Konzernumbau

Stellenabbau bei IT-Konzern Atos: 100 Jobs in Berlin bedroht

Trotz guter Geschäfte will der IT-Konzern sparen. Künstliche Intelligenz macht einige Jobs überflüssig. IG Metall übt scharfe Kritik.

Das Atos-Firmengebäude in Adlershof: Etwa 100 der 500 Jobs stehen am Standort laut der Gewerkschaft IG Metall auf dem Spiel.

Das Atos-Firmengebäude in Adlershof: Etwa 100 der 500 Jobs stehen am Standort laut der Gewerkschaft IG Metall auf dem Spiel.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Hiobsbotschaft für die Beschäftigten des IT-Dienstleisters Atos in Berlin: Nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall plant der französische IT-Konzern rund 20 Prozent der Stellen in Deutschland abzubauen. Am Standort in der deutschen Hauptstadt in Adlershof wären von dem Schritt rund 100 der 500 Mitarbeiter betroffen. Das Unternehmen selbst hielt sich auf Anfrage der Berliner Morgenpost bedeckt. „Wir kommentieren keine laufenden Verhandlungen“, erklärte ein Atos-Sprecher schriftlich.

Für den heutigen Mittwoch hat das Unternehmen Beschäftigte in Adlershof zu einer Betriebsversammlung eingeladen. Dort werde Atos-Deutschland-Chefin Ursula Morgenstern laut IG Metall die Kürzungspläne begründen. Zuvor hat die Gewerkschaft zu einer Kundgebung aufgerufen. Beschäftigte, Betriebsrat und Gewerkschaft planen vor Beginn der Versammlung eine Demonstration vor dem Firmengebäude.

Gewerkschaft wirft Firma „billige Masche“ vor

Zwischen Gewerkschaft und Unternehmen dauern die Auseinandersetzung bereits mehrere Monate an. Sechs Tarifverhandlungsrunden habe es laut IG Metall inzwischen gegeben. Kern des Streits ist nicht nur der geplante Stellenabbau. Die IG Metall wirft dem Unternehmen auch vor, über Jahre nicht in die Weiterbildung seiner Mitarbeiter investiert zu haben. Jetzt entstehende Kosten für die notwendigen Qualifizierungsmaßnahmen sollen nun von der Belegschaft getragen und über den Abbau von Planstellen aufgefangen werden, kritisiert die Gewerkschaft.

„Das Management will den Konzern großflächig umbauen und den Großteil der Kosten für die Transformation den Beschäftigten aufbürden. Das geht gar nicht“, sagte Birgit Dietze, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Berlin. „Gegen diese billige Masche setzen sich Beschäftigte und IG Metall selbstverständlich weiterhin kräftig zur Wehr“, so Dietze weiter.

Arbeitsverlagerung in Niedriglohnländer

Aus dem Unternehmen selbst ist hingegen eine andere Version der Geschichte zu hören. Aufgrund des fortschreitenden digitalen Wandel haben sich zum Teil auch die Aufgabenprofile bei den IT-Dienstleistern gewandelt. Zum Teil konnten Stellen wegen des stärkeren Einsatzes von künstlicher Intelligenz eingespart werden, sagt eine Quelle. Bei Atos haben sich durch die zahlreichen Übernahmen in den vergangenen Jahren aber auch Möglichkeiten ergeben, Stellen in Niedriglohnländer zu verlagern.

Der französische Konzern hatte im vergangenen Jahr zwei große Übernahmen getätigt: Im Juli kaufte Atos für 3,4 Milliarden US-Dollar des US-Softwareentwickler Syntel mit 23.000 Beschäftigten, davon viele in den USA und Indien. Zuvor hatte Atos bereits im Mai über seine Tochterfirma Worldline den Zahlungsverkehr-Dienstleister Six Payment Services für 2,3 Milliarden Euro übernommen.

Deutschland ist für Atos ein wichtiger Markt

Die Integration der beiden Unternehmen in den Konzern dürfte noch nicht abgeschlossen sein. 2018 hatte Atos seinen Umsatz auf rund 12,3 Milliarden Euro steigern könnten. Laut Geschäftsbericht lag die Umsatzrendite – also der Gewinn im Verhältnis zu Gesamtleistung des Unternehmens – bei 10,3 Prozent.

Auch in Deutschland war das Geschäft zuletzt gewachsen. Mit Aufträgen in der Bundesrepublik erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von rund 2,2 Milliarden Euro. Deutschland ist damit einer der wichtigsten Märkte für Atos.

Viele Auftraggeber aus der öffentlichen Verwaltung

Das liegt auch an der Partnerschaft mit Deutschlands größtem Industriekonzern Siemens. Atos Deutschland war ehemals der Siemens-Bereich IT Solutions and Services (SIS). Ende 2010 übernahmen die Franzosen die Sparte. Noch heute besitzt Siemens aber 15 Prozent der Anteile an der deutschen Atos-Konzerntochter und ist dessen größter Kunde.

In Berlin sitzt Atos seit 2015 in Adlershof. Nach Angaben des Unternehmens arbeitet die Belegschaft in der deutschen Hauptstadt vorwiegend für Auftraggeber aus der öffentlichen Verwaltung. Hauptaufgaben sind etwa Organisation und Betrieb von Rechenzentren oder Entwicklung von Software für Ämter und Behörden.