Prozess

Polizeischüler wegen „Sieg Heil“-Rufen verurteilt

Polizeischüler sollen einen schwarzen Basketballspieler mit Affengeräuschen beleidigt haben.

Ein Polizeimeister auf Probe und zwei Polizeianwärter wurden wegen Sieg-Heil-Rufen verurteilt. Die drei Männer gingen in Berufung.

Ein Polizeimeister auf Probe und zwei Polizeianwärter wurden wegen Sieg-Heil-Rufen verurteilt. Die drei Männer gingen in Berufung.

Foto: Patrick Seeger / dpa

Zwei Polizeianwärter und ein Polizeimeister auf Probe sollen bei einem Spiel von Alba Berlin gegen die Skyliners aus Frankfurt in der Merceds-Benz-Arena „Sieg-Heil“-Rufe skandiert haben. Die drei Männer im Alter von 28 und 26 Jahren wurden zu Geldstrafen verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Alle drei Polizisten gehen in Berufung. Zuerst berichtete die „taz“ darüber.

Der Vorfall ereignete sich bereits am 27. April im vergangenen Jahr, wurde aber erst jetzt bekannt. Der Prozess gegen die drei Männer fand am 16. Mai vor dem Amtsgericht in Tiergarten statt. Nach Informationen der Berliner Morgenpost wurde der 28 Jahre alte Polizeimeister auf Probe zu 40 Tagessätzen von 60 Euro und die beiden 28-jährigen und 26-jährigen Polizeischüler zu jeweils 40 Tagessätzen von 30 Euro verurteilt.

Der Vorfall soll sich am Ende des zweiten Viertels im Alba-Fanblock ereignet haben. Einer der Männer soll erst „Sieg“, die anderen beiden „Heil“ gerufen haben. Die drei Polizisten streiten das ab.

Sozialarbeiter erstattet Anzeige nach Spiel

Die „taz“ zitiert in ihrem Bericht einen Sozialarbeiter, der die Situation im Fanblock von Alba beobachtet haben soll. „Schräg gegenüber von unseren Plätzen fielen meiner Kollegin und mir sieben Männer auf, die kurz nach Spielbeginn einen schwarzen Spieler der gegnerischen Mannschaft mit Affengeräuschen beleidigten“, zitiert die Zeitung den Sozialarbeiter. Als die „Sieg-Heil“-Rufe ertönten, habe der Mann noch in der Arena Anzeige erstattet. Bei der Kontrolle fand die Polizei auf den zwei Handys der Männer zudem Inhalte mit rechtem Gedankengut.

Männergruppe fiel bereits auf

Eine Polizistin erklärte vor Gericht, dass die Männergruppe bereits in der Vergangenheit in rechten Kontexten aufgefallen sein soll. Auch die Staatsanwaltschaft sah es demnach als erwiesen an, dass die „Sieg-Heil“-Rufe tatsächlich gefallen waren. Polizeisprecher Thilo Cablitz sagte der Berliner Morgenpost, dass gegen die drei Männer Disziplinarmaßnahmen eingeleitet wurden. Diese würden allerdings ruhen, bis es ein rechtskräftiges Urteil gibt. Erst danach treffe man eine Entscheidung. „Wir distanzieren uns von dem durch die Zeugen beschriebenen Verhalten. Die Berliner Polizei steht für Menschen- und Grundrechte ein. Das beschriebene Verhalten ist unvereinbar mit dem Selbstverständnis der Behörde“, sagte Cablitz.

Einer der Polizeianwärter war zwischenzeitlich zum Polizeimeister auf Probe ernannt worden. Die Vorwürfe gegen ihn waren da bereits bekannt. Die Ernennung folgt einem Automatismus. Um diese zu verhindern, müsste der Polizist ganz aus dem Dienst entfernt werden. Bevor die Polizei diesen drastischen Schritt geht, wartet sie in der Regel Gerichtsentscheidungen ab.