Sanierung

Bezirk saniert Haus auf Kosten des Eigentümers

Der Eigentümer lässt das Gebäude in Lichterfelde seit bald 20 Jahren verfallen. Das Amt will den Eigentümer vorübergehend enteignen.

Das Haus am Hindenburgdamm Ecke Gardeschützenweg in Berlin-Lichterfelde soll vor dem Verfall gerettet werden. Deshalb soll es nun vorübergehend enteignet werden.

Das Haus am Hindenburgdamm Ecke Gardeschützenweg in Berlin-Lichterfelde soll vor dem Verfall gerettet werden. Deshalb soll es nun vorübergehend enteignet werden.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin. Seit bald 20 Jahren steht das Haus an der Ecke Hindenburgdamm und Gardeschützenweg in Lichterfelde leer und verfällt. Jetzt will der Bezirk Steglitz-Zehlendorf den Hausbesitzer vorübergehend enteignen. Das ist die Konsequenz aus einem Gespräch von Bezirksamt und Senat über die Möglichkeiten, das Haus wieder bewohnbar zu machen. In diesem Gespräch wurde eine sogenannte Ersatzvornahme beschlossen.

Immobilienstadtrat Michael Karnetzki (SPD) hat Ende Mai den Verkehrsausschuss über die geplanten Schritte informiert. Eine Ersatzvornahme bedeutet, dass der Bezirk zunächst bestimmt, was baulich gemacht werden muss. Ziel des Modells, bei dem der Hauseigentümer vorübergehend enteignet wird, ist es, dass das Amt oder ein eingesetzter Treuhänder die notwendigen Arbeiten veranlasst und die Kosten dem Eigentümer in Rechnung stellt.

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In Berlin sind mehrere Verfahren wegen "Geisterhäusern" anhängig

Es könnte ein Präzedenzfall werden, denn in Berlin sind mehrere Verfahren wegen sogenannter Geisterhäuser anhängig. In all diesen Fällen lassen die Besitzer die Immobilien leer stehen und verfallen. So auch am Hindenburgdamm.

Nachdem an dem Haus Fassadenteile abgefallen waren, hatte der Bezirk einen Bauzaun und einen überdachten Gang für Fußgänger errichtet. Dazu werden regelmäßig Sicherheitskontrollen durchgeführt. Der Eigentümer hatte immer wieder versprochen, das Gebäude zu sanieren. Getan hat sich bislang nichts.

Auch Androhung eines Zwangsgeldes bewirkte nichts

Auch die Androhung eines Zwangsgeldes konnten ihn nicht dazu bewegen, die Wohnungen wieder herzustellen. Deshalb hat der Bezirk jetzt das Zweckentfremdungsverbot durchgesetzt. Es sieht vor, dass Eigentümer, die ihre Häuser verfallen lassen, zwangsenteignet werden können.

„Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum in Steglitz-Zehlendorf“, sagt SPD-Kreischef Ruppert Stüwe. Daher sei es gut, dass Stadtrat Karnetzki den Zustand nicht hinnehme. Jetzt dürften die anderen Teile des Bezirksamts nicht bremsen. Auch die Linke-Fraktion begrüßt das Vorgehen. „Nun müssen die nächsten Schritte zügig erfolgen: ein Gutachten über die Bausubstanz, erforderliche Sanierungsmaßnahmen inklusive Kostenschätzung sowie die Ausschreibung der Ersatzvornahme durch einen Treuhänder“, so Franziska Brychcy, Fraktionsvorsitzende der Linken in Steglitz-Zehlendorf.

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