Wohnen in Berlin

Genossenschaften sind ein Modell für Jedermann

Berlin unterstützt die Mitgliedschaft in einer Genossenschaft mit Fördermitteln. Denn wer dazu gehören will, braucht erstmal viel Geld.

Frank Nitzsche ist im Vorstand der Möckernkiez Genossenschaft.

Frank Nitzsche ist im Vorstand der Möckernkiez Genossenschaft.

Foto: Sergej Glanze

Damit das Leben in Genossenschaften nicht nur ein Privileg für Gutverdienende ist, hat das Land Berlin eine Förderung aufgelegt, die einkommensschwache Haushalte unterstützt. Wer einen Wohnberechtigungsschein hat, kann zinslose Darlehen aufnehmen, um damit Anteile an Genossenschaften zu kaufen oder seine projektbezogene Beteiligung zu begleichen.

Die Maßnahme ist unter anderem eine Reaktion auf die veränderten Kosten. Bei jüngeren Genossenschaften wie etwa der Möckernkiez eG sind Anteile teurer als bei bereits etablierten Projekten. Dies liegt unter anderem daran, dass etwa bei Neubauten die Kosten in der Boomstadt Berlin gestiegen sind. Zudem werden dabei inzwischen höhere Ansprüche etwa im ökologischen oder energetischen Bereich angelegt. So kann jetzt auch, wer auf einen Wohnberechtigungsschein angewiesen ist, in Berlin ein Darlehen zwischen 2000 und 50.000 Euro beantragen.

Das eingebrachte Geld verbleibt dort bis zum Auszug

Beim Beispiel Möckernkiez könnte die maximale Summe den Weg zu einer Mitgliedschaft in der Genossenschaft frei machen. Dort bekommt man laut Vorstandsmitglied Frank Nitzsche eine 50 Quadratmeter große Wohnung für die Zeichnung von Geschäftsguthaben in Höhe von 46.000 Euro, also für jenes Geld, das man in die Genossenschaft einbringt und das dort bis zum Auszug bleibt.

Derzeit gibt es es etwa 80 Wohnungsbaugenossenschaften in Berlin. In der Stadt haben sie einen Bestand von rund 186.000 Wohnungen, das bedeutet einen Anteil von mehr als elf Prozent aller Mietwohnungen.

Die Stärkung der Idee von genossenschaftlichem Wohnen zählt zu den erklärten Zielen des rot-rot-grünen Senats. Im Doppelhaushalt 2018/19 hatte das Abgeordnetenhaus 20 Millionen Euro für die Genossenschaftsförderung zur Verfügung gestellt. Als Teil des Handlungsprogramm zur Beschleunigung des Wohnungsbaus fließen die Mittel in drei Richtungen: in die Förderung genossenschaftlicher Neubauvorhaben, den Erwerb bestehender Wohngebäude durch Wohnungsbaugenossenschaften und die Förderung des Erwerbs von Geschäftsanteilen durch Privathaushalte. Stadtentwicklungssenatorin Kathrin Lompscher (Linke) erklärte anlässlich der Förderung, die im Dezember 2018 in Kraft trat, sie leiste einen wichtigen Beitrag für eine sozialverträgliche Wohnraumversorgung.

Spekulative Mietpreissteigerung ausgeschlossen

Als Vorteil der Genossenschaften nennt auch der Berliner Mieterverein, dass eben dieses sozial verantwortliche Wohnen im Mittelpunkt steht. Es geht nicht um den hohen Profit, sondern eine langfristige Absicherung, die angesichts steigender Mieten in Berlin gefragt ist. Dazu schreiben sich Genossenschaften eine entsprechende Selbstverpflichtung in die Satzung. Spekulative Mietpreissteigerungen wie bei Einzeleigentümern oder Wohnungsunternehmen gibt es dort nicht.

In Hinblick der laut Mieterverein in Deutschland rund 2000 Wohnungsbaugenossenschaften mit mehr als drei Millionen Mitgliedern und zwei Millionen Wohnungen ist das Wohnen so beliebt, dass jahrelange Wartezeiten dafür hingenommen werden.

Das Verhältnis der Mitglieder zur Genossenschaft kann man mit dem von Aktionären zum Unternehmen vergleichen. Um dabeisein zu können, erwerben sie zunächst Anteile, bei Bezug einer Wohnung legen sie Geschäftsguthaben ein, das sich nach der Art der gemieteten Räume richtet. Obwohl diese Summe durchaus über 100.000 Euro liegen kann, ist man damit nicht Eigentümer oder Miteigentümer der Wohnung. Vielmehr gehören dem Mitglied Anteile der Genossenschaft. Damit ist auch nach Auszug des Mieters Wohnraum zu fairen Preisen gesichert.

Die Kündigungsfrist beträgt in der Regel zwei Jahre. Die Höhe der Miete legt der Vorstand fest. Dabei gilt auch für die Genossenschaft das übliche Mietpreisrecht.

Mehr zum Thema:

Möckernkiez: Hier probiert man Idealismus aus

Keine Angst mehr vor dem Vermieter