Johannishof

Neues Berliner Google-Büro: "Klares Bekenntnis zum Standort"

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Dominik Bath
Das Google-Logo.

Das Google-Logo.

Foto: dpa

Nach dem gescheiterten Aufbau eines Campus hat Google in Mitte eine Immobilie gekauft. Start-ups sollen dort aber nicht einziehen.

Berlin. Unternehmens- und Wirtschaftsverbände in Berlin haben am Montag den Kauf einer Immobilie im Bezirk Mitte durch den US-amerikanischen Internetkonzern Google begrüßt. Das Bekenntnis von Google zum Berliner Standort sei eine erfreuliche Nachricht, sagte Henrik Vagt, Geschäftsführer Wirtschaft & Politik bei der Industrie- und Handelskammer (IHK), der Berliner Morgenpost. „Es zeigt, dass die Hauptstadt nicht nur über einen starken Mittelstand verfügt, sondern auch bei Großunternehmen wieder hoch im Kurs steht. Dies ist keine Selbstverständlichkeit, denn Berlin muss sich jeden Tag im internationalen Standortwettbewerb neu bewähren“, so Vagt weiter.

Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), wertete den Schritt des Internetunternehmen als „zweite Chance für Berlin“. Hintergrund ist der gescheiterte Aufbau des Google-Campus in Kreuzberg im Oktober des vergangenen Jahres. Ursprünglich hatte Google geplant, aus dem früheren Umspannwerk an der Ohlauer Straße ein Coworking-Space für Start-up-Unternehmen zu machen. Nachdem Aktivisten dagegen protestierten nahm der Konzern aber wieder Abstand von den Plänen. Wirtschaftsverbände und Opposition hatten daraufhin auch lautstark Kritik am Senat geübt. „Dass Google sein Campus-Konzept nicht in Berlin realisiert, schmerzt bis heute. Die Stadt hätte damit in der Hightech-Szene noch einmal deutlich an Strahlkraft gewonnen“, sagte Christian Amsinck. Senat und Bezirk müssten jetzt alle Hindernisse aus dem Weg räumen, damit die Investition schnell unter Dach und Fach komme, so der UVB-Chef weiter.

Google hatte am vergangenen Wochenende verkündet, im Bezirk Mitte mit dem Johannishof eine Immobilie erworben zu haben. Zum Kaufpreis machte das Unternehmen zunächst keine Angaben. Es sei geplant, das neue Gebäude in wenigen Jahren zusätzlich zum bestehenden Büro in der Tucholskystraße für die wachsende Belegschaft zu nutzen, sagte Google-Sprecher Ralf Bremer. „Wir freuen uns sehr über dieses traditionsreiche und schöne Gebäude, gleich um die Ecke von unserem bestehenden Büro. Die Renovierungsarbeiten werden mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Aber schon heute gilt: Unsere Investition ist ein neuerliches Bekenntnis Googles zum Standort Berlin. Dadurch schaffen wir in den kommenden Jahren einige Hundert neue Arbeitsplätze“, so Bremer. Derzeit sind in dem Google-Büro an der Tucholskystraße 140 Mitarbeiter tätig.

Das neue Gebäude verfügt über rund 11.000 Quadratmeter Nutzfläche und bietet nach Konzern-Angaben Platz für mehrere Hundert Mitarbeiter. Ein Campus für Start-ups – so wie ursprünglich in Kreuzberg geplant – soll der Johannishof aber nicht werden, so der Google-Sprecher. Nach Abschluss der Renoviertunsarbeiten will der Konzern vor allem mehr Platz für die bereits bestehenden Abteilungen in Berlin schaffen. In dem Büro in der Tucholskystraße sind derzeit Mitarbeiter aus den Bereichen Cloud, Google for Start-ups, Google Play, Marketing, Politik, Softwareentwicklung, Sales und YouTube tätig.

Der traditionsreiche Johannishof wurde 1910 als Produktionsstätte und Sitz eines Tabakherstellers errichtet. In den 50er-Jahren folgte die Umwandlung des Gebäude in ein Hotel. Nach der letzten Renovierung im Jahr 1999 wurde die Immobilie zuletzt von verschiedenen Unternehmen als Gewerbefläche genutzt. Stefan Franzke, Chef der Berliner Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner, bezeichnete den Erwerb des Immobilie als „Grund zur Freude“. „Zum einem ist das eine gute Nachricht für den Standort, die eigentlich nur diejenigen überraschen dürfte, die vor ein paar Monaten hier eine Google-Absage an die Stadt herbeireden wollten, die es tatsächlich nie gegeben hat. Zum anderen ist es eine gute Nachricht für die Berliner, die jetzt von einem Global Player in der Stadt noch stärker profitieren können“, erklärte er.

Auch Oppositionspolitiker Christian Gräff (CDU) sieht den Kauf des Johannishof durch Google als „gutes Zeichen für das Unternehmen“. Der Image-Schaden durch den verhinderten Campus in Kreuzberg sei aber angerichtet. „Egal, wo man unterwegs ist, schütteln die Leute den Kopf über die Berliner Wirtschaftspolitik“, sagte Gräff.