Videoanalyse

Videoüberwachung am Südkreuz startet wieder

Am Bahnhof Südkreuz sollen Videokameras ab Dienstag „abweichendes Verhalten“ erkennen.

Am Bahnhof Südkreuz gibt es ab Mittwoch wieder Test zur Videoerkennung.

Am Bahnhof Südkreuz gibt es ab Mittwoch wieder Test zur Videoerkennung.

Foto: Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Am Bahnhof Südkreuz gehen ab heute wieder die Kameras an. Ab dem 18. Juni testet die Deutsche Bahn unter Beteiligung der Bundespolizei dort neue Systeme zur Videoerkennung. Nach Tests zur Gesichtserkennung soll es diesmal um die Analyse „abweichenden Verhaltens“ gehen.

Dafür werden bis Jahresende jeweils dienstags von 12 bis 20 Uhr und mittwochs von 8 bis 16 Uhr im Bahnhof Südkreuz Testbereiche durch blaue Markierungen gekennzeichnet und durch Testleiter betreut, teilte die Deutsche Bahn mit. Der Bahnhof bleibe uneingeschränkt erreichbar.

Südkreuz in Berlin: Darsteller spielen Szenen nach

Für die Tests werden eigens engagierte Darsteller bis Ende 2019 nach einem festgelegten Drehbuch rund 1600 Szenen spielen. Geprüft werden solle damit, ob die Bildanalysesoftware in der Lage ist, zu erkennen, was genau in einer Situation passiert, etwa wenn sich eine Person auf den Boden legt, eine größere Gruppe bewegt oder ein Gegenstand abgestellt wird.

Getestet würden dabei besonders jene Situationen, die bei der Bahn in der Vergangenheit zu Störungen geführt hätten. Erkenne die Technik eine problematische Situation, werde das jeweilige Kamerabild mit einem Hinweiston auf die für den Test eingerichteten Monitore aufgespielt.

Erste Testphase der Videoüberwachung lief seit 2017

Die nun beginnenden Tests sind der zweite Teil des Programms zur Videoerkennung am Südkreuz. Im ersten Teil ging es 2017 und 2018 darum, die Gesichter von Testpersonen per Kamera erkennen zu können. Getestet werden sollte, ob es möglich ist, Gefährder zu erkennen und frühzeitig festzusetzen.
Laut Abschlussbericht lieferte das beste Programm im Test eine Trefferrate von gut 80 Prozent. Demnach wurde die Testperson in über 80 Prozent der Fälle durch das System erkannt, wenn sie durch den Bahnhof lief.

Kontroverse Debatte um Videotests

Die Tests hatten eine kontroverse Debatte ausgelöst. Innenminister Horst Seehofer sagte, die Systeme hätten sich in beeindruckender Weise bewährt, so dass eine breite Einführung möglich sei. Datenschützer hingegen kritisierten den Test. Der Deutsche Anwaltsverein hatte etwa bemängelte, dass eine Rechtsgrundlage für diese Art der Videoüberwachung fehlt. „Wenn massenhaft Gesichter von unbescholtenen Bürgerinnen und Bürgern an Bahnhöfen gescannt werden, dann greift der Staat schwerwiegend in Grundrechte ein“, erklärte der Verein.