Schuljahresende

Endlich Ferien! So war das Berliner Schuljahr

Am Donnerstag startet Berlin in die Ferien. Aufreger, Debatten, Tests: Was lief gut, was schlecht an Berlins Schulen? Der Überblick.

Auch am Rheingau-Gymnasium in Friedenau freuten sich die Abiturienten am Dienstag bei der Abiturfeier. Nun kommt ein neuer Lebensabschnitt.

Auch am Rheingau-Gymnasium in Friedenau freuten sich die Abiturienten am Dienstag bei der Abiturfeier. Nun kommt ein neuer Lebensabschnitt.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Service

Berlin. Wieder geht ein Schuljahr zu Ende – für rund 357.000 Berliner Schule beginnen am Donnerstag die Ferien. Was waren die Aufreger dieses Schuljahrs? Wo waren die größten Baustellen? Auch – was lief gut? Die Berliner Morgenpost hat die wichtigsten Punkte zusammengetragen.

Lehrkräftemangel: Im August 2018 begann das Schuljahr mit einem Paukenschlag. Zwar hatte man es geschafft, 2700 dringend benötigte Lehrkräfte neu einzustellen, aber nur 37 Prozent von ihnen waren echte Lehrer. Der überwiegende Teil waren Quer- und Seiteneinsteiger. Und wie es so ist, wurden die dann ungerecht über die Stadt verteilt. „So werden in Neukölln nur gut 25 Prozent voll ausgebildete Lehrkräfte eingestellt“, sagt Tom Erdmann, Berliner Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. „Das Ziel, Quereinsteiger besser auf die Schulen zu verteilen, wurde krachend verfehlt.“ Und nächstes Schuljahr wird es nicht besser werden. Die Personalräte warnen jetzt schon davor, dass 2019/20 womöglich auch Studienabbrecher unter den Seiteneinsteigern sein werden, die dann voll unterrichten.

Mobbing / Gewalt: Wo beginnt Gewalt, ab wann ist es Mobbing? Das Thema hat auch dieses Schuljahr viele beschäftigt. Deshalb ließ Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) das schulische Krisenmanagement evaluieren. Aber auf ein klares Fazit wartete man vergeblich. Einerseits steigen von Jahr zu Jahr die Meldungen von Vorfällen, andererseits sieht die Arbeitsstelle Jugendgewaltprävention „keine Hinweise auf zunehmende Gewalt an Schulen“ – nur eine höhere Sensibilität für das Thema.

Schulbauoffensive: Zum Glück waren die ersten Tage nach den Sommerferien warm, denn viele Lehrer verlegten ihren Unterricht in den Park. Warum? Baudreck. Denn in den Schulferien können Baufirmen ungestört arbeiten, aber nicht alles wurde rechtzeitig fertig. Berlins Schulen, sie sind eine Dauerbaustelle. Und der Druck ist groß. Drei Schulen werden schon in Schnellbauweise errichtet, über 60 neue Schulen sind geplant. Und weil es jetzt schon eng ist, hilft man sich mit Modularen Ergänzungsbauten (MEB) aus. Der 50. wurde gerade eröffnet. „Im August werden nach Jahrzehnten die ersten neuen Schulen eröffnet, weitere Grundsteine sind gelegt. Daran sieht man, dass die Schulbauoffensive in die Gänge gekommen ist“, sagt Bildungssenatorin Scheeres. Andere sehen das kritischer – denn bislang fließen in vielen Bezirken zu wenig des bereitgestellten Geldes ab.

Leistung: Beim Bildungsmonitor 2018, der im August erschien, schaffte es Berlin, sich auf den vorletzten Platz zu schieben. Die rote Laterne trägt nun Brandenburg. Ansonsten blieben Berlins Schüler von den ganz großen Leistungsvergleichen dieses Jahr verschont – die Vera-Ergebnisse, eine zentrale Vergleichsarbeit, werden ja nicht mehr veröffentlicht. Schlechte Nachrichten kamen dennoch. Denn die Zahl der Schüler, die ohne Schulabschluss eine Sekundarschule oder Gemeinschaftsschule verließen, stieg von zehn Prozent auf 13 Prozent. In der Bildungsverwaltung entschloss man sich auch deshalb, nun stärker auf die Schulleistung der Kinder zu achten. So wird ab nächstem Schuljahr in der Grundschule eine jährliche Lernstandskontrolle in den Fächern Deutsch und Mathe eingeführt. „Das sehen wir grundsätzlich positiv“, sagt dazu Astrid-Sabine Busse, Vorsitzende des Interessensverbands Berliner Schulleitungen, und selbst Grundschuldirektorin an der Köllnischen Heide. So würde man früh merken, wer beispielsweise lesen kann und wer nicht. „Nur dann kann man helfen.“

AfD-Portal: Was für ein medialer Aufreger – auch die Berliner AfD eröffnete nach dem Vorbild der Hamburger Kollegen ein Meldeportal, wo man sich beschweren kann, falls man einen Lehrer als nicht „neutral“ empfindet. Die Empörung war groß, die Wirkung klein. Schon fast vergessen.

Neutralitätsgesetz: Nicht gelöst hat sich in diesem Schuljahr der Dauerstreit um das Kopftuch im Berliner Klassenzimmer. Im rot-rot-grünen Senat selbst scheint man zerrissen, ob die strenge Berliner Neutralitätsdefinition wirklich verfassungskonform ist. Zuletzt hatte eine kopftuchtragende Lehrerin vor dem Landesarbeitsgericht Recht bekommen. Dagegen ist nun das Land beim Bundesarbeitsgericht in Revision gegangen.

Schulplätze: Jedes Jahr die gleichen Dramen – Kinder, die lange Schulwege in Kauf nehmen müssen, weil sie an den Wunschschulen abgelehnt wurden. Kein Losglück! Und auch sonst wird es immer enger, die Klassenfrequenz steigt und steigt. „Das heißen wir keineswegs gut“, sagt Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses. Aber viel machen kann er auch nicht.

Erfolge: Werden gerne vergessen – so viele Schulen, die tolle Arbeit machen, so viele Schüler, die erfolgreich sind. Preise und Auszeichnungen, es gibt sie auch in Berlin. So kam die Gutsmuths-Grundschule in Mitte beim Deutschen Schulpreis unter die 25 besten Schulen der Bundesrepublik. Darauf ist Schulleiterin Catrin Herfet sehr stolz. Was ist ihr Erfolgsrezept? „Die Schüler müssen glücklich sein“, sagt sie. Und genügend Bewegung haben. Dann lernen sie auch gut.