Kriminalität

Moscheebesucher vereiteln Messerangriff auf Neuköllner Imam

Ein fanatischer Somalier hatte immer wieder Streit mit dem Gemeindevorsteher angefangen. Beim Freitagsgebet zog er ein Messer.

Imam Mohamed Taha Sabri im zentralen Gebetsraum der Dar-as-Salam-Moschee in der Flughafenstraße in Neukölln. Das Bild wurde im April 2016 aufgenommen.

Imam Mohamed Taha Sabri im zentralen Gebetsraum der Dar-as-Salam-Moschee in der Flughafenstraße in Neukölln. Das Bild wurde im April 2016 aufgenommen.

Foto: Frank Lehmann

In einer der größten Moscheen der Stadt wäre es offenbar fast zu einer Bluttat gekommen. Gemeindemitglieder der Dar-as-Salam-Moschee in der Flughafenstraße in Neukölln berichteten der Berliner Morgenpost, dass ein Besucher beim gut besuchten Freitagsgebet ein etwa 40 Zentimeter langes Messer gezogen habe. Nach eigener Aussage habe er damit den Imam der Gemeinde töten wollen. Wie die Polizei auf Anfrage bestätigte, konnten Moschee-Besucher den Angreifer überwältigten und übergaben ihn den eintreffenden Beamten.

Der Vorfall ereignete sich bereits am Freitag, 17. Mai. Außerhalb der auch als „Neuköllner Begegnungsstätte“ bekannten Dar-as-Salam-Gemeinde wurde er aber bisher nicht bekannt.

„Er hat immer wieder Streit angefangen“

Der mutmaßliche Angreifer, laut Polizei ein 29-jähriger, in Pankow gemeldeter Somalier, verkehrte nach Angaben von Gemeindemitgliedern bereits seit einigen Monaten in der Moschee. „Er hat immer wieder Streit angefangen“, sagte Gemeindevorsteher Mohamed Taha Sabri der Berliner Morgenpost.

Mal habe der Mann kritisiert, wie er als Imam das Gebet geleitet habe, dann habe er gefordert, die Moschee auch nachts geöffnet zu lassen. Weitere Gemeindemitglieder berichteten, der Somalier sei in seiner Auslegung des Islam „offenbar sehr streng“ gewesen. Er habe aber auch „geistig verwirrt“ gewirkt.

Vor Beginn des Freitagsgebets am 17. Mai habe er im zentralen Raum der Moschee plötzlich ein Messer gezogen. „Ich bringe den Shaitan (Satan) und den Scheich um“, habe er gesagt. So berichtete es ein Augenzeuge, der nach eigenen Angaben unmittelbar neben dem Somalier stand.

Die Drohung, den „Scheich“ zu töten, habe ganz offensichtlich Imam Mohamed Taha Sabri gegolten. Sabri habe den Gebetsraum aber erst deutlich später betreten, weil das Freitagsgebet an diesem Tag von einem anderen Vorbeter geleitet worden sei.

„Bruder beruhige dich“

Laut Augenzeugen versuchten mehrere Moscheebesucher zunächst, die Situation zu deeskalieren. „Bruder beruhige dich“, habe einer von ihnen immer wieder zu dem Somalier gesagt. Weil der Gebetsraum gut besucht gewesen sei, hätten die umstehenden Moscheebesucher versucht, den Vorfall nicht aufzubauschen, um keinen Tumult zu verursachen.

Um den Messerträger unter Kontrollen zu behalten, hätten sie ihn zunächst diskret in ihre Mitte genommen. Nach dem Freitagsgebet hätten sie den Mann in einem Nebenraum aufgefordert, das Messer abzugeben. Der Mann sei aber körperlich aggressiv geworden. „Wir haben ihn dann überwältigt und ihm das Messer abgenommen“, sagte ein Gemeindemitglied.

Der Notruf in der Leitstelle der Polizei ging um etwa 17 Uhr ein, sagte ein Polizeisprecher. Der Vorfall sei unter dem Stichwort „Bedrohung mit Waffen“ kategorisiert worden. Die Beamten waren nach Angaben von Gemeindemitgliedern schnell in den Moscheeräumen, der Somalier war zu diesem Zeitpunkt aber bereits überwältigt worden.

Die Beamten hätten ihn in Gewahrsam genommen und seine Personalien aufgenommen. Zur Begutachtung seines psychischen Zustands sei er einem fachkundigen Arzt vorgestellt worden. „Für den Transport wurden dem Mann Handfesseln angelegt“, sagte ein Polizeisprecher. Die Polizei ermittle wegen des Verdachts der Bedrohung und eines Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Zum Freitagsgebet kommen mitunter 1.500 Gläubige

Die Dar-as-Salam-Moschee gehört zur sunnitischen Glaubensrichtung des Islam und wird vor allem von Muslimen aufgesucht, deren Familien teils schon vor Jahrzehnten aus arabischen Ländern nach Berlin zogen. Das Freitagsgebet besuchen mitunter rund 1.500 Gläubige.

Bei der Einordnung der Gemeinde scheiden sich die Geister. Integrationsexperten bescheinigen der Moschee-Führung und Imam Sabri, sich immer wieder für den interreligiösen Dialog zu engagieren.

Tatsächlich wird die Moschee auf Einladung der Gemeinde immer wieder von Vertretern anderer Glaubensgemeinschaften oder von Mitgliedern schwul-lesbischer Gruppierungen besucht. Imam Sabri sprach sich in seinen Predigten wiederholt gegen Antisemitismus und anti-westliche Einstellungen unter Muslimen aus und ermunterte die Gemeindemitglieder zu mehr Integration.

Außerdem engagierte sich Sabri beim „Marsch der Muslime gegen den Terrorismus“. Anlässlich des 70. Jubiläums des Grundgesetzes hielt er in der Dar-as-Salam-Moschee eine Gedenkandacht ab.

Der Verfassungsschutz verlor vor dem Oberverwaltungsgericht

Der Berliner Verfassungsschutz erwähnte die Dar-as-Salam-Moschee dagegen seit 2014 in seinem Jahresbericht und verwies auf angebliche Verbindungen zu Organisationen der islamistischen Muslimbruderschaft. Das Berliner Oberverwaltungsgericht urteilte im Juli vergangenen Jahres allerdings nach einer Klage der Gemeinde, dass die Erwähnung nicht rechtens sei. Im aktuellen Jahresbericht des Verfassungsschutzes wird die Dar-as-Salam-Moschee nicht erwähnt.

Imam Mohamed Taha Sabri wurde von Anhängern der radikal-islamischen Bewegung des Salafismus wegen seiner Integrationsbemühungen schon wiederholt zum Opfer von Bedrohungen und Verbalattacken. Im Internet beschimpfen Salafisten ihn als „Ungläubigen“, „Heuchler“ oder „Abtrünnigen“. Der vereitelte Messerangriff habe gezeigt, welche Folgen die verbalen Bedrohungen haben könnten. „Das war schon gefährlich“, sagte Sabri dieser Zeitung.