Wohnungsnot

Junge Berliner wollen mehr Hochhäuser in Berlin

Eine Umfrage zeigt: Jeder zweite Berliner plädiert für den Wohnungsbau außerhalb des S-Bahn-Rings.

Jeder zweite Berliner zwischen 18 und 29 Jahren ist der Meinung, dass vor allem der Bau in die Höhe die Wohnungsnot in der Stadt lösen könnte.

Jeder zweite Berliner zwischen 18 und 29 Jahren ist der Meinung, dass vor allem der Bau in die Höhe die Wohnungsnot in der Stadt lösen könnte.

Foto: Soeren Stache / picture alliance

Berlin.  Angesichts der Wohnungsnot und der steigenden Mietpreise plädieren immer mehr junge Berliner für den Bau von Hochhäusern in der Stadt. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Sparkasse hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Demnach spricht sich jeder zweite Berliner im Alter zwischen 18 und 29 Jahren für den Bau von Wolkenkratzern aus.

Ältere Einwohner ab 50 Jahren lehnen diese Form des Neubaus hingegen größtenteils ab: Nur jeder Dritte gibt an, sich mit dem Bau von Hochhäusern anfreunden zu können. Stattdessen sollten Baulücken geschlossen, Dachgeschosse ausgebaut oder kleinere Wohnungen errichtet werden.

Welche Form des Neubaus sich die Berliner wünschen, ist auch eine Frage des verfügbaren Haushaltseinkommens: Menschen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von monatlich 3000 Euro und mehr sprechen sich dafür aus, Baulücken zu schließen (73 Prozent) und Dachgeschosse auszubauen (63 Prozent). Einwohner, die im Monat weniger als 1000 Euro zur Verfügung haben, sehen hingegen im Bau von kleineren Wohnungen die beste Alternative (44 Prozent). 21 Prozent der Befragten in dieser Einkommensgruppe können sich auch vorstellen, bestehende Wohnungen zu teilen.

Neubauwohnungen: Berliner wünschen sich Flächen außerhalb des S-Bahn-Rings

Für den Neubau von Wohnungen hält ein Großteil der Berliner Flächen außerhalb des S-Bahn-Rings für am besten geeignet. Rund 48 Prozent der Befragten sprechen sich für den Bau von Wohnungen abseits der Innenstadt aus. 38 Prozent der Berliner wünschen sich Neubau vor allem im Zentrum der Stadt. 13 Prozent finden, neue Häuser und Wohnungen sollten in Brandenburg statt in Berlin gebaut werden.

„Berlin muss weiter bauen: Zehntausende Neuberliner kommen Jahr für Jahr in der Hauptstadt an – zusammen mit Familien, Studierenden, Senioren und vielen mehr sind sie händeringend auf der Suche nach Wohnraum“, sagte Anja Dargel, Direktorin für Privatkunden bei der Berliner Sparkasse.

Berlin sei nach wie vor eine Mieterstadt, sagte die Bankerin. Zuletzt waren die Mieten in Berlin weniger stark angestiegen als in den Jahren zuvor: Im Durchschnitt zahlen Mieter in der Hauptstadt laut Mietspiegel 6,72 Euro je Quadratmeter und Monat (nettokalt) für ihre Wohnung – 33 Cent mehr als noch vor zwei Jahren. Nach Angaben der Investitionsbank Berlin Brandenburg fehlen in der Stadt aber momentan mindestens 135.000 Wohnungen, um die Nachfrage bedienen zu können.

Beim Neubau richteten sich immer mehr Augen auf die Stadtteile außerhalb des S-Bahn-Rings, sagte Dargel. „Gerade Köpenick, Brieselang und Bernau sind wegen der guten Anbindung, ihrer lebendigen Mischung aus Leben und Arbeiten sowie attraktiver Baulücken einen Blick wert“, erklärte die Bankdirektorin.

Die Akzeptanz für den Bau von Wohnungen innerhalb des S-Bahn-Rings ist im Jahresvergleich gestiegen: Sprachen sich im vergangenen Jahr lediglich 30 Prozent der Berliner für den Bau von neuen Wohnungen in den inneren Stadtbezirken aus, sind es 2019 schon 38 Prozent. Vor allem jüngere Menschen bis zum Alter von 29 Jahren wünschen sich Neubau im Zentrum (47 Prozent).

Neubau in der Innenstadt: Nur 32 Prozent der Befragten dafür

Menschen zwischen 30 und 49 Jahren zieht es hingegen eher in die Stadtteile außerhalb des S-Bahn-Rings (54 Prozent). Neubau in der Innenstadt können sich in dieser Altersgruppe nur 32 Prozent der Befragten vorstellen. Auch im Alter zieht es die Menschen eher raus aus Mitte, Friedrichshain und Co.: 47 Prozent der über 50-Jährigen sprechen sich laut Sparkassen-Studie für den Neubau von Wohnungen in den Randlagen der Stadt aus.

Generell wünschen sich die Berliner zudem mehr Mitsprache bei Bauvorhaben: Zwei Drittel der Befragten (63 Prozent) äußern den Wunsch nach einer stärkeren Beteiligung der Bürger. Bedarf nach Mehrinformation und das Bedürfnis bei Bauvorhaben auch mitentscheiden zu dürfen haben vor allem Personen im Alter von 18 bis 29 Jahren (75 Prozent) sowie Menschen mit Abitur und Personen, die im Bereich des S-Bahnringes wohnen (jeweils 70 Prozent).

Das Umfrageinstitut info GmbH hatte im Februar dieses Jahres 1000 Berlinerinnen und Berliner telefonisch befragt. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ.