Fachkräftemangel

Aus dem Ausländeramt wird ein Willkommensamt

Berlin will den Zuzug von ausländischen Fachkräften erleichtern und gründet dafür als erstes Bundesland ein eigenes Landesamt.

Die Ausländerbehörde in Berlin (Archivbild).

Die Ausländerbehörde in Berlin (Archivbild).

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Berlin bekommt als erstes Bundesland ein eigenes Landesamt für Einwanderung. Eine entsprechende Gesetzesvorlage hat der Senat am Dienstag beschlossen. Damit soll die legale Einwanderung von Fachkräften erleichtert werden. Berlin greift damit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz des Bundes vor, das ab dem kommenden Jahr gelten soll.

Der Plan sieht vor, dass die 430 Mitarbeiter der Ausländerbehörde künftig in einem eigenen Landesamt für die Gewährung von Visa und Aufenthaltsbescheinigungen zuständig sind. 250 davon sollen für die Anwerbung von Fachkräften tätig sein, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Dienstag nach der Senatssitzung. „Wir werden nicht nur das Türschild der Ausländerbehörde austauschen“, sagte Geisel. „Das Landesamt soll eine echte Willkommensbehörde werden.“

Berlins Ausländerbehörde ist die größte Deutschlands

„Mit 400.000 vorsprechenden Kunden pro Jahr ist die Berliner Ausländerbehörde schon jetzt die mit Abstand größte Ausländerbehörde in Deutschland“, sagte der Innensenator. Zwölf Prozent aller bundesweit erteilten Aufenthaltstitel würden in Berlin erteilt. Gleichzeitig sei der bürokratische Aufwand groß, alle nötigen Papiere zusammenzutragen. Das soll künftig das Landesamt zentral erledigen.

Seit Jahren fordern Experten die Einführung eines Einwanderungsgesetzes, damit das Anwerben von Fachkräften erleichtert wird. Nach Angaben Geisels ist das dringend nötig, um gegen den Fachkräftemangel vorzugehen. „Wir zielen dabei vor allem auf die Pflegeberufe und Handwerker ab“, sagte Geisel. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sei es dringend notwendig, qualifiziertes Personal aus dem Ausland nach Berlin zu bringen, um den künftigen Bedarf zu decken.

Das Amt soll deshalb in den kommenden Jahren weiter wachsen. „Das ist nur die Startaufstellung“, sagte Geisel. Laut den aktuellen Haushaltsplänen sollen noch in den kommenden beiden Jahren 35 zusätzliche Stellen geschaffen werden.

Das neue Landesamt soll nach dem Vorbild des „Business-Immigration Service“ in den Räumen der Industrie- und Handelskammer (IHK) in der Fasanenstraße in Charlottenburg-Wilmersdorf funktionieren. Hier befindet sich eine Außenstelle der Ausländerbehörde, in der Mitarbeiter Unternehmen dabei helfen, Fachpersonal gewinnen zu können. Firmen wenden sich mit der Bitte an die Stelle, damit Facharbeiter schneller die nötigen Papiere erhalten, um ihre Arbeit in Berlin aufnehmen zu können. 1000 registrierte Firmen nehmen den Service bereits in Anspruch. Der Service gilt bundesweit als vorbildlich und soll künftig ausgebaut werden. Außerdem soll sich die Behörde aktiv um Fachkräfte im Ausland bemühen.

Der Zuzug nach Berlin hält unverändert an

Der Zuzug nach Berlin hält nach Angaben des Statistischen Landesamtes unverändert an. Zuletzt meldete das Statistikamt ein Plus für 2018 von 37.000 Menschen ohne deutschen Pass. Dabei stellen Flüchtlinge nur eine Minderheit der Neuberliner. Bei den meisten handelt es sich um Erwerbsmigranten, Studenten und nachziehende Familienangehörige. „Der Ausländerbehörde kommt daher eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung der Einwanderung und Integration zu“, sagte Geisel.

In Berlin leben derzeit rund 750.000 Ausländer. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 19 Prozent. Die meisten davon leben in Mitte (131.000), Charlottenburg-Wilmersdorf (85.000) und Neukölln (84.000). Die wenigsten in Treptow-Köpenick (25.000) und Marzahn-Hellersdorf (28.000). 284.000 Ausländer stammen aus der EU, 197.000 aus dem nicht-europäischen Ausland, die meisten davon aus der Türkei (95.000).

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