Car-Sharing

Volkswagen kooperiert bei We Share mit Lidl

VW startet in Berlin einen neuen Car-Sharing-Dienst. Nutzer sollen künftig vor Supermärkten aufladen können.

Volkswagen geht in Berlin zunächst mit 1500 E-Golfs an den Start. Im kommenden Jahr soll die Flotte in der deutschen Hauptstadt auf mehr als 2000 Fahrzeuge erweitert werden.

Volkswagen geht in Berlin zunächst mit 1500 E-Golfs an den Start. Im kommenden Jahr soll die Flotte in der deutschen Hauptstadt auf mehr als 2000 Fahrzeuge erweitert werden.

Foto: We Share

Berlin.  Der deutsche Autobauer Volkswagen hat am Donnerstag in Berlin den Startschuss für seinen neuen Car-Sharing-Dienst We Share gegeben. Volkswagen setzt in dem umkämpften Markt in der deutschen Hauptstadt ausschließlich auf elektrische Fahrzeuge. Neben derzeit 1500 E-Golfs sollen Zu Beginn des kommenden Jahres 500 E-Ups dazukommen. Zusätzlich plant der Konzern Mitte 2020 erste Fahrzeuge der neuesten E-Auto-Generation ID.3 im Stadtgebiet aufzustellen.

Berlin ist der erste Versuch für Volkswagen, im wachsenden Car-Sharing-Markt Fuß zu fassen. Man habe sich ausführlich mit dem Markt beschäftigt und versucht, Fehler anderer Anbieter zu vermeiden, sagte We-Share-Geschäftsführer Philipp Reth am Donnerstag bei der Präsentation des Konzepts. We Share setzt wie auch BMW und Daimler mit ihrem Gemeinschaftsunternehmen Share Now auf das sogenannte Free-Floating. Autos können also überall im Betriebsgebiet angemietet und auch wieder abgestellt werden. Der We-Share-Bereich in der deutschen Hauptstadt ist rund 150 Quadratkilometer groß und geht an einigen Stellen auch über den S-Bahn-Ring hinaus. Berlins Senatsverwaltung für Verkehrs hatte zuletzt in Gesprächen mit verschiednen Anbietern darauf gedrängt, auch die Außenbezirke an das Car-Sharing-Netz anzubinden – offenbar ohne Erfolg. Auch Volkswagenverzichtet zunächst darauf, Fahrzeuge in Marzahn-Hellersdorf, Reinickendorf oder Spandau aufzustellen. Möglicherweise werde das Gebiet aber 2020 erweiter, so Reth.

Grafik vergrößern


We Share verzichtet vorerst auf Registrierungsgebühr

We Share startet bis Ende August mit vergleichbar günstigen Preisen in den Markt. 19 Cent pro Minute kostet die Fahrt mit den E-Autos bis Ende August. Danach verlangt Volkswagen einmalig 19,90 Euro Registrierungsgebühr. Zudem soll es ein dreistufiges Preismodell geben, das sich an der Nachfrage orientiert. Der Durchschnittspreis für eine Fahrminute liege dann bei etwa 29 Cent. Voraussetzung für die Anmeldung bei We Share sind ein Smartphone und eine Kreditkarte, ein Mindestalter von 21 Jahren sowie der Besitz eine gültigen Fahrerlaubnis seit mindestens einem Jahr.

Volkswagen hat Berlin hat zum einem riesigen Freiluft-Testlabor gemacht. 1500 Elektro-Autos stets fahrbereit zu halten, dürfte mit der vorhandenen Ladeinfrastruktur zumindest herausfordernd sein. Prinzipiell gebe es zwar genügend öffentliche Ladepunkte. „Herausfordern ist, dass häufig Verbrenner-Fahrzeuge an den Ladesäulen parken und uns den Zugang erschweren“, erklärte We-Share-Chef Reth.

„Supermärkte sind die Tankstellen der Zukunft“

Der neue Car-Sharing-Anbieter ist deswegen selbst aktiv geworden und hat mit der Schwarz-Gruppe, zu der die Supermarkt-Ketten Kaufland und Lidl gehören, eine Kooperation geschlossen. In Berlin sollen an 60 Lidl- und 10 Kaufland-Filialen in den nächsten Jahren 140 Ladesäulen gebaut werden. Überwiegend soll die Infrastruktur so leistungsfähig sein, dass pro Säule zwei E-Golfs innerhalb von 45 Minuten wieder 80 Prozent Akku-Leistung erreichen. „Supermärkte sind die Tankstellen der Zukunft“, sagte Christian Senger, Markenvorstand für Car & Services bei Volkswagen. Weitere Kooperationen mit Krankenhäusern, Möbelmärkte oder Werkstätten seien denkbar, betonte Senger. In den ersten Monaten sollen aber vor allem externe Dienstleister Laden, Reinigung und Wartung der Fahrzeuge übernehmen. Später dann plant We Share seinen Nutzern Anreize für das eigenständige Laden anzubieten. Auch BMW und Daimler belohnen ihre Kunden für das Volltanken von Fahrzeugen.

Volkswagen will Dienst auch nach Prag und Hamburg bringen

Car-Sharing wächst in Deutschland seit Jahren. Zuletzt zählten die Anbieter gut 2,46 Millionen Nutzer. Tendenz steigend. Unterschiedliche Studien hatten belegt, dass ein Car-Sharing-Auto 10 bis 14 Privat-Fahrzeuge ersetzt. Gleichzeitig existieren aber auch Untersuchungen, wonach Car-Sharing zulasten des öffentlichen Personennahverkehrs geht: Anstatt Bus oder Bahn zu fahren, verstopfen so Car-Sharing-Autos zusätzlich die Innenstädte.

Volkswagen plant unterdessen bereits sein Car-Sharing-Angebot weiter auszudehnen. Nach dem Start in Berlin will We Share gemeinsam mit der VW-Tochter Skoda bereits 2020 Fahrzeuge in der tschechischen Hauptstadt Prag aufzustellen. Auch in Deutschland soll es mit Hamburg einen zweiten Standort geben.