Konzert in Berlin

Bei Bryan Adams reiht sich ein Ohrwurm an den nächsten

Natürlich spielt Bryan Adams in der Mercedes-Benz Arena alle Hits seiner mittlerweile über vierzig Jahre währenden Karriere.

Bryan Adams wird am 20. Juni ein exklusives Konzert in Berlin spielen

Bryan Adams wird am 20. Juni ein exklusives Konzert in Berlin spielen

Foto: A3576 Maurizio Gambarini / dpa

Berlin. Es gibt Rockkonzerte, die sind absolut überraschungsarm - und begeistern gerade deshalb die Fans. Auch bei Bryan Adams, dem kanadischen Giganten des geradlinigen Mainstream-Rocks, ist das nicht anders. Die Zuschauer wissen zu Hundertprozent, was sie erwartet. Nämlich ein Abend zum Wohlfühlen, Party feiern und mit haufenweise Songs, bei denen man aus voller Kehle mitsingen kann.

Der Rest der Gebrauchsanweisung für den Auftritt wird nach drei druckvollen Uptempo-Krachern, darunter "Ultimate Love", nachgereicht: „Guten Abend, Berlin! My Name is Bryan. I’m your singer for tonight“, begrüßt der sympathische Sänger das Publikum. Vor dem ersten Ton hat Adams bereits klar gestellt, dass er das Alphamännchen an diesem Abend ist. Sein Konterfei auf den LED-Screens hat mit einem ohrenberäubenden Löwengebrüll den Startschuss zum Konzert gegeben.

In der nicht ganz ausverkauften, aber dennoch sehr gut gefüllten Mercedes-Benz Arena tritt Adams mit seiner vierköpfigen Band an. Sie füllen die Halle mit einem meist exzellenten, satten, zuweilen aber auch scheppernd dröhnenden Sound voller treibender Rhythmen, hübsch schmutzig verzerrten Gitarrenriffs vom fabelhaften Keith Scott und erdigen Melodien. Dazu gibt es vom Publikum eine überwältigende, frenetische Jubelorgie.

Und tatsächlich, trotz wechselnder Tempi aktiviert sich Mitklatsch-Gen aller Anwesenden. Eine recht rustikale Beifallsbekundung. Aber andererseits bestechen Bryan Adams' Songs auch nicht gerade durch sonderliche Finessen.

Der überwiegend weibliche Teil des Publikums scheint dem immer noch blendend aussehenden 59-jährigen Kanadier mit Wohnsitz in London von Herzen zugetan zu sein. Die Damen kreischen bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Warten selbstredend insgeheim auf die schmachtfetzigen Balladen, während ihre männlichen Begleiter wie auch einige wenige versprengte Junggesellengruppen eher den guten, alten Rock’n’Roll vorziehen.

Bryan Adams erweist sich in Berlin als mindestens so guter Animateur wie als Musiker

Natürlich spielt Bryan Adams erwartungsgemäß alle Hits seiner mittlerweile über vierzig Jahre währenden Karriere. Beim Airplay ist er weltweit Dauerabonnement mit „Heaven“, „Summer Of 69“, „Run To You“ und „Cuts Like A Knife“. Das neue, eher mittelmäßige Material vom aktuellen 14. Studioalbum "Shine A Light", nachdem auch die Tour 2019 benannt ist, kann da nicht mithalten, wie der Titelsong live zeigt.

Adams erweist sich derweil als mindestens so guter Animateur wie als Musiker. Quasi unermüdlich fordert er die Zuschauer zum Mitmachen. Sorgt damit für Partytime in der Arena. Es wird getanzt. Und spätestens bei "Summer Of 69" übertönt das Auditorium Adams beinahe.

Ein echter Höhepunkt ist in jedem Fall sein softer Mega-Hit "(Everything I Do) I Do It For You“, den Adams gefühlig mit seiner warmen, markanten Reibeisenstimme anstimmt. Natürlich werden die Smartphones zur stimmungsvollen Illumination wie immer an besonders exponierten Stellen gezückt. Liebhaber zartester Liebeslieder kommen definitiv auf ihre Kosten.

Bei der Werkschau reiht sich Ohrwurm an den nächsten. Bebildert teils mit den Videos zu den Songs, die man von Youtube kennt, aber auch mit jeder Menge schicker Bilder von Bryan Adams und seinen Musikern.

Ein bisschen brav und langweilig ist das alles schon. Anscheinend der Preis für den hohen Wohlfühlfaktor. Ausgerechnet bei den Zuschauerwünschen auf Zuruf beweist Bryan Adams, dass er auch ganz anders kann und performt "Superstition". Bekanntlich ein Soulklassiker von Stevie Wonder. Applaus.