Fridays for Future

Tausende fordern mehr Klimaschutz in Europa

Weltweit sollte es der größte Klimastreik der Geschichte werden. In Berlin kamen laut Veranstalter 15.000. Es ging ihnen vor allem um die EU-Wahl

An die 15.000 Schüler und Studentinnen demonstrieren bei „Fridays for Future“ am Brandenburger Tor für die Umsetzung der Pariser Weltklimaabkommens.

An die 15.000 Schüler und Studentinnen demonstrieren bei „Fridays for Future“ am Brandenburger Tor für die Umsetzung der Pariser Weltklimaabkommens.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Zwei Tage vor der Europawahl sind in Berlin erneut tausende Menschen für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen. Bei sommerlichen Temperaturen versammelten sich ab 12 Uhr Schülerinnen, Studenten, Eltern und Unterstützerinnen am Brandenburger Tor. Nach Angaben der Veranstalter zogen mehr als 15.000 Demonstranten von dort zum Regierungsviertel. Das deutsche Gesicht der Klimabewegung, Luisa Neubauer, rief dazu auf, bei der Stimmabgabe am Sonntag ans Klima zu denken. „Wir brauchen ein EU-Parlament, das angesichts der größten Krise der Menschheit die Ärmel hochkrempelt und nicht die Augen verschließt.“

Adam und Michelle, die erst vor kurzem mit ihren Töchtern Marisa (6) und Zea (2) aus San Francisco nach Berlin gezogen sind, waren begeistert vom Protest. „Wir sind hier, um unseren Kindern zu zeigen, was andere Kinder auf die Beine stellen können – das ist toll!“, sagte Adam. Klimaschutz sei auch in ihrer Familie ein wichtiges Thema, schon lange bevor sie nach Berlin gekommen sind.

Unterstützung bekamen die Demonstranten auch vom Landesjugendring. Dessen Mitglieder unterschrieben am Freitag eine Solidaritätserklärung. Darunter die Arbeiter-Samariter-Jugend, die DGB-Jugend und die BUNDjugend. Sie schreiben: „Wir begrüßen diesen notwendigen Schritt der jungen Generation als ein Zeichen lebendiger Demokratie.“ In der Erklärung forderten sie den Berliner Senat auf, ein Gesetz auf den Weg zu bringen, dass eine unkomplizierte Freistellung vom Unterricht für ehrenamtliches Engagement ermöglicht.

Denn für die Schüler kann die Teilnahme an den Demonstrationen negative Konsequenzen in der Schule haben. Wie berichtet, hatte die Schulleitung des Lessing-Gymnasiums in Wedding angekündigt, Schüler, die wegen wöchentlichen Demonstrationen zu viele Fehlstunden aufwiesen, nicht zu versetzen. Die Schüler sprachen von einer ungerechten Behandlung. Schulleiter Michael Wüstenberg sagte der Berliner Morgenpost, dass er zwar Verständnis habe für die Anliegen der Schüler, trotzdem müsse das Gymnasium die Regelungen für die Sekundarstufe I beachten. Diese sähen eine Mindestanwesenheitspflicht in bestimmten Fächern vor.

Anna (18) und Therese (19) nahmen an diesem Freitag zum ersten Mal an einer Klima-Kundgebung teil, schützten sich im Schatten eines Baumes vor der Sonne. In den letzten Monaten hatten sie Abitur-Stress. Umso mehr freuen sie sich jetzt, hier zu sein: „Wir müssen zeigen, dass sich etwas ändern muss“, sagt Therese. Anna sagt: „Jetzt müssen die Interessen der kommenden Generation beachtet werden, nicht mehr nur die der großen Konzerne.“ Sie wollen wiederkommen. Vom Regierungsviertel zogen die Demonstranten erneut zum Brandenburger Tor, wo um 16 Uhr die Abschlusskundgebung stattfand.