Innere Sicherheit

Bis zu 35 Prozent Krankenstand bei der Berliner Polizei

FDP und Gewerkschaft kritisieren mangelnde Informationen zu Gesundheitsquoten bei der Polizei.

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Der Krankenstand bei der Berliner Polizei stellt die Behörde offenbar vor größere Probleme als bisher bekannt. Nach der jüngsten verfügbaren Statistik waren im Jahr 2017 in der gesamten Behörde durchschnittlich rund 14 Prozent aller Beamten und rund zwölf Prozent der Angestellten krank. Diese Daten sind bekannt. In einzelnen Dienststellen nimmt der Krankenstand aber ein solches Ausmaß an, das dies die Frage der Dienstfähigkeit aufwirft.

Der Krankenstand variiert von Abschnitt zu Abschnitt

Der Berliner Morgenpost liegen Auswertungen einer polizei-internen Software von einem Stichtag im Mai dieses Jahres vor. Sie offenbaren erhebliche Unterschiede zwischen den Dienststellen. So lag der Krankenstand in etlichen Dienstgruppen zwar lediglich bei fünf bis zehn Prozent. Im Bereich der Aufklärung von Straftaten sah es an dem Stichtag dagegen deutlich schlechter aus. Die für die Ermittlungen bei minderschweren Straftaten zuständigen sogenannten Abschnittskommissariate weisen in den vergangenen Wochen zufolge Krankenstände von mehr als 35 Prozent auf. Auch leiden einige örtliche Abschnitte stärker unter einem hohen Krankenstand als andere. Die Werte schwanken zwischen unter zehn und knapp 20 Prozent.

Innenverwaltung behauptet, Daten lägen nicht vor

Die für die Polizei zuständige Senatsverwaltung für Inneres hatte auf eine parlamentarische Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe kürzlich mitgeteilt, dass der Krankenstand „gesondert tagesaktuell“ nicht erfasst werde. Die statistische Auswertung erfolge ausschließlich über eine Statistikstelle der Finanzverwaltung. Rückschlüsse auf die Gesundheitsquote einzelner Organisationseinheiten seien nicht möglich.

Der Umgang mit dem Krankenstand ist eine der großen Herausforderungen der Berliner Polizei

Der FDP-Abgeordnete Luthe kritisierte die Informationspolitik der Innenverwaltung. „Wenn der Senat behauptet, dass es zum Krankenstand bei den einzelnen Dienststellen der Polizei keine differenzierte Zahlen gibt, diese Zahlen aber offenbar doch vorhanden sind, dann ist das ein ungeheuerlicher Vorgang“, sagte Luthe. Der Umgang mit dem hohen Krankenstand gehöre neben der Frage der Personalgewinnung zu den zentralen Herausforderungen bei der Polizei.

Auch die Gewerkschaft der Polizei kritisierte die Informationspolitik der Innenverwaltung. „Selbstverständlich wird in den einzelnen Bereichen tagtäglich erfasst, wer krankheitsbedingt ausfällt“, sagte der Sprecher der Berliner GdP, Benjamin Jendro.