Nach Insolvenz

Feinkosthändler Viani kauft das Berliner Kochhaus

Der neue Eigentümer schließt die Kochhaus-Filiale in Kreuzberg. Mitarbeiter werden entlassen. Das Konzept soll weitergeführt werden.

Die Kochhaus-Filiale in Schöneberg bleibt: Nach der Übernahme durch Viani sollen zunächst sieben von neun Standorten erhalten bleiben.

Die Kochhaus-Filiale in Schöneberg bleibt: Nach der Übernahme durch Viani sollen zunächst sieben von neun Standorten erhalten bleiben.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Der Göttinger Feinkostgroßhändler Viani ist neuer Eigentümer des Berliner Lebensmittelunternehmens Kochhaus. Das teilte Insolvenzverwalter Jesko Stark am Montag der Berliner Morgenpost mit. Zum Kaufpreis wurde zunächst nichts bekannt. Kochhaus, 2010 in Berlin gegründet, war im März in die Insolvenz gerutscht. Viani plant laut Stark sieben der neun Kochhaus-Filialen weiterzubetreiben. Zwei Filialen in Berlin-Kreuzberg und der Kölner Südstadt sollen noch im Juli schließen. Von den Kürzungsplänen sind nach Angaben des Insolvenzverwalters 30 der 190 Kochhaus-Beschäftigten betroffen. Für die Zukunft seien, so Stark, aber wieder Neueröffnungen geplant.

„Wir wollen das volle Programm des Kochhauses in der bisherigen Form fortführen. Unsere Kunden werden also in den nächsten Monaten keinen Unterschied bemerken. Sie können sich weiterhin auf guten Service und hervorragende Produkte verlassen,“ erklärte Ramin Goo, Geschäftsführer von Kochhaus am Montag.

Viani beliefert auch das KaDeWe

Kochhaus arbeitet mit Viani seit 2010 zusammen. Die Göttinger hatten die Filialen vor allem mit italienischen Spezialitäten beliefert. Diese langjährige Beziehung solle nun weiter vertieft werden, hieß es. „Das Kochhaus und Viani rücken näher zusammen, um das Angebot für unsere Kunden auszuweiten. Gemeinsam wollen wir das Konzept des Kochhauses weiterentwickeln,“ so Geschäftsführer Goo weiter.

Viani handelt nach eigenen Angaben bereits seit 1973 mit italienischen Spezialitäten. Gründer Antonio Viani, gebürtig aus Ligurien, begann zunächst italienische Trüffel nach Deutschland zu importieren. Mittlerweile zählt das Unternehmen auch bekannte Feinkostläden wie das Berliner KaDeWe zu seinen Kunden. Im firmeneigenen Online-Shop führt Viani zudem mehr als 3000 Feinkostprodukte. „Italienische Lebensfreude und genussvolle Lebensmittel passen gut zu innovativen Einzelhandelskonzepten wie dem Kochhaus. Deshalb freuen wir uns auf die gemeinsame Arbeit mit dem Kochhaus-Team“, erklärte Remo Viani, Geschäftsführer Antonio Viani Importe GmbH.

Alte Kochhaus-Gutscheine müssen nicht akzeptiert werden

In den Kochhäusern werden Lebensmittel nicht nach Warengruppen, sondern nach verschiedenen Rezepten angeboten und maßgeschneidert portioniert. So kann der Kunde wöchentlich wechselnde Gerichte kaufen und nach Anleitung nachkochen. Vor der Insolvenz hatte das Unternehmen eine aggressive Wachstumsstrategie verfolgt, sich dabei aber offenbar verhoben. Vor allem der Verkauf von Kochboxen über das Internet sollte wachsen. Kochbox konnte im vergangenen Jahr zwar den Umsatz auf 8,9 Millionen Euro steigern, musste aber gleichzeitig einen einstelligen Millionenverlust hinnehmen. Insolvenzverwalter Jesko Stark hatte das Unternehmen in den vergangenen Monaten saniert und einen Investorenprozess eingeleitet.

Die Übernahme von Kochhaus durch Viani hat auch Folgen für Besitzer von Kochhaus-Gutscheinen. Viani muss die von Kochhaus vor der Insolvenz ausgestellten Gutscheine nicht mehr akzeptieren. Der neue Eigentümer erarbeite gegenwärtig aber ein Konzept, um die Inhaber von Gutscheinen kulant zu behandeln, sagte Stark. Insolvenzrechtlich gesehen zählen Gutschein-Inhaber zu den Gläubigern und können im Rahmen eines Insolvenzverfahrens ihre Forderungen anmelden. In der Regel werden zunächst aber andere, wichtigere Gläubiger ausbezahlt.