Klima

Fridays for Future: Klimaschutz macht keine Sommerferien

Teilnehmer der Fridays-for-Future-Demonstration haben am Freitag eine Menschenkette um den Bundestag gebildet.

Streiken und hüpfen fürs Klima

Zu einem "zentralen Streik" riefen die Klimaschützer von Fridays for Future in Aachen auf, im Rheinischen Braunkohlerevier machten sich Demonstranten zur Tagebau-Blockade auf den Weg.

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Berlin. Auch in den Sommerferien gehen die Aktivisten von „Fridays for Future“ in Berlin für mehr Klimaschutz auf die Straße. Am Freitag versammelten sie sich am Invalidenpark in Mitte, um zum Bundestag zu ziehen. Dieser hatte an diesem Tag seine letzte Sitzung vor der Sommerpause. Um das Reichstagsgebäude bildeten die Teilnehmer eine Menschenkette. Die Polizei sprach zunächst von 600, später von rund 850 Teilnehmern.

Bereits ab 12 Uhr füllte sich der Platz vor dem Denkmal im Invalidenpark, in der Nähe des Hauptbahnhofes. Schüler und Studenten, aber auch Erwachsene folgten dem Aufruf der Berliner Ortsgruppe. Viele brachten selbstgemalte Schilder mit, auf diesen war unter anderem„Support your local Planet“, „weil man Gold nicht essen kann“ oder „Hey CDU, du alter Klimazerstörer“ zu lesen.

Quang Anh Paasch, Pressesprecher der Berliner Ortsgruppe, erklärte im Vorfeld: „Wir haben in den letzten Wochen blaue Briefe an die Bundestagspolitiker verschickt, als Symbol, dass sie auf Grund verfehlter Klimapolitik versetzungsgefährdet sind. Heute wollen wir den Bundestag umzingeln, um den Politikern zur letzten Sitzung vor der Sommerpause zu sagen, dass der Klimaschutz keine Ferien hat. Sie müssen nacharbeiten, was den Klimaschutz angeht“.

Veranstalter rufen zu Spenden für Rettungsschiff auf

In Redebeiträgen wiesen die Schüler auf die Folgen des Klimawandels hin. Sie verlangten von der Politik die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens und des 1,5-Grad-Ziels. Um das zu erreichen, fordert die Bewegung in Deutschland unter anderem den Kohleausstieg bis 2030 und den Umstieg auf erneuerbare Energie bis 2035, sowie die Stilllegung von einem Viertel der deutschen Kohlemeiler.

Außerdem riefen die Veranstalter zu Spenden für die Besatzung des zivilen Rettungsschiffes „Sea-Watch 3“ und ihrer Kapitänin Carola Rackete auf, die im Moment vor der italienischen Insel Lampedusa festgehalten wird. Die Kapitänin hatte sich nach zwei Wochen, trotz Verbot, dazu entschlossen die italienische Küste anzulaufen, um die 42 geretteten Flüchtlinge an Land zu bringen.

Nach einer rund einstündigen Kundgebung zog die Demonstration lautstark durch die Luisenstraße über die Spree zum Bundestag. In den ersten Reihen trugen die Demonstranten zum Teil rote Kleidung. „Wir machen das heute zum ersten Mal, wir wollen damit die Alarmstufe rot symbolisieren“, erklärte Paasch. An der Dorotheenstraße Ecke Wilhelmstraße nahmen sich erste Teilnehmer an der Hand und liefen so in Richtung Bundestag. Dort fächerte sich die Menge auf und bildete eine Kette um das Gebäude. Laut Veranstalter beteiligten sich auch Mitglieder der Linken-Bundestagfraktion an der Protestaktion.

Demonstrationen starteten im Dezember

Seit Monaten streiken weltweit Schüler am Freitag, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen und für die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens zu protestieren. Die Bewegung geht auf eine Protestaktion der 16-jährigen schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg zurück, die im August 2018 als erste in den Schulstreik trat.

In Berlin finden die Demonstrationen bereits seit Dezember vergangenen Jahres statt. Die Proteste lösten eine breite Debatte über die Schulpflicht aus. Die Schulleitung des Lessing-Gymnasiums in Wedding hatte im Mai sogar angekündigt, Schüler, die wegen der wöchentlichen Demonstrationen zu viele Fehlstunden aufwiesen, nicht zu versetzen. Am Ende entschied die Notenkonferenz aber, dass die Schüler trotzdem versetzt werden.

Zuspruch, aber und auch Ablehnung bekamen die Aktivisten aus der Politik. So sagte Christian Lindner (FDP) mit Blick auf die Aktivisten im März, Klimaschutz sei eine Sache für Profis, man könne von Kindern und Jugendlichen nicht erwarten, globale Zusammenhänge zu verstehen. Der Direktor des Berliner Naturkundemuseums, Johannes Vogel, hingegen solidarisierte sich mit den Aktivisten. Das Museum bietet thematisch passend in den Sommerferien in Zusammenarbeit mit dem Potsdamer Institut für Klimaforschung (PIK) eine Sommerschule zu Klimawissen an. Schüler sollen dabei ihr Wissen über Klimawandel und Klimapolitik ausbauen und ihre Argumentation schärfen.

Die größte Demonstration in Deutschland fand am 22. Juni in Aachen statt. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich rund 40.000 Menschen an dem internationalen Protest.

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