Kindesmisshandlung vor Gericht

Mutter wirft ihren Sohn Frau vor die Füße – Freispruch

Wegen Kindesmisshandlung und Körperverletzung stand am Mittwoch eine 33-Jährige vor Gericht. Sie war offenbar völlig überfordert

Foto: Sven Braun / dpa

In einer Mischung aus Empörung und Fassungslosigkeit verfolgten Passanten das Geschehen, das sich am späten Nachmittag des 27. Februar vergangenen Jahres an der Bahnhofstraße in Köpenick abspielte. Mit der gleichen Mischung, ergänzt um eine Spur Mitleid verfolgten Anwesende auch den Prozess vor dem Amtsgericht Tiergarten, der die Geschehnisse aus dem vergangenen Jahr behandelte.

Angeklagt war Aline K., 33 Jahre alt, arbeitslos und Mutter von fünf Kindern. Die Staatsanwaltschaft warf ihr Misshandlung von Schutzbefohlenen und Körperverletzung vor. Bereits nach 15 Minuten war alles vorbei, der Richter stellte das Verfahren gegen die 33-Jährige ein. Denn die wichtigste Konsequenz aus dem angeklagten Verhalten der Frau habe es bereits gegeben, so der Richter: Alle fünf Kinder von Aline K. sind inzwischen bei Pflegefamilien untergebracht.

Sie habe ihren Sohn „völlig unangemessen“ angeschrien

Am Tattag war die Angeklagte mit dreien ihrer Kindern unterwegs. Vor allem ihr dreieinhalbjähriger Sohn quengelte in seinem Kinderwagen ohne Unterlass, was die Mutter offenbar völlig überforderte. Sie habe ihren Sohn „völlig unangemessen“ angeschrien, hieß es vorsichtig formuliert in der Anklage. Tatsächlich beschimpfte die 33-Jährige den Jungen mehrfach mit den Worten „Du bist genauso Sch… wie dein Sch...Vater“. Das betreffende Wort benutzte sie Zeugen zufolge dann noch häufiger in verschiedenen Zusammenhängen.

Eine Zeugin, Erzieherin von Beruf und für derartige Situationen sensibilisiert, konnte sich das nicht mehr mit ansehen und sprach die Mutter an. Deren Reaktion: Sie nahm ihren kleinen Sohn aus dem Kinderwagen und warf ihn aus zwei bis drei Metern Entfernung der Zeugin vor die Füße. Die alarmierte daraufhin Polizei und Rettungskräfte. Zudem hinderte sie die Mutter daran, in einen Bus zu steigen und den Ort des Geschehens zu verlassen. Davon ließ sie sich auch nicht abringen, als die Mutter ihr immer wieder mit dem Kinderwagen mit Wucht gegen die Beine stieß.

Keine Vorstrafe, keine ernsthaften Verletzungen

Sie sei damals tatsächlich völlig überfordert und psychisch angeschlagen gewesen, erklärte die Mutter am Mittwoch vor Gericht. Die Angeklagte sei psychisch angeschlagen gewesen und nicht vorbestraft, ernsthafte Verletzungen hätten zum Glück weder die Zeugin noch der kleine Sohn der Frau davon getragen, und – ganz wichtig – die Kinder seien in Sicherheit, all das rechtfertige eine Einstellung des Verfahrens, entschied der Richter.