E-Scooter

E-Scooter im Test: Wie fährt es sich mit einem E-Tretroller?

Sind sie ein Beitrag zum Umweltschutz oder nur ein Modetrend? Zwei unserer Reporter haben Tretroller mit Elektromotor getestet.

Morgenpost-Reporter Charlotte Bauer und Alexander Wenzel haben die E-Scooter getestet

Morgenpost-Reporter Charlotte Bauer und Alexander Wenzel haben die E-Scooter getestet

Foto: Reto Klar

Berlin. Für die einen sind sie ein Beitrag für mehr umweltfreundliche Mobilität in Großstädten, für andere eher ein ärgerlicher Modetrend: Tretroller mit Elektromotor. Seit knapp zwei Wochen sind sogenannte E-Scooter auch in Deutschland offiziell erlaubt. Und beinahe über Nacht stehen sie zu Hunderten auch an Berlins Straßen herum. Allerdings nicht überall, sondern vor allem in Mitte oder Kreuzberg, wo sich private Verleihfirmen besonders gute Geschäfte erhoffen.

Der Berliner Senat versucht, mit einem eigenen Regelwerk chaotische Zustände wie nach dem Boom der Leihräder zu verhindern. Demnach dürfen E-Scooter nicht im Weg oder vor U-Bahn-Eingängen stehen, mehr als vier sind an einer Stelle nicht erlaubt, und defekte Roller müssen innerhalb von 24 Stunden entfernt werden. Kontrollieren sollen das die Ordnungsämter der Bezirke. Wer bietet wo E-Scooter an, wie leicht oder schwer sind die Ausleihe und das Fahren der angesagten Roller? Zwei Reporter der Berliner Morgenpost haben das jetzt getestet.

Lieber weiter Fahrradfahren

Für unseren Test möchte ich mir einen elektrischen Tretroller des Anbieters Tier Mobility ausleihen. Das Berliner Start-up ist noch neu auf dem Markt im Bereich E-Tretroller-Sharing. Laut eigenen Angaben ist der Anbieter derzeit mit insgesamt rund 550 elektrischen Tretrollern in Berlin aufgestellt – in den kommenden Wochen soll die Flotte weiter ausgebaut werden.

Die Vermietung der elektrischen Tretroller erfolgt über eine App, die ich mir zuvor auf mein Smartphone laden muss. Der Download ist kostenfrei und dauert mit guter Internetverbindung nur wenige Sekunden. Zunächst muss ich meine E-Mail-Adresse angeben und die allgemeinen Geschäftsbedingungen akzeptieren. Anschließend muss ich noch bestätigen, dass ich über 18 Jahre alt bin. Komisch, denke ich, denn tatsächlich wäre nach den Vorgaben des Gesetzgebers das Fahren der elektrischen Tretroller bereits ab 14 Jahren erlaubt. Für mich aber spielt das keine Rolle. Einen Führerschein benötige ich nicht.

Bevor ich mir einen E-Tretroller über die Applikation mieten kann, muss ich bei der Zahlungsmethode noch meine Kreditkartendaten angeben. Wer keine hat, kann nicht fahren, denn eine andere Möglichkeit zu bezahlen wird von der Firma nicht angeboten. Schließlich kann ich auf einer Karte einsehen, wo sich gerade freie Tretroller zur Miete befinden. Zu meiner Enttäuschung steht leider weit und breit keiner in meiner Nähe, in der City West am Kranzler Eck. Offensichtlich befinde ich mich hier schon nicht mehr im Geschäftsgebiet von Tier Mobility. Auf der Suche nach dem nächsten Roller kann ich sehen, dass sich die meisten davon im Stadtzentrum befinden, sodass ich erst einmal mit der U-Bahn zum Potsdamer Platz fahren muss. Dort geht es deutlich schneller: Ohne Probleme finde ich schnell einen freien E-Roller.

Der Scooter wirkt äußerst robust. Am Lenker befinden sich zwei Handbremsen sowie ein Digitaldisplay mit Akkuladestand und Geschwindigkeitsanzeige. In der App werden alle notwendigen Schritte zur Nutzung des Rollers mittels einer leicht verständlichen Bedienungsanleitung und mit Bildern erklärt. Eine Leichtigkeit. Ich muss nur den QR-Code am Lenker des Rollers einscannen und bin startklar. Die App weist mich zwar darauf hin, aus Sicherheitsgründen einen Helm zu tragen, da ich aber keinen dabei habe und das Tragen gesetzlich nicht vorgeschrieben ist, fahre ich heute ungeschützt.

Ich bin aufgeregt und freue mich, endlich losfahren zu können. Zum Start muss ich kräftig Schwung holen und kann dann weiter Gas über einen kleinen Hebel am rechten Griff vom Lenker gegeben. Soweit so gut. Als Anfängerin fühle ich mich noch etwas unsicher, aber schnell entwickle ich ein sicheres Gefühl dafür. Und ich muss sagen, es macht mir wirklich Spaß. Allerdings: Schneller als gedacht habe ich das Tempolimit von 20 km/h erreicht und werde trotzdem auf der Radspur von Fahrradfahrern überholt. Dennoch hat es etwas Lässiges, mit dem elektrischen Tretroller fast lautlos und ohne ins Schwitzen zu kommen durch die Stadt zu fahren. Jedenfalls so lange, bis ich mich weiter vom Zentrum entferne.

Teurer Spaß und trotzdem das Ziel nicht erreicht

Plötzlich wird mein Roller immer langsamer und hört schließlich auf zu fahren. Jetzt stehe ich da, kurz vor dem Kurfürstendamm, und komme nicht weiter. Die Miete lässt sich auch nicht beenden. Ein Blick in die App und meine Vermutung bestätigt sich, dass ich mich außerhalb des Geschäftsgebietes befinde. Und was jetzt? Mit all meiner Kraft schiebe ich den schweren Roller ein paar Meter zurück, bis er wieder funktioniert.

Auf Nachfrage teilte mir das Start-up Tier mit, dass es sich lediglich auf den Bereich in Berlin Mitte, Prenzlauer Berg, Kreuzberg und Neukölln konzentriere. Befinde man sich außerhalb dieses Gebiets, verwehre der elektrische Tretroller einem die Weiterfahrt. Da ich mit dem Roller nicht zu meinem Ziel am Kurfürstendamm komme, stelle ihn ab. Die Miete lässt sich mit einem Wisch in der App einfach beenden. Die Kosten sollen danach automatisch von der Kreditkarte abgebucht werden. Einen Euro Aktivierungsgebühr pro Fahrt plus zusätzlich 15 Cent die Minute. Im Vergleich zum Car-Sharing-Angebot für rund 20 Cent die Minute ist das relativ teuer. Die anderen Anbieter wären nicht günstiger gewesen, denn bislang sind die Kosten noch einheitlich.

Insgesamt hat mir die Fahrt mit dem elektrischen Tretroller Spaß gemacht. Im Berliner Zentrum können die Roller eine schnellere und umweltfreundlichere Alternative zum Auto sein. Da ich aber nicht nur im Stadtzentrum unterwegs bin, werde ich wohl weiter mit meinem Fahrrad fahren.

(Charlotte Bauer)

Großer Spaß nach holprigem Start

„Fahr vorsichtig! Trage immer einen Helm! Nur eine Person pro Scooter!“ Ich stehe am Potsdamer Platz und bin gerade dabei, mir einen E-Scooter auszuleihen. Die dazugehörige Lime-App habe ich mir zuvor auf mein Handy geladen, meine Kreditkarte als Zahlungsmittel hinterlegt. Der US-amerikanische Fahrrad- und E-Roller-Vermieter Lime ist eine von vier Firmen, die seit Ende letzter Woche in Berlin E-Scooter vermieten. Ich öffne die App und finde den nächsten Roller nur eine Straße von mir entfernt.

Im Vergleich zu einem normalen Tretroller wirkt er ungleich massiver und schwerer, zudem fällt sofort der an der Lenkstange montierte klobige grüne Akkublock auf. Ich scanne einen am Roller angebrachten QR-Code, bekomme Informationen und Hinweise angezeigt, dann kann es losgehen. Einen Helm, wie von der App empfohlen, habe ich leider nicht dabei. „Wird schon gut gehen“, denke ich mir. Ich stelle meinen linken Fuß auf das Trittbrett des E-Scooters, schiebe mit dem rechten Fuß an und drücke einen kleinen Hebel – ähnlich dem an einer Fahrradklingel – rechts an der Lenkstange nach unten. Der E-Motor schaltet sich hinzu, mich zieht es kräftig nach vorne. Mein erster Gedanke: „Oh je, ist das wacklig.“ Die nächste Ampel zeigt rot, ich bremse mit einem Hebel links an der Lenkstange.

Nach einer roten Ampel kommt die erste Panik auf

Das Bremsen ist ein wenig ruckartig, funktioniert aber recht gut. Zudem gibt es für alle Fälle auch noch eine zweite Bremse: per Fußtritt auf die Hinterradabdeckung. Grün. Ich drücke den Beschleunigungshebel kräftig nach unten, doch nichts tun sich. „Ahhh, Hilfe“, Fahrräder vor und hinter mir und ich komme nicht voran. Panik steigt in mir auf. Zuerst anschieben, dann erst Motor hinzuschalten, erinnere ich mich. Und siehe da, es funktioniert – der Roller beschleunigt wieder.

Auf dem Fahrradweg geht es weiter, zu meiner rechten Hand der Tiergarten, links die verschiedenen Botschaftsgebäude. Neugierige Blicke der davor stehenden Polizisten. Die erste Unsicherheit ist vorbei, es fährt sich erstaunlich leicht. Und vor allem: Es macht Spaß. Die nächste Ampel, rechts neben mir ein Taxi, die Fahrgäste schielen neugierig aus den Hinterfenstern. Eines ist einem auf dem E-Scooter auf jeden Fall gewiss: Aufmerksamkeit. Noch. Denn erst Ende letzter Woche haben die Vermieterfirmen die Betriebserlaubnis bekommen und die elektrischen Tretroller in der Berliner Innenstadt aufgestellt. Bald dürften sie jedoch wie E-Bikes an jeder Straßenecke stehen und wohl keiner wird sich mehr nach einem fahrenden E-Scooter umdrehen.

Kurzer Stopp am Straßenrand, sofort kommt ein an seinem Auto wartender Taxifahrer auf mich zu: „Sind das E-Scooter? Wie kann man die mieten und wie bezahlt man?“ Ich erzähle ihm von der Lime-App und das man mit Kreditkarte oder per PayPal zahlen könne. Dann fahre ich weiter, genieße den Fahrtwind. Es fühlt sich immer besser und entspannter an. Ich beschleunige: 18, 19, 20 km/h zeigt das kleine Display am Lenker an. Die Höchstgeschwindigkeit erreicht man recht schnell. Fahrradfahrer sind natürlich trotzdem schneller und ziehen immer wieder an mir vorbei. Doch einmal gelingt es mir: Die Ampel schaltet gerade auf Grün, eine Fahrradfahrerin muss zum Anfahren kräftig in die Pedale treten, während ich schon in voller Fahrt bin – und sie leicht und lässig überhole. Ein kleines Glücksgefühl.

Entlang des Reichpietschufers endet der neben dem Gehweg verlaufende Fahrradweg auf einmal abrupt. „Was nun? Schnell auf die Straße wechseln?“ Dafür ist der Bordstein viel zu hoch und es kommen zu viele Autos. Ich fahre auf dem Gehweg weiter – auch wenn das eigentlich nicht erlaubt ist. In Berlin ist das Fahren von elektrischen Tretrollern ausschließlich auf Radwegen – oder eben der Straße erlaubt. Aber auf der ist es mir einfach zu riskant.

Der Belag auf dem Fußgängerweg ist holprig. Immer wieder schüttelt es mich ordentlich durch. Zum Glück geht nach wenigen Metern der Fahrradweg weiter. Über eine Stunde fahre ich jetzt schon mit dem E-Scooter durch Berlin. Und auch wenn es Spaß macht, werde ich mir wohl nicht so schnell wieder einen E-Scooter ausleihen. Für die letzte Meile etwa von der U-Bahn-Station zur Arbeit oder Wohnung ist er gedacht. Ich für meinen Teil ziehe ein bisschen Bewegung vor und laufe lieber die letzten Meter. Das tue ich auch jetzt. An einer Kreuzung vor der mexikanischen Botschaft stelle ich den Roller ab. 13,45 Euro hat mich die 83-minütige Fahrt gekostet. Der Akku, der laut Hersteller rund 50 Kilometer halten soll, steht bei knapp 70 Prozent. Noch genug für den nächsten Entleiher. Ich werde es nicht sein.

(Alexander Wenzel)