Sharing-Economy

Berliner Start-up Emmy will 2000 neue Roller aufstellen

Deutschlandweit soll die Flotte des Berliner Unternehmens deutlich wachsen. Dabei hilft auch neues Geld von Investoren.

Haben große Pläne mit den Sharing-Rollern: Emmy-Mitgründer Valerian Seither (l.) und Green-City-Vorstand Jens Mühlhaus.

Haben große Pläne mit den Sharing-Rollern: Emmy-Mitgründer Valerian Seither (l.) und Green-City-Vorstand Jens Mühlhaus.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Vor fünf Jahren sprachen die Berliner Unternehmen Valerian Seither (32) und Alexander Meiritz (31) zufällig über Roller. Heute sind Seither und Meiritz mit ihrem Start-up Emmy Marktführer im Bereich Roller-Sharing. Rund 2000 Elektro-Flitzer umfasst die Flotte mittlerweile. Neben Berlin ist das Start-up auch in Hamburg, München und Düsseldorf aktiv. Im vergangenen Jahr zählte das junge Unternehmen mehr als 200.000 Kunden. Tendenz steigend.

Das liege auch an der Verkehrslage in einigen Städten, sagt Emmy-Mitgründer Valerian Seither. Schon heute sind die Straßen in den großen Metropolen überfüllt. Allein die Berliner Autofahrer stehen durchschnittlich 103 Stunden pro Jahr im Stau. Hinzu kommt die Zeit für die Suche nach einem Parkplatz. Private Autos würden zudem zu 92 Prozent der Zeit überhaupt nicht genutzt werden, blockierten aber städtischen Raum, sagt Seither. Innerhalb des S-Bahn Rings würde außerdem eine Fläche von umgerechnet etwa 665 Fußballfeldern als Parkfläche für Autos genutzt. Platz, der nach Ansicht der Emmy-Gründer deutlich sinnvoller verwendet werden könnte.

Emmy will Verkehrsprobleme in Großstädten lösen

Eine Antwort auf die Verkehrsprobleme in urbanen Räumen könnte das Teilen von Elektrorollern sein. „Wenn in 20 Jahren drei Viertel der Bevölkerung in Städten lebt, bedarf es zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte“, sagt Seither. Das Konzept von Emmy orientiert sich am Car-Sharing. Ein Gemeinschaftsauto ersetzt laut Studien ungefähr sieben bis zehn private Pkw. Um die orangenen Emmy-Roller nutzen zu können, müssen sich die Nutzer zunächst über die Smartphone-App des Unternehmens anmelden. Danach werden auf dem Bildschirm verfügbare Roller in der Nähe angezeigt. Mit einem Klick lässt sich das Zweirad reservieren und das Fach für den Helm öffnen.

Im Sinne der Nachhaltigkeit verfügen die Elektro-Roller über einen Sitz für zwei Personen sowie auch über einen weiteren Helm. Emmy-Kunden sollen so schnell, leise und flexibel an ihr Ziel kommen. Außerdem sollen Verkehrsemissionen und Staus durch die geteilten Roller reduziert werden. „Für uns war von Anfang an klar, dass unser Produkt nachhaltig sein muss, deswegen sind alle unsere Roller elektrisch“, erklärt Valerian Seither.

Batterie der Roller reicht für gut 100 Kilometer

Jeder der 2000 Emmy-Roller ist mit zwei Akkus ausgestattet, die mit 100 Prozent grünen Strom aufgeladen werden. Rund 100 Kilometer schaffen die Roller, bevor die Batterie schlapp macht. Das Austauschen übernimmt das Personal an zentralen Ladeorten. Mittlerweile hat das Unternehmen insgesamt 190 Mitarbeiter angestellt. Seit 2015 ist das Start-up am Markt, damals startete Emmy in Berlin mit 150 Rollern. „Von da an sind wir kontinuierlich weitergewachsen“, erzählt Mit-Gründer Seither. Aktuell gibt es deutschlandweit 2.000 Roller, 800 davon sind in Berlin aufgestellt.

In der Hauptstadt buhlt das Unternehmen aber nicht alleine um Kunden. Neben Emmy hat auch die Bosch-Tochter Coup Roller im Stadtgebiet aufgestellt. Erst im Februar hatte das Unternehmen verkündet, in der deutschen Hauptstadt mit rund 1500 Fahrzeugen in die neue Saison zu gehen. Die Coup-Flotte war damit im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent gewachsen. Coup war 2016 in Berlin gestartet, also kurz nach Emmy. Neben den elektrischen Mopeds drängen weitere Start-ups und Unternehmen mit Sharing-Angeboten in die deutsche Hauptstadt, darunter auch Anbieter, die künftig Geld mit dem Verleihen der umstrittenen elektrischen Tretroller verdienen wollen.

Investoren stellen neue Millionensumme zur Verfügung

Emmy will nun weiter wachsen. Deutschlandweit plant die junge Firma, in diesem Jahr 2000 neue Roller aufzustellen. Neben den bestehenden Standorten, soll eine weitere deutsche Stadt hinzukommen. Außerdem wagt Emmy erstmals den Sprung ins europäische Ausland. Helfen soll dabei ein hoher einstelliger Millionenbetrag, den Altinvestoren rund um die Investitionsbank Berlin (IBB) dem Unternehmen zur Verfügung stellen. „Emmy ist der Pionier für elektrisches Roller-Sharing und hat sich inzwischen als echte Mobilitätsalternative in den Städten etabliert. Wir freuen uns zusammen mit dem Gründerteam die nächste Wachstumsstufe anzugehen“, sagt Philipp Roth, Investment Manager der IBB Beteiligungsgesellschaft.

Weiteres Geld dürfte die Partnerschaft mit der Green City AG in die Emmy-Kassen spülen. „Es geht darum, heute die Mobilitätsunternehmen von morgen zu finanzieren und von deren Marktchancen zu profitieren“, sagt Jens Mühlhaus, Vorstand der Green City AG. Die Münchner, die vor allem in die erneuerbaren Energien und den grünen Verkehrsumbau investieren, haben dafür den Fonds „Green City Smart Mobility I“ neu aufgelegt. Kleinanleger können sich mit Beträgen zwischen 1.000 Euro und 10.000 Euro beteiligten. Am Ende der fünfjährigen Laufzeit sollen die Anleger das eingesetzte Kapital sowie eine erfolgsabhängige Vergütung zurückbekommen. Sicher ist das jedoch nicht. Auch der Totalverlust des Geldes ist möglich. Ob das Investment erfolgreich ist, hängt auch davon ab, ob die eingeschlagene Strategie von Emmy tatsächlich aufgeht.