Prozess in Berlin

„Einfach mal jemanden abschießen“: Frau (25) getötet

Die Täter waren im Besitz einer halbautomatischen Schusswaffe - und drückten ab.

Die beiden Angeklagten René T. (29) und Sven H. (40) am Freitag im Landgericht. Sie sollen die Freundin von T. aus reiner Mordlust erschossen haben.

Die beiden Angeklagten René T. (29) und Sven H. (40) am Freitag im Landgericht. Sie sollen die Freundin von T. aus reiner Mordlust erschossen haben.

Foto: Olaf Wagner

Mehr Menschenverachtung und Skrupellosigkeit geht nicht. Im Dezember vergangenen Jahres wurde in Neukölln eine junge Frau erschossen. Einziges Motiv laut Anklage: Der mutmaßliche Täter wollte „einfach mal jemanden abschießen“. Seit Freitag muss sich der 29-Jährige zusammen mit einem 40-jährigen Mittäter wegen Mordes vor dem Landgericht verantworten. Die Angeklagten hätten aus reiner Mordlust getötet, wirft ihnen die Staatsanwaltschaft vor. Besonders erschreckend ist dabei die Tatsache, dass es sich bei dem Opfer um die Freundin des Schützen handelte.

Den Ermittlungen zufolge wartete die aus Polen stammende Wictoria S. (25) am Abend des 27. Dezember 2018 an der Oderstraße im Neuköllner Schillerkiez auf ihren Freund Rene T. Die junge Frau ahnte nicht, dass T. sie da bereits gemeinsam mit seinem Freund Sven H. heimlich beobachtete. Die Männer waren im Besitz einer Schusswaffe, einer halbautomatischen Pistole. Ob sie die zuvor gefunden oder gestohlen hatten, ist offenbar noch nicht mit letzter Sicherheit geklärt.

Opfer starb am nächsten Tag an seinen Verletzungen

Mit dieser Waffe wurde dann zweimal auf die 25-Jährige geschossen. Zunächst soll Rene T. abgedrückt und seine Freundin am Arm getroffen haben. Was dann den Ermittlungen zufolge passierte, ist an Kaltblütigkeit kaum zu überbieten. Nach dem Schuss hatte die Pistole plötzlich Ladehemmung. Sven H. soll sie daraufhin übernommen, durchgeladen und sie an T. zurückgegeben haben. Der 29-Jährige soll die Frau daraufhin mit einem gezielten Kopfschuss getötet haben. Ein Anwohner hatte die Schüsse gehört und die Polizei alarmiert. Die bewusstlos aufgefundene Wictoria S. wurde von Rettungskräften in eine Klinik eingeliefert, wo sie am nächsten Tag ihren schweren Verletzungen erlag.

Drei Tage nach der Tat wurden die beiden Angeklagten in Lichtenberg festgenommen, seither sitzen sie in Untersuchungshaft.

Rene T. ist laut Verteidiger drogenabhängig

Bei der Polizei sollen sie umfassende Geständnisse abgelegt und dabei auch das unglaubliche Motiv genannt haben. Angeklagte und Opfer kannten sich aus dem Drogenmilieu. Ob die beiden Männer zum Zeitpunkt der Tat unter Drogen standen ist nicht bekannt. Ein Sachverständiger soll sich an einem der nächsten Verhandlungstage dazu äußern. Rene T. ist nach Angaben seiner Verteidiger seit etwa zehn Jahren drogenabhängig. Am ersten Verhandlungstag schwiegen beide Männer. Der Prozess wird am 15. Juli fortgesetzt. Die Urteilsverkündung ist für den 13. August vorgesehen.