Hundehalter

Leinenzwang für Hunde: Bislang gibt es kaum Kontrollen

Seit Januar müssen Hunde in Berlin grundsätzlich an die Leine. Eigentlich. Für 80 Prozent der Vierbeiner gelten die neuen Regeln nicht.

Ein Hund in Berlin (Symbolfoto).

Ein Hund in Berlin (Symbolfoto).

Foto: dpa Picture-Alliance / Wolfram Steinberg / picture alliance / Wolfram Stein

Berlin.  Trotz der seit Januar geltenden strengeren Leinenpflicht müssen Hundehalter in Berlin nach wie vor hauptsächlich in einigen Schwerpunktgebieten mit Kontrollen rechnen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in den Bezirken mit den meisten Hunden. Welchen Erfolg oder Misserfolg die neue Regelung hat, ist der zuständigen Senatsverwaltung für Justiz jedenfalls nicht bekannt. „Dazu liegen uns derzeit keine Informationen vor“, sagte Sprecher Michael Reis.

Noch keine Kontrollen in Reinickendorf

In Reinickendorf gibt es laut Ordnungsstadtrat Sebastian Maack (AfD) aktuell noch keine Kontrollen auf Straßen, da viele Hundehalter noch keine entsprechenden Nachweise hätten. Außerdem sei das Ordnungsamt unterbesetzt, andere Ordnungswidrigkeiten hätten Priorität. In Grünanlagen werde die Einhaltung der Leinenpflicht aber schon immer kontrolliert.

Seit 1. Januar gilt in ganz Berlin die allgemeine Leinenpflicht für Hunde in der Öffentlichkeit. So sieht es eine Rechtsverordnung vor – auf der Grundlage des Berliner Hundegesetzes, das seit 22. Juli 2016 gilt. Hunde, die bereits vor diesem Datum gehalten wurden, sind davon ausgenommen – es sind sogenannte Bestandshunde. Laut Justizverwaltung sind die Mehrheit der Berliner Hunde, 80 Prozent, Bestandshunde. Weitere Ausnahme: Wer eine Sachkundeprüfung ablegt, die auch Hundeführerschein genannt wird, darf den Hund wie bisher auf weniger belebten Straßen und Plätzen oder Brachflächen laufen lassen.

Marzahn-Hellersdorf: Verstöße werden konsequent geahndet

In Marzahn-Hellersdorf konnten sich Halter auf die neuen Regeln einstellen. In der Einführungsphase seien sie darauf hingewiesen worden, sagte Matthias Kröning vom Grünflächenamt. „Bei wiederholten Verstößen wird eine Anzeige gefertigt.“

Verstöße gegen bereits bestehende Regelungen würden konsequent geahndet. „Die Kontrollen erfolgen vor allem stichpunktartig an Schwerpunkten, wie zum Beispiel Spielplätzen, Haltestellen, Sportanlagen sowie Grün- und Erholungsanlagen.“ Die Kontrollen seien immer schwieriger, da sich die Anforderungen an die Beweissicherheit immer mehr erhöhten, so Kröning. Auch warnten sich Hundebesitzer untereinander vor den Ordnungsamtsmitarbeitern. Die Mehrheit der Halter habe Verständnis für die Kontrollen. „Andererseits treten auch vermehrt Uneinsichtigkeit auf bis hin zu aggressiven Auftreten“, so Kröning.

Steglitz-Zehlendorf: Vor allem in Grünanlagen wird kontrolliert

Auch in Steglitz-Zehlendorf sind es vor allem Grünanlagen, in denen kontrolliert wird, ob Bello & Co. angeleint sind. „Diese Schwerpunktsetzung hat den Hintergrund, dass die hier eingehenden Beschwerden über unangeleinte Hunde nahezu ausschließlich Grünanlagen betreffen“, erläutert Martin Lutze vom zuständigen Bezirksamt. Solche Beschwerden kommen immer wieder von Joggern und Spaziergängern im Bäkepark in Steglitz.

Deshalb hat die SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vorgeschlagen, dass eine geschützte Grünfläche im nahe gelegenen Gewerbegebiet für den Hundeauslauf ohne Leine freigegeben werden soll. Auf Beschluss der BVV wird das Bezirksamt nun diesen Vorschlag prüfen. Der soziale Kontakt sei für viele Hundebesitzer entscheidend, sie würden dadurch dem Alleinsein entkommen – so begründet die SPD den Vorschlag.

Charlottenburg-Wilmersdorf informiert im Netz über Leinenpflicht

Das Ordnungsamt Charlottenburg-Wilmersdorf weist auf seiner Internetseite darauf hin, dass in Fußgängerzonen und Straßen mit Menschenansammlungen, auf Volksfesten, auf Bahnhöfen und in öffentlichen Verkehrsmitteln Hunde an einer höchstens einen Meter langen Leine geführt werden müssen. Zwei Meter lang darf die Leine in öffentlichen Parks, in Kleingärten, auf Campingplätzen und im Wald sein. Ausnahmen seien nur auf Flächen möglich, die als Auslaufgebiete gekennzeichnet sind. mit dpa