Pannenhilfe

Gelbe Engel vom ADAC kommen auf dem E-Bike

Von Frühjahr bis Herbst sind in Berlin die Helfer des ADAC mit Rad und Anhänger unterwegs.

Gelber Engel Sebastian Leo kam mit dem E-Bike, um den Renault wieder fahrtüchtig zu machen.

Gelber Engel Sebastian Leo kam mit dem E-Bike, um den Renault wieder fahrtüchtig zu machen.

Foto: Franz Michael Rohm

Berlin. Für das Ehepaar waren die dreiwöchigen Ferien in Griechenland erholsam und entspannend, für das Auto leider auch. Beim Startversuch nach der Urlaubspause muckerte der Motor gerade noch dreimal müde, dann passierte nichts mehr. Wer Mitglied ist, in Berlin immerhin rund 780.000 Menschen, ruft in solch einem Fall die ADAC-Pannenhilfe an. „In einer Stunde ist der Kollege bei Ihnen“, verspricht die Dame im Callcenter. So ist es auch. Allerdings parkt kein knallgelber Servicewagen neben dem eigenen Pkw, sondern ein E-Bike mit Anhänger.

Seit zwei Jahren ist Mechatroniker Sebastian Leo im Sommer mit dem E-Bike und ADAC-gelbem Anhänger unterwegs. „Das ist erheblich stressfreier, als viel Zeit im Stau zu verbringen“, sagt der gebürtige Spandauer. Mit dem bis zu 25 Stundenkilometer schnellen Rad ist er gern unterwegs, „natürlich nur, wenn das Wetter es zulässt“. Bei Regen, Kälte oder Sturm steige er auf den Pkw um.

70 Kilogramm Werkzeug und Hilfsmittel immer dabei

„Rund 70 Prozent der Hilferufe erreichen uns wegen nicht anspringender Motoren und Schlüsselproblemen. Da können wir mit den E-Bikes und der Anhängerausstattung problemlos helfen“, so der 33-Jährige. In seinem Anhänger kann er bis zu 70 Kilogramm Werkzeug und Hilfsmittel transportieren. Dazu zählen Starthilfegerät, ein elektronisches Fehlerauslesegerät und Hilfsmittel zur Fahrzeugöffnung. Zur Fahrsicherheit sind Rad und Anhänger mit hydraulischen Scheibenbremsen ausgestattet.

Mit einem zweiten Kollegen ist er zwischen April und Oktober im Innenbereich des S-Bahnrings je nach Jahreszeit zwischen 7 Uhr und 21 Uhr unterwegs. Aufgrund der häufig verstopften Straßen im City-Bereich hatte sich der ADAC Berlin-Brandenburg vor drei Jahren entschlossen, auch mit E-Bikes Hilfe zu leisten. Daneben sind rund 60 verbrennungsmotorgetriebene Gelbe Engel im Stadtgebiet im Einsatz, außerdem einige Hybrid- und Elektro-Pkw. Die werden gerufen, wenn beispielsweise die Batterie gewechselt oder das Pannenfahrzeug zur Werkstatt geschleppt werden muss. „Wir sind mit der Testphase bislang sehr zufrieden und wollen das Angebot in Berlin und auch in Brandenburg ausweiten“, sagt Holger Beiersdorf von der ADAC-Bereichsleitung.

Am Tag durchschnittlich acht bis 14 Einsätze

„Unser Vorteil ist die flexiblere Mobilität. Bei Stau oder Straßensperrungen können wir auf Radwege, Busspuren oder alternative Anfahrrouten ausweichen, etwa durch den Tiergarten“, so E-Bike-Pannenhelfer Leo. Pro Einsatztag kommt er durchschnittlich auf acht bis 14 Einsätze, „mehr schafft ein Kollege mit Kfz auch nicht“. Oft werde er von anderen Radfahrern angesprochen, ob er auch Pannenhilfe bei Fahrrädern leistet. „Wir haben Ersatzschläuche und Flickzeug im Bestand, helfen gern, soweit wir können“, so Beiersdorf.

Nachdem der Motor lief, überprüfte Sebastian Leo noch die Ladeleistung der Batterie und gab den beruhigenden Befund, dass keine neue Batterie nötig sei. Eine etwa 45-minütige Fahrt auf der Autobahn würde den Energiespender ausreichend aufladen. Während das Ehepaar überlegte, wie dies wohl staufrei gelingen könnte, radelte der Gelbe Engel fröhlich winkend davon.