Belastungsgrenze

Berliner Feuerwehr 2018 erneut mit mehr Einsätzen

Im Rettungsdienst musste die Feuerwehr mehr als 390.000 Einsätze fahren. Das ist ein neuer Rekord - mal wieder. Dabei sind viele 112-Rufe unnötig

Feuerwehreinsatz in Berlin

Feuerwehreinsatz in Berlin

Foto: Paul Zinken / ZB

Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr waren am Mittwochvormittag noch immer damit beschäftigt, Schäden, die der Gewittersturm in der Nacht zuvor angerichtet hatte, zu beseitigen. Zu diesem Zeitpunkt stellten Innensenator Andreas Geisel (SPD) und Landesbranddirektor Karsten Homrighausen die Jahresbilanz der Berliner Feuerwehr für 2018 vor.

Überraschendes kam dabei nicht zu Tage. Denn der Trend der steigenden Einsatzzahlen aus den vergangenen Jahren setzte sich nahtlos fort. Und wieder vermeldeten die obersten Dienstherren einen neuen Rekord.

Insgesamt waren es 2018 knapp 6000 Einsätze mehr als 2017. 463.977 Rettungseinsätze, Krankentransporte und Einsätze zur Brandbekämpfung wurden bilanziert. Den stärksten Zuwachs gab es im Rettungsdienst. Mit einem Plus von knapp 18.500 Einsätzen stiegen die Fahrten im Rettungsdienst auf etwa 390.500.

Druck auf die Berliner Feuerwehr bleibt bestehen

Dieser Trend der steigenden Einsätze setzt sich nun bereits seit 2009 fort. Im Durchschnitt brauchte die Feuerwehr 2018 etwas länger, um nach der Alarmierung ihren Einsatzort zu erreichen. Bei Bränden waren es 9,8 Minuten (2017: 9,3 Minuten), im Rettungsdienst stieg die Anfahrtszeit von 9,6 auf 10,2 Minuten. Als einer der Gründe wird die stetig wachsende Stadt genannt, als weitere Ursache immer mehr Fahrten für Notärzte und Sanitäter.

Die Zahl der Brandeinsätze lag bei etwa 7500, das ist nur ein Bruchteil aller Alarmierungen. Knapp 5000 Mal wurde die Feuerwehr ohne Grund zu einem Fehleinsatz alarmiert. Gesunken ist die Zahl der Brandtoten. Im vergangenen Jahr starben 25 Menschen durch Brände, im Vorjahr waren es noch 31.

„Wir sind im vergangenen Jahr im Minutentakt Einsätze gefahren“, sagte Feuerwehr-Chef Homrighausen. Alle 67 Sekunden würde die Feuerwehr ausrücken. Innensenator Geisel ist sich sicher, dass der Druck auf die Berliner Feuerwehr bestehen bleiben wird. Geisel: „Mit der bestehenden Struktur können die ständigen Einsatzrekorde nicht fortgesetzt werden.“

Innensenator sieht die Feuerwehr auf gutem Weg

Der Innensenator sprach die positiven Tendenzen an und sieht die Berliner Feuerwehr auf einem guten Weg. „Wir konnten viele Neuerungen umsetzen und positive Impulse setzen“, sagte Geisel. „Wichtig ist, dass wir diesen Weg konsequent weitergehen. Deswegen setze ich mich mit voller Kraft dafür ein, dass wir weiter in Personal, Fuhrpark, Wachen und Ausrüstung investieren.“

„Diese Zahlen können niemanden überraschen, sie werden in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Berlin wächst, die Erwartungshaltung der Menschen gleich mit und wir haben aufgrund politischer Versäumnisse einen Personalkörper, der die heutigen Gegebenheiten nicht abdecken kann“, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Oliver Mertens.

Die Interessenvertretung bei der Berliner Feuerwehr hatte im vergangenen Jahr gemeinsam mit ver.di und der DFeuG eine Vereinbarung mit Berlins Innensenator ausgehandelt und so unter anderem die 44-Stunden-Woche, die Auszahlung sämtlicher Überstunden sowie eine Kampagne zur Senkung der Notrufzahlen erkämpft.

„112 ist keine Kummernummer“

Mit Blick auf die Rekordzahlen bei den Rettungseinsätzen sprach der Landesbranddirektor von einer „Vollkasko-Mentalität“ der Anrufer bei der Notfallnummer 112. Viele der Rettungseinsätze wegen verletzter oder kranker Menschen seien nicht nötig, sagte er. Die Notfallsanitäter müssten eigentlich nur bei lebensgefährlichen und anderen sehr schweren Verletzungen anrücken und nicht bei leichteren Vorfällen.

Mit einer Kampagne werde man informieren und zum „gewissenhaften Umgang“ mit der Notrufnummer aufrufen. Auch der Innensenator betonte: „Die 112 ist keine Kummernummer, bei der man sein Leid klagen kann.“

Im Einklang mit dem Koalitionspartner SPD setzen sich auch die Grünen für einen Stärkung von Feuerwehr und Rettungsdiensten ein. Die Fraktionsvorsitzende Antje Kapek und der innenpolitische Sprecher der Grünen Benedikt Lux plädierten dafür, die Ausbildung an der Feuerwehr- und Rettungsakademie zu stärken. „Die Feuerwehr muss moderner werden. Das gilt für Rettungswagen, Technik und Gebäude“, hieß es in einer Mitteilung der Grünen. Die wollen auch die Notrufannahme neu bewerten, da die wachsende Zahl an Fehlalarmierungen nicht zulasten echter Notfälle gehen dürfe.