Kino

Cinestar im Sony Center angeblich vor Schließung

Gewerkschaft Verdi berichtet von Hinweisen für Umgestaltung des Kinoareals am Potsdamer Platz.

Das Großkino CineStar im Sony Center am Potsdamer Platz.

Das Großkino CineStar im Sony Center am Potsdamer Platz.

Foto: dpa Picture-Alliance / Wolfram Steinberg / picture alliance / Wolfram Stein

Popcorn und Cola zum Kinobesuch im Cinestar am Potsdamer Platz mussten am Montag ausfallen. Denn die 120 Mitarbeiter des Filmtheaters im Sonycenter sind am Nachmittag in den Ausstand getreten. „Wir streiken, weil wir mehr Geld fordern“, sagt Jörg Reichel, Gewerkschaftssekretär bei Verdi für die Bereiche Medien, Kunst und Industrie.

Die Löhne in der Kinobranche liegen zum Teil nur knapp über dem Mindestlohn. Verdi fordert in der aktuellen Tarifverhandlung einen Einstiegslohn von elf Euro pro Stunde. „CineStar zahlt Armutslöhne und fährt eine sehr aggressive Personalpolitik. Die Löhne reichen heute nicht fürs Leben und die Miete. Im Alter muss der Staat dann mit Grundsicherung einspringen“, sagt Reichel.

Hinweise, dass der Kinostandort geschlossen werden soll

Angst müssen die Kinomitarbeiter möglicherweise aber auch um ihren Arbeitsplatz an sich haben, denn seit März 2019 verdichten sich Reichel zufolge Hinweise, dass der Kinostandort im Sony Center ganz geschlossen werden soll. „Wir gehen bisher aber davon aus, dass das nur eine taktische Maßnahme ist, um gegenüber dem Betreiber die Miete zu drücken“, sagt Reichel.

Es sei zwar angekündigt worden, man wolle stattdessen Wohnungen und Büroräume einrichten, doch bisher seien im Bauamt des Bezirks noch keine entsprechenden Pläne für Umbaumaßnahmen bekannt geworden. „Mitarbeiter sind bisher noch nicht gekündigt worden. Wir müssen die Hinweise aber ernst nehmen, immerhin sind rund 120 Arbeitsplätze in Gefahr“, so der Gewerkschaftssekretär.

Ein Siebtel der Kinos in Deutschland aber fast die Hälfte der Sitzplätze

Die beiden größten deutschen Kino-Ketten, Cinestar und Cinemaxx, haben sich im Oktober 2018 zusammengeschlossen. Der britische Kinokonzern Vue Entertainment, zu dem Cinemaxx seit sieben Jahren gehört, hat Marktführer Cinestar für rund 222 Millionen Euro gekauft. Es war der größte Zukauf in der Geschichte von Vue.

Cinestar betreibt bundesweit mehr als 50 Multiplex-Kinos mit 449 Leinwänden, dazu gehören in Berlin sieben Standorte – neben dem Kino im Sony Center unter anderem auch das Cubix am Alexanderplatz und das Kino in der Kulturbrauerei. Die Kette gehörte bis dahin der australischen Event Hospitality & Entertainment, die seit Längerem einen Käufer gesucht hatte. Die größten fünf Ketten vereinen nun zwar nur ein Siebtel der Kinos in Deutschland auf sich, aber fast die Hälfte der Sitzplätze.

Das Bundeskartellamt hat der Übernahme der Cinestar durch Vue bisher aber noch nicht zugestimmt, sagte Cinemaxx-Sprecherin Lina Demmer der Berliner Morgenpost am Montagabend. Man rechne aber „jeden Moment mit einer Info dazu“. Ob Schließungen von Kinostandorten wie dem im Sony Center geplant seien, konnte Demmer indes nicht bestätigen. „Davon weiß ich nichts.“