahn einstellen. Grund ist der Lokführermangel.

Der Regionalexpress RE 1 fährt in Richtung Berlin. (Archivbild)

Der Regionalexpress RE 1 fährt in Richtung Berlin. (Archivbild)

Foto: Patrick Pleul / dpa

Cottbus. Weil Lokführer fehlen, werden auch an diesem Wochenende auf mehreren Regionallinien Zugfahrten ausfallen. Betroffen von den Einschränkungen ist auch der Regionalexpress (IRE) Berlin-Hamburg, der täglich bis zu zweimal als Ergänzung zu den schnelleren, aber auch teureren ICE-Fernzügen auf der Strecke zwischen beiden Metropolen fährt. Insgesamt sollen aber deutlich weniger Verbindungen wegfallen als noch am vorigen Wochenende, betonte ein Bahnsprecher gegenüber der Berliner Morgenpost. Vor einer Woche sind mindestens 45 Züge nicht wie im Fahrplan vorgesehen gefahren.

Laut Bahn entfallen beim IRE nach Hamburg am Sonnabend die Frühverbindung (Abfahrt 7.52 Uhr, Ostbahnhof) sowie am Sonntag der Mittagszug (13.11 Uhr ab Ostbahnhof) sowie jeweils der Abendzug zurück nach Berlin (Abfahrt: 19.24 Uhr in Hamburg Hauptbahnhof).

Verschärfte Lage durch zahlreiche Baustellen

Alternativ fährt stündlich ein ICE an die Alster. Die Fernzüge legten die Strecke in weniger als zwei Stunden zurück, der reguläre Fahrpreis ist mit 87 Euro jedoch viermal so hoch wie beim IRE (19,90 Euro für eine Fahrt, 29,90 Euro für Hin- und Rückfahrt).

Von Ausfällen betroffen ist auch die RE-Linie 1 (Cottbus–Berlin–Magdeburg), dort fallen am Sonntag zwei Fahrten aus. Auf der RE-Linie 7 sind Sonnabend und Sonntag jeweils zwei Fahrten, am Montag eine Fahrt gestrichen. Weil ihr Lokführer, teilweise aber auch Waggons fehlen, hat die Deutsche Bahn derzeit große Mühe, alle im Fahrplan ausgewiesenen Fahrten anzubieten.

Verschärft wird die Situation aktuell durch zusätzlich bestellte Zugfahrten, etwa zur brandenburgischen Landesgartenschau nach Wittstock/Dosse. „Auch die aktuell vielen Baustellen sorgen dafür, dass wir mehr Personal und mehr Züge benötigen“, sagte der Bahnsprecher. So ist die RE-Linie 1 durch eine Baustelle im Bereich Frankfurt (O.) beeinträchtigt. Die Streckensperrung zwischen Fürstenwalde und Frankfurt (O.) sollte eigentlich schon beendet sein, wegen einer kurzfristig versagten Genehmigung müsse nun aber noch bis 7. Juli weiter gebaut werden, so der Bahnsprecher.

Aufgrund des unregelmäßigen Schienenersatzverkehrs können Fahrgäste mit VBB-Nahverkehrstickets am Wochenende für Direktfahrten zwischen Berlin und Frankfurt (O.) auch den Eurocity Berlin–Warschau nutzen. Die Züge halten unterwegs allerdings nicht in Fürstenwalde, auch eine Fahrradmitnahme ist nicht möglich. Rollstühle können ohne Anmeldung nicht mitgenommen werden.

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Diese Interregio-Expresse der Linie Berlin - Hamburg fallen aus:

  • Ausfall IRE 4276 und IRE 4279 am Sonneband, den 06.07. zwischen Berlin Ostbahnhof – Hamburg Hbf – Berlin Ostbahnhof
  • Ausfall IRE 4278 und IRE 4279 am Sonntag, den 07.07. zwischen Berlin Ostbahnhof – Hamburg Hbf – Berlin Ostbahnhof

Die Bahn empfiehlt Reisenden mit Nahverkehrstickets die Umfahrung mit den Zügen der RE 2 und RE 1 mit Umstieg in Schwerin Hauptbahnhof. Das IRE-Ticket ist in diesen Zügen und in Fernverkehrszügen nicht gültig. Das IRE-Ticket kann zur Erstattung eingereicht werden.

Hinfahrt Berlin Zoo/Berlin Hbf -> Schwerin -> Hamburg

Alternative für IRE 4276 am Sonnabend, den 6.07.

  • RE 63963 Berlin Zoologischer Garten (ab 07:31 Uhr) bis Schwerin (an 09:57 Uhr)
  • RE 4306 Schwerin Hbf (ab 10:11 Uhr) bis Hamburg Hbf (an 11:38 Uhr)
  • RE 63967 Berlin Hbf (ab 09:25 Uhr) bis Schwerin (an 11:57 Uhr)
  • RE 4308 Schwerin Hbf (ab 12:11 Uhr) bis Hamburg Hbf (an 13:38 Uhr)

Alternative für IRE 4278 am Sonntag, den 7.07.

  • RE 63975 Berlin Hbf (ab 13:25 Uhr) bis Schwerin (an 15:57 Uhr)
  • RE 4312 Schwerin Hbf (ab 16:11 Uhr) bis Hamburg Hbf (an 17:38 Uhr)

Rückfahrt Hamburg -> Schwerin -> Berlin Hbf

Alternative für IRE 4279 am Sonnabend und Sonntag

  • RE 4319 Hamburg Hbf (ab 20:17 Uhr) bis Schwerin Hbf (an 21:46 Uhr)
  • RE 63998 Schwerin Hbf (ab 22:00 Uhr) bis Berlin Hbf (an 00:35 Uhr)

Ausfälle für Freitag, den 05.07. bis Montag, den 08.07.

RE Linie 7 Wünsdorf/W <-> Dessau (Verdichter Leistung)

  • RE 3748 Bad Belzig 06:22 Uhr nach Berlin Ostkreuz am 05.07.
  • RE 18777 Berlin Ostkreuz 10:32 Uhr nach Borkheide am 06.07.
  • RE 18778 Borkheide 17:23 Uhr nach Berlin Schönefeld am 06.07.
  • RE 18777 Berlin Ostkreuz 10:32 Uhr nach Borkheide am 07.07.
  • RE 18778 Borkheide 17:23 Uhr nach Berlin Schönefeld am 07.07.
  • RE 3748 Bad Belzig 06:22 Uhr nach Berlin Schönefeld am 08.07.

Betroffen waren Verbindungen zwischen Cottbus und Dresden

Erst am vergangenen Wochenende war es im regionalen Bahnverkehr zu mindestens 45 Zugausfällen gekommen. Betroffen davon waren vor allem Verbindungen zwischen Cottbus und Dresden und Leipzig sowie zwischen Senftenberg und Eberswalde. Doch auch auf der Regionallinie RB55, die im Berliner Norden die Oberhavel-Gemeinden Hennigsdorf, Velten und Kremmen verbindet, sind Fahrten zuletzt wiederholt ausgefallen.

Es seien am Wochenende mehrere Probleme zusammengekommen, begründete der Bahnsprecher die Vielzahl der Ausfälle. So gebe es aktuell deutlich mehr Baustellen als üblich. „Irgendwann müssen wir ja bauen. Die Arbeiten konzentrieren sich wie in den vergangenen Jahren auf die Ferien, weil dadurch weniger Berufstätige und Schüler getroffen werden.“ Weil dadurch aber auch Linien geteilt werden müssten, gebe es einen Mehrbedarf an Lokführern und Wagen. „Wo vorher ein Zug fuhr, müssen es jetzt zwei sein“, so der Sprecher.

Am Wochenende habe die Bahn darüber hinaus etliche zusätzliche Züge etwa für die An- und Abreise Zehntausender Besucher des Fusion-Musikfestival in Lärz in Mecklenburg sowie von Gästen der brandenburgischen Landesgartenschau in Wittstock/Dosse (Ostprignitz-Ruppin) bereitstellen müssen. Personal und Fahrzeuge hätten daher an anderer Stelle gefehlt.

Bahnkunden-Verband: Ausfälle „nicht akzeptabel“

Der Bahnkunden-Verband (DBV) bezeichnete die Ausfälle als „nicht akzeptabel“. „Wir wissen, dass die Deutsche Bahn sich Lokführer nicht ,backen’ kann; diese müssen angesichts der verantwortungsvollen Aufgabe gut ausgebildet sein, um Züge mit vielen Menschen an Bord sicher von A nach B zu bringen. Aber es gibt ja nicht nur einen Lokführer-Mangel, bei den Fahrdienstleitern sieht es nicht besser aus“, sagte Michael Wedel, DBV-Vorsitzender Nordost.

Der Verband forderte von der Bahn die zügige Einstellung von mehr Personal – Lokführer und Fahrdienstleiter – sowie eine bessere Bezahlung, um Anreize für die harte Arbeit im Schichtdienst zu schaffen. Betriebsausfälle wie beispielsweise im Jahr 2013 im Mainzer Hauptbahnhof dürften sich in der Region nicht wiederholen, so der DBV-Vorsitzende. Zugleich forderte der Verband die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg als Besteller der Regionalzüge auf, die Verträge mit der Bahn so nachzubessern, dass künftig mehr Fahrzeuge zur Verfügung stehen. So müsste die Reserve an Reisezugwagen bei 20 Prozent statt wie derzeit bei zehn Prozent liegen, fordert der DBV.

Nur zehn Prozent Wagenreserve

Das sieht auch die Deutsche Bahn so. „Zehn Prozent Wagenreserve reichen in Situationen wie am vergangenen Wochenende nicht aus. Wir kommen mit unseren Kapazitäten da schnell an unsere Grenzen“, bestätigte der Bahnsprecher. In Sachen Personal habe das Unternehmen aber bereits reagiert. So sollen in diesem Jahr in der Region Nordost, die die Länder Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern umfasst, 2430 neue Mitarbeiter eingestellt werden. „Darunter sind allein 210 Lokführer, 170 Fahrdienstleiter und rund 400 Instandhalter“, sagte der Bahnsprecher. Seit September 2018 hätten bereits 38 neue Lokführer ihre Arbeit in der Region aufgenommen. Weitere würden hinzukommen, wenn sie die erforderlichen Streckenkenntnisse erworben haben. „Wir erwarten für August eine deutliche Entspannung bei der Personalsituation“, sagte der Bahnsprecher.

Nicht nur Bahnreisende, auch Nutzer der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) litten am Wochenende unter Fahrermangel. Betroffen war vor allem der Straßenbahnbetrieb. „Wegen Personalmangels hat die BVG in Köpenick am Wochenende die Tram fast eingestellt. Eigentlich müssten drei Linien im provinziellen 20-Minutentakt mit GT6-Kurzzügen verkehren, de facto tat es nur die 60. 27 und 67 fielen fast völlig aus“, beklagte sich Jens Wieseke, Sprecher des Fahrgastverbandes Igeb, auf Twitter. Die BVG bestätigte am Dienstag „Ausfälle im Köpenicker Teilnetz“. Verantwortlich dafür wurde die schwierige Baustellensituation in Karlshorst gemacht, die dafür sorgt, dass Straßenbahnen regelmäßig im Stau steckenbleiben. Durch „Kopplungen im Fahr- und Dienstplan“ sei es am Wochenende nicht gelungen, kurzfristige Ausfälle zu vermeiden, sagte eine BVG-Sprecherin.