Stiftungsrat

Krisensitzung im Humboldt Forum nach abgesagter Eröffnung

Nach der abgesagten Eröffnung des Schlossbaus in diesem Jahr will der Stiftungsrat das weitere Vorgehen vorstellen.

Wie weiter im Schloss? Darüber will der Stiftungsrat am Mittwoch entscheiden.

Wie weiter im Schloss? Darüber will der Stiftungsrat am Mittwoch entscheiden.

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Berlin.  Das Entsetzen war groß, als das für den Bau des Humboldt Forums zuständige Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) vor zwei Wochen bekannt gab, dass es mit der geplanten Eröffnung im Herbst dieses Jahres nichts wird. Das bereits in den Kernpunkten bekannt gegebene „Eröffnungsszenario“ war mit einem Schlag Makulatur. Am Mittwoch trifft sich der Stiftungsrat der Stiftung Humboldt Forum mit dem BBR, um auszuloten, wie es nun weitergeht. Das Ergebnis will der Stiftungsrat dann am Nachmittag bekannt geben. Ob die Entscheider sich auf ein neuen Eröffnungsdatum verständigen konnten, bleibt also abzuwarten.

Hinter den Kulissen wird bereits heftig gerungen

Hinter den Kulissen wird allerdings bereits heftig darum gerungen, den Verantwortlichen für die Bauverzögerung im rekonstruierten Berliner Schloss zu benennen. Wie berichtet, waren Probleme mit der Klimatechnik und dem Brandschutz aufgetaucht, die eine Eröffnung noch in diesem Jahr verhinderten. Während auf politischer Ebene hinter vorgehaltener Hand dem Bundesamt die Hauptschuld an dem Eröffnungsdesaster zugeschrieben wird, das schließlich die Bauaufsicht über das Projekt innehat, sieht ein erwiesener Kenner der Baustelle das ganz anders. „Die Verantwortung dafür tragen der Bund und das Land Berlin“, sagt Manfred Rettig, von 2009 bis März 2016 Chef der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum. Der ehemalige Schlossbauherr, der mit eiserner Disziplin dafür sorgte, dass der Rohbau termingerecht fertig wurde, ist dem Projekt noch immer verbunden, sitzt als ehrenamtliches Mitglied im Kuratorium der Schloss-Stiftung.

„Es braucht Zeit, um ein Gebäude dieser Größenordnung einzuspielen“

„Es braucht Zeit, um ein Gebäude dieser Größenordnung einzuspielen, ich hatte dafür einen zeitlichen Puffer von sechs Monaten vorgesehen“, sagte Rettig der Berliner Morgenpost am Dienstag. So viel Zeit sei erforderlich, um Gewährleistungsmängel bei der Inbetriebnahme der Haustechnik abarbeiten zu können. Allerdings sei dieser Zeitpuffer für ganz andere Zwecke genutzt worden: „Obwohl ich davor immer gewarnt hatte, gab es noch Planungsänderungen im laufenden Projekt“, so Rettig weiter. Der Ärger über die späten Änderungswünsche aus der Politik hatten schließlich auch dazu geführt, dass Rettig seine Drohung wahr machte und 2016 von seinem Amt zurücktrat.

Berlin plante um – und auch Intendant McGregor

So hatte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) entschieden, die 4000 Quadratmeter Ausstellungsfläche des Landes Berlin nicht von der Zentral- und Landesbibliothek ZLB mit der „Welt der Sprachen“ bespielen zu lassen, sondern statt dessen dort eine Berlin-Schau „Welt.Stadt.Berlin“ unterzubringen. „Natürlich hatte das enorme Auswirkungen auf die Technik, auch wenn Berlin immer wieder das Gegenteil behauptet“, sagte Rettig.

Aber auch der Bund, Hauptnutzer der insgesamt 40.000 Quadratmeter Ausstellungsflächen des Humboldt Forums mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, habe zahlreiche Änderungen in der Planung zu vertreten. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hatte verfügt, dass dem Gründungsintendanten Neil McGregor selbstverständlich „Gestaltungsspielraum“ zu gewähren sei. Dieser hatte diesen Handlungsspielraum für diverse Umplanungen genutzt. Der britische Museumsdirektor war im Mai 2015 zum Intendanten berufen worden und hatte erst im November 2016 sein Konzept vorgelegt. McGregor hatte diese Position bis Mai 2018 inne, nun hat sein Nachfolger Hartmut Dorgerloh das Schlosszepter übernommen.

Dorgerloh hatte eine Eröffnung in mehreren Etappen ab Herbst 2019 geplant

Dorgerloh hatte eine Eröffnung des riesigen Gebäudes in mehreren Etappen ab Herbst 2019 geplant. Eine Ausstellung über das Elfenbein und seine Rolle im Kolonialismus sollte den Ausstellungsreigen eröffnen. Er nehme die Entscheidung der Bauherren, die Eröffnung zu verschieben, mit mit Bedauern zur Kenntnis, hatte Generalintendant Dorgerloh vor zwei Wochen gesagt. „Aber Sicherheit und Qualität gehen vor Tempo“. Man strebe jetzt eine Eröffnung aus einem Guss mit Dauerausstellung und Sonderschauen an. Die geplante Feier zu Ehren von Alexander von Humboldt am 14. September finde statt, auch seien verschiedene Besuchertage geplant.