Flugverkehr

Sommerferien werden zur Belastungsprobe für Flughafen Tegel

Der Ferienbeginn stellt Berlins alten Flughafen Tegel wieder vor eine immense Bewährungsprobe. Probleme auch am Flughafen Schönefeld.

Ein Warnstreik des Sicherheitspersonals hat den Flugverkehr an den Flughäfen Berlin Tegel und Schönefeld am Montagmorgen weitgehend zum Erliegen gebracht.

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Berlin. An den Berliner Flughäfen wächst die Nervosität. Speziell in Tegel erwarten Mitarbeiter der Flughafengesellschaft, der Airlines und der vielen Dienstleister ein heißes Wochenende. Zum Start der Sommerferien ab Donnerstag wird die betagte Infrastruktur des größeren der beiden Hauptstadtflughäfen auf eine besonders harte Probe gestellt.

Insgesamt werden während der sechs Ferienwochen mehr als fünf Millionen Passagiere durch die beiden Airports geschleust. Alle hoffen, von Pannen verschont zu bleiben. „Wegen der Überbelegung und der Enge wirken sich externe Einflüsse gerade in Tegel extrem aus“, heißt es aus der Flughafen-Mannschaft.

Insgesamt rechnet die Flughafengesellschaft nach Angaben eines Sprechers mit 432.000 Passagieren zwischen Donnerstag und Sonntag, wenn viele Berliner in die Ferien starten. Allerdings wird der Gipfel für diese Sommersaison nicht gleich zum Auftakt der Urlaubszeit erreicht. Das dritte Ferienwochenende vom 5. bis zum 7. Juli wird noch verkehrsreicher. Denn dann werden nicht nur die Berliner in die Ferien starten, sondern auch viele schon wieder zurückkommen. Spitzentag wird Freitag, der 5. Juli, sein. An diesem Tag werden allein 120.000 Fluggäste erwartet.

Easyjet öffnet Checkin-Schalter teils schon um 3.30 Uhr

Tatsächlich war die Situation am ersten Ferientag am Donnerstag entspannt. Der Flugbetrieb sei an den Flughäfen Tegel und Schönefeld "normal angelaufen", so ein Sprecher der Flughafengesellschaft. Es gebe keine größeren Wartezeiten beim Einchecken sowie den Pass- und Sicherheitskontrollen.

In Tegel hatte sich gegen 6.00 Uhr kurzzeitig eine längere Menschenschlange quer durch das Terminal C, am Abfertigungsschalter sowie vor der Sicherheitskontrolle gebildet. Diese habe sich aber nach kurzer Zeit wieder aufgelöst. Um das Einchecken zu erleichtern öffnet Easyjet seine Checkin-Schalter im Terminal C vom 20. bis 24. Juni sowie am 28. Juni bereits um 3.30 Uhr.

Flughafen Tegel: Passagiere sollen mindestens zwei Stunden vor Abflug am Airport sein

Inzwischen ist der Flugplan in Tegel so dicht, dass es kaum ruhigere Phasen gibt, in denen Verspätungen aufgeholt werden könnten. Und Fehlerquellen, die für immer weitere Probleme sorgen können, gibt es reichlich. Die Flughafengesellschaft rät Reisenden deshalb dringend, mindestens zwei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein.

Die Bundespolizei gibt Tipps für eine zügige Abfertigung am Sicherheitsbereich

Zuletzt verließ an einem heißen Tag eine komplette Besatzung der Sicherheitslinie am Terminal D ihre Posten. Die Klimaanlage war ausgefallen, die Temperaturen auf mehr als 35 Grad gestiegen. Die Passagiere mussten durch andere Sicherheitsschleusen gelotst werden. Jetzt sei die Klimaanlage repariert, hieß es von der Flughafengesellschaft.

Aber auch ohne technische Pannen kann es schwierig werden in Tegel, wie erfahrene Mitarbeiter warnen. Da sind zuerst die Kapazitäten der Fluglotsen im Tower. Wenn die ausgelastet sind, können die Jets nicht starten. An anderen Flughäfen werden Jets, die nicht sofort losfliegen können, auf Wartepositionen abgestellt. Die gibt es in Tegel nicht. Die festhängenden Flieger blockieren die Plätze für nachkommende Flugzeuge.

Wer nicht am Anfang des Bandes steht, muss länger warten

Ein möglicher Engpass ist auch die Gepäckaufgabe, vor allem im Terminal C, der einst für Air Berlin gebaut wurde und den jetzt Easyjet nutzt. Hier gibt es nur ein Band, auf das die Mitarbeiter an den Check Ins die Koffer legen können. Hinzu kommen die Stücke, die Passagiere inzwischen selbst im „Baggage Drop off“ abwerfen. Weil viele Fluggäste gerade für den Urlaub viel Gepäck aufgeben, dürfte das Band voll sein. Wer nicht am Anfang des Bandes in der Aufgabe-Schlange steht, muss länger warten, weil die Agenten keine Koffer mehr auf dem Band abstellen können.

Hinter den Kulissen laufen die Koffer dann in der Runde. Automatische Sortieranlagen wie an anderen Airports gibt es in Tegel nicht. Mitarbeiter müssen die Koffer von Hand vom Band ziehen und in die Karren für die einzelnen Flüge sortieren. In Spitzenstunden wären an diesem Band 40 solcher Wagen nötig. Aber der Raum bietet nur Platz für 30. Das Manko lässt sich nur durch den Einsatz von mehr Personal ausgleichen. Noch schwieriger wird es aber, wenn in enger Folge mehrere Flieger das gleiche Ziel ansteuern, etwa Mallorca. Dann müssen die Mitarbeiter nicht nur den Zielcode „PMI“ identifizieren, sondern auch die Flugnummer.

Die meisten Probleme gibt es an der Sicherheitskontrolle im Terminal C

Größtes Nadelöhr war zuletzt aber die Sicherheitskontrolle. Gerade im Terminal C mussten die Passagiere zuletzt sehr lange warten. Immer wieder kommt es vor, dass sie es nicht rechtzeitig durch die Kontrolle schaffen und das Gate schon geschlossen ist. Gerade Billigflieger sind nur selten geneigt, auf Passagiere zu warten.

Geschieht das, sind die Abläufe wieder empfindlich gestört. Denn die Ground-Handling-Kräfte müssen dann die Koffer der abgehängten Passagiere wieder aus dem Flugzeug ausladen. Anders als andere Airports verfügt Tegel nicht über ein System, das einem sagt, wo im Flugzeug sich das jeweilige Stück befindet.

Und die Dienstleister stehen vor einer ganz neuen Aufgabe, die so eigentlich gar nicht vorgesehen ist. Sie müssen die am Gate abgewiesenen Fluggäste wieder aus dem Sicherheitsbereich hinaus begleiten. Wer wegen der langen Abfertigungszeiten seinen Flug verpasst, ist dafür in der Regel selbst verantwortlich. Weder Airlines noch die Flughafengesellschaft noch die Security-Dienstleister der Bundespolizei wollen das verantworten.

Probleme auch am Flughafen Schönefeld

Auch am Flughafen Schönefeld müssen sich Passagiere auf Probleme einstellen. Pünktlich zum Beginn der Sommerferien in Berlin fährt die S-Bahn nicht mehr zum Airport.