Umweltpolitik

Senat fördert grüne Dächer und Austausch von Ölheizungen

Der Klimawandel ist im Gange. Berlin will nun mit Subventionen dafür sorgen, dass Eigentümer ihre Ölheizungen rauswerfen.

Auf dem begrünten Dach eines Öko-Hauses sitzt ein Paar.

Auf dem begrünten Dach eines Öko-Hauses sitzt ein Paar.

Mit zwei neuen Förderprogrammen will Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) den Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid in Berlin verringern und gleichzeitig die Stadt besser für die Klimaerwärmung wappnen. Der Senat wird künftig den Austausch alter Ölheizungen subventionieren und außerdem die Begrünung von Dächern finanziell unterstützen. Das hat der Senat am Dienstag beschlossen.

Sechs Millionen Euro für neue Heizungen

Sechs Millionen Euro stellt Günther bereit, um bis zu 1200 alte Ölheizungen auszuwechseln und die Gebäude durch erneuerbare Energien oder durch effiziente Gasheizungen zu wärmen. Nach ihren Angaben gibt es in der Stadt noch 66.000 Ölheizungen. Diese verursachen mit 1,2 Millionen Tonnen Kohlendioxid sechs Prozent der gesamten Berliner Emissionen des Treibhausgases. Sollten 1200 Heizungen auf erneuerbare Energien umgestellt werden, könnten die Emissionen um 35.000 Tonnen sinken. Günther räumte ein, dass ihr Förderprogramm nur ein Anfang sein könne. „Aber wir kompensieren als Kommune die Sünden des Bundes“, sagte die Umweltsenatorin.

„Bund fördert immer noch Heizöl steuerlich“

Immer noch werde leichtes Heizöl trotz seiner Klimaschädlichkeit gegenüber sauberen Energieträgern wie Erdgas steuerlich begünstigt, so die Senatorin. Bei Heizöl koste unter dem bestehenden Steuerrecht die Tonne ausgestoßenes Kohlendioxid 23 Euro Steuern, bei Gas 30 Euro. „Wenn der Maßstab für die Besteuerung Kohlendioxid wäre, müssten wir kein Geld in die Hand nehmen, um das Auswechseln von Ölheizungen zu fördern“, so die Senatorin: „Das ließe sich über die Besteuerung von Kohlendioxid regeln.“ Der Bund müsse die Privilegierung der Kohlendioxid-intensiven Energieträger beenden.

Die landeseigene Investitionsbank Berlin wird das Förderprogramm im Auftrag des Senats abwickeln. 5000 Euro gibt es für den Austausch der Anlagen und die Beratung der Hauseigentümer.

Programm für 1000 grüne Dächer

Um Berlin auf die künftig steigenden Temperaturen vorzubereiten, hat der Senat am Dienstag auch ein Förderprogramm für grüne Dächer aufgelegt. 1000 begrünte Dächer sind das Ziel, die das Regenwasser besser auffangen, die Stadt kühlen, Lebensraum für Pflanzen und Insekten bieten und so etwas wie eine grüne „zweite Ebene“ in der Stadt bilden sollen. Antragsberechtigt sind Hauseigentümer mit Bestandsimmobilien in der Innenstadt und in Außenbezirken mit wenig grün. 3,5 Millionen Euro stehen bereit, sobald der Landesrechnungshof das Programm abgesegnet hat. Das soll aber laut Günther bald geschehen.

Bisher sind 18.400 Dächer grün

Die Umweltverwaltung will mit dem Programm den Rückstand Berlins gegenüber anderen Städten aufholen. Bisher gebe es in Berlin 18.400 begrünte Dächer, das sind 3,9 Prozent aller Dachflächen. Die Hauptstadt kommt damit auf 1,1 Quadratmeter grüner Dächer pro Einwohner. München und Frankfurt am Main schaffen pro Einwohner doppelt so viel, Hamburg mit 0,74 Quadratmetern etwas weniger.

100 Euro Förderung pro Quadratmeter

Pro Quadratmeter Grün auf dem Dach gibt es maximal 100 Euro Förderung. Insgesamt übernimmt die Stadt 75 Prozent der Gesamtkosten, maximal 60.000 Euro. Günthers Experten rechnen mit Nachfrage vor allem von den Eigentümern kleinerer Mietshäuser mit bis zu 20 Wohneinheiten. Über die neue Regenwasser-Agentur können Interessenten Beratung bekommen, wie sie das Gründach anlegen, welche Pflanzen besonders geeignet sind und wie ein Gründach zu pflegen ist. In einer zweiten Förderlinie geht es eher um einen Laborcharakter. besonders innovative Modellprojekte können mit ebenfalls bis zu 60.000 Euro bezuschusst werden. Über die Vergabe des Geldes entscheidet eine Fachjury.

Dass massenweise Gründächer den ebenfalls angestrebten stärkeren Ausbau von Solarzellen auf Dächern behindern könnte, glaubt man im Hause Günther nicht. Erstens habe Berlin noch genügend Dächer, die weder grün sind noch für Solarstrom genutzt würden. Und außerdem sei es auch möglich, auf grünen Dächern Solarzellen aufzubauen.