Nahverkehr

Tram soll wieder zum Potsdamer Platz fahren

Der Senat will nun ernst machen mit Plänen, wieder eine Tram über die Leipziger Straße fahren zu lassen.

Eine Straßenbahn auf dem Alexanderplatz. Von dort soll sie irgendwann mal wieder bis zum Potsdamer Platz fahren.

Eine Straßenbahn auf dem Alexanderplatz. Von dort soll sie irgendwann mal wieder bis zum Potsdamer Platz fahren.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Berlin. Auf rund 500 Metern Länge liegen die Schienen bereits. Nach fast 20 Jahren nutzlosem Dasein will der Berliner Senat nun ernst machen mit dem Plan, die Straßenbahn über die Leipziger Straße wieder bis zum Potsdamer Platz fahren zu lassen.

Am Mittwoch wollen Vertreter der Senatsverkehrsverwaltung und der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) dazu die Vorplanung für die Trasse, die einmal bis zum Kulturforum führen soll, vorstellen (in der St. Marienkirche, Karl-Liebknecht-Str. 8 in Mitte, Beginn: 18 Uhr).

Mit der Strecke werden neue Direktverbindungen geschaffen, die den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) attraktiver machen und damit den Umweltverbund stärken, heißt es in der Ankündigung. Bei der Informationsveranstaltung werden erste Planungsstände vorgestellt. Die Veranstaltung bilde den Auftakt für einen Informations- und Beteiligungsprozess. Vom 6. bis 20. Juni 2019 können Berliner unter mein.berlin.de schriftliche Anregungen zu dem Projekt übermitteln. Wann es mit dem Bau losgeht, ist derzeit völlig offen. Unter anderem muss erst einmal die marode und nicht für Tram-Gleise geeignete Mühlendammbrücke durch einen Neubau ersetz werden. Damit wird allerdings wohl nicht vor 2025 begonnen.

Schienen in der Leipziger Straße bereits seit 2000

Der Potsdamer Platz war einst einer der wichtigsten Verkehrsknoten in Berlin. Auch zahlreiche Straßenbahn-Linien verliefen über den Platz. Doch die politische Teilung der Stadt nach Ende des Zweiten Weltkriegs und der anschließende Schwenk zu autogerechten Stadt im Westen wie im Osten ließen nach und nach fast alle Tram-Linien aus dem Stadtzentrum verschwinden. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden Forderungen nach einer Wiederbelebung der Straßenbahn laut.

Der damalige Verkehrssenator Peter Strieder (SPD) ließ daraufhin im Jahr 2000 auf der Leipziger Straße zwischen Mauerstraße und Leipziger Platz Schienen auf 530 Metern Länge verlegen – allerdings ohne dass es dafür die rechtlichen Voraussetzungen gab. Der Rechnungshof beanstandete den „rechtswidrigen und unwirtschaftlichen Einbau“ in seinem Jahresbericht 2013. Nach derzeitigem Stand müssen die Schienen beim Bau der gesamten Strecke ersetzt werden, ohne dass sie je eine Straßenbahn befahren hat.

Streckenführung bislang unklar

Das im Vorjahr gestartete Planungsverfahren für eine Neubautrasse für die Tram vom Alexanderplatz zum Potsdamer Platz/Kulturforum muss zunächst klären, welche Streckenführung die verkehrlich und wirtschaftlich günstigste ist. Dabei gibt es etliche Konfliktpunkte. So plant der Senat eine Umgestaltung des Molkenmarkts neben dem Roten Rathaus. Dort sollen Straßen zurückgebaut und Flächen für den Wohnungsbau gewonnen werden. Auch die Streckenführung für die Straßenbahn muss sich in diese Pläne einfügen.

Von der Opposition gibt es zu den Plänen der neuen Tram-Linie auf der Leipziger Straße bereits viel Kritik. „Statt mit zukunftsweisender Infrastruktur voranzugehen und mit dem Ausbau der U-Bahn zu beginnen, setzt der Senat selbst in der stark verdichteten Innenstadt ausschließlich auf die Tram.

In der Leipziger Straße ist dies weder für die Autofahrer, denen ein Dauerstau droht, noch für die Anwohner zumutbar. Der Senat sollte deshalb auf den Bau dieser Linie verzichten“, forderte etwa Henner Schmidt, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. „Die Idee einer Straßenbahnlinie auf einer der wichtigsten innerstädtischen Ost-West-Verbindungen ist verkehrspolitischer Wahnsinn. Auf der schon jetzt stark belasteten Leipziger Straße würde eine zusätzliche Tram (die zudem weitgehend parallel zur U-Bahnlinie 2 verliefe) zu einem niemals endenden Verkehrskollaps führen“, kritisiert Gunnar Lindemann, Sprecher der AfD-Fraktion Berlin für den ÖPNV die Senatspläne.