Baden

Das Strandbad Tegel bleibt weiter geschlossen

Es gibt drei Interessenten mit einem seriösen Konzept für die Weiterführung des Bades. Das weitere Verfahren steht noch nicht fest.

Das Strandbad Tegel wird auch dieses Jahr  nicht öffnen. Es haben sich aber drei Interessenten gefunden, die das Strandbad betreiben wollen.

Das Strandbad Tegel wird auch dieses Jahr nicht öffnen. Es haben sich aber drei Interessenten gefunden, die das Strandbad betreiben wollen.

Foto: Susanne Kollmann

Berlin. Eltern kühlen sich im Wasser des Tegeler Sees ab, während ihre Kinder die Rutsche hinuntersausen. Ein Bild, was vielen vermutlich noch in Erinnerung ist. Zum Strandbad Tegel sind jeden Sommer Tausende Menschen gefahren – zum Baden war es ein begehrtes Ausflugsziel im Bezirk.

Die letzte Badesaison liegt mittlerweile drei Jahre zurück und mittlerweile fragen sich viele: Wird das Strandbad Tegel jemals wieder eröffnen? Die Antwort der Senatsverwaltung für Inneres und Sport auf eine Anfrage des Reinickendorfer Abgeordneten Tim-Christopher Zeelen (CDU) lässt zumindest vermuten, dass dem in den kommenden Jahren wohl nicht so sein wird. 2019 wird das Strandbad jedenfalls nicht öffnen.

Zum Hintergrund: Im Jahr 2016 wurde das Strandbad Tegel geschlossen. Der Senat hatte im Vorfeld die maroden einwandigen Abwasserrohre mit Dämmstoff verfüllen lassen. Im Wasserschutzgebiet sind aber zweiwandige Rohre vorgeschrieben. Bezirkspolitiker haben sich mehrfach für den Erhalt des Strandbades eingesetzt, doch Aussicht auf Erfolg gab es bislang nicht.

„I love Tegel“ hatte bereits ein Konzept

Im vergangenen Jahr hat die Kiezinitiative „I love Tegel“ den Versuch gestartet, über den Sommer das Strandbad als öffentliche Badestelle zu öffnen. Initiator Felix Schönebeck hat mit seinen Mitstreitern Manuel Antony und Friedrich Winter ein Konzept entwickelt und den Berliner Bäderbetrieben (BBB) vorgelegt – Manuel Antony würde mit seiner Firma die Reinigung des Strandbades sowie die Leerung der Mülleimer übernehmen, Friedrich Winter zwei mobile WC-Anlagen bereitstellen. Der Plan ging allerdings nicht auf, Prüfungsverfahren dauerten zu lange, die Badesaison war vorbei.

Lesen Sie auch: Saisonstart: Diese sechs Berliner Freibäder öffnen jetzt

Im November 2018 schien sich die Situation in eine positive Richtung zu entwickeln. In einem durch die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) durchgeführten Interessen-Bekundungsverfahrens legten drei mögliche private Betreiber dem Senat und den Bäder-Betrieben seriöse und tragfähige Konzepte vor – insgesamt sechs Bewerber zeigten Interesse, das Schwimmbad wieder zu eröffnen. Laut den BBB beinhalten die Konzepte neben dem saisonalen Badebetrieb auch Gastronomie, umweltverträgliche Veranstaltungen und Nachhaltigkeitsstrategien. Detailliertere Auskünfte wollten die Verantwortlichen aus Vertraulichkeitsgründen nicht nennen. Jetzt kann im weiteren Schritt ein Vergabeverfahren gestartet werden. Die genaue Art des Verfahrens steht jedoch noch nicht fest

Politiker sind entsetzt über den Stillstand

„Es ist für mich unbegreiflich, dass Senat und Bäder-Betriebe ein halbes Jahr nach Ende des Interessenbekundungsverfahrens noch immer nicht den nächsten Verfahrensschritt eingeleitet haben – zumal das Verfahren auch schon mit großer Verzögerung begann. Es gibt für das Strandbad Tegel private Interessenten, es gibt gute Konzepte und dennoch geht es nicht voran. Ich kann nicht erkennen, dass man ernsthaft versucht, das Strandbad Tegel schnellstmöglich wieder für die Reinickendorferinnen und Reinickendorfer zu öffnen. Stattdessen herrscht Stillstand“, ärgert sich Zeelen. Er setzt sich seit vielen Jahren für die Offenhaltung beziehungsweise die Wiedereröffnung des Tegeler Strandbads ein.

Weitere Parkplätze und eine zusätzliche Buslinie sind nicht geplant

Nach Angaben des Senats ist die finanzielle Unterstützung eines möglichen privaten Betreibers aus öffentlicher Hand, auch wegen der zwingend notwendigen Investition in die Abwasserkanalisation, nicht geplant. Und auch zusätzliche Parkplätze sowie eine zusätzliche Verkehrsanbindung durch eine Buslinie zum Strandbad Tegel ist für den Senat derzeit

kein Thema. Stattdessen verweist der Senat in seiner schriftlichen Antwort daraufhin, dass längere Fußwege zumutbar seien - der Weg vom Strandbad zur nächstgelegenen Bushaltestelle sind knapp 1,5 Kilometer. Alternativ könne man auch das Fahrrad nutzen, so sehe es der Nahverkehrsplan des Landes Berlin für Freizeit- und Erholungsverkehr vor.

Strandbad wird vorerst nicht als öffentliche Badestelle zugänglich gemacht

„Weder Senat noch Bäder-Betriebe haben in den vergangenen Jahren etwas dazu gelernt. Es haben sich trotz schlechter Voraussetzungen private Unternehmer gefunden, die sich für den Betrieb des bisher öffentlichen Strandbads interessieren. Eigentlich ist es die Aufgabe der Bäder-Betriebe Bäder zu betreiben. Die zwingend notwendigen Investitionen in die Abwasserleitungen und die Bauwerke können nicht allein auf einem Privatem lasten, nachdem hier ewig kein Euro investiert wurde. Hinzu kommt die schlechte Verkehrsanbindung. Für ältere Menschen und Familien mit Kindern ist der Weg durch den Wald im Sommer einfach zu lang“, erklärt Felix Schönebeck, Vorsitzender des Vereins I love Tegel e.V. und CDU-Bezirksverordneter im Rathaus Reinickendorf.

Die Priorität des Senat liegt derzeit auf der Vermarktung des Strandbades. Ob doch noch ein temporärer Betrieb durch einen Verein gewährt wird, bleibt abzuwarten. In diesem Jahr sehen Schwimm-Liebhaber das Strandbad allerdings wieder nur durch die verschlossenen Tore.