Bildung

Gratis-Schulessen für alle Berliner Grundschüler in Gefahr

Nicht alle Bezirke sind mit den Vorbereitungen so weit, das Angebot zum neuen Schuljahr zur Verfügung stellen zu können.

Ab 1. August sollen alle Schüler ein kostenloses Schulessen bekommen.

Ab 1. August sollen alle Schüler ein kostenloses Schulessen bekommen.

Foto: Anikka Bauer

Mehrere Berliner Schulen sind noch nicht auf die Einführung des kostenlosen Mittagessens für alle Grundschüler ab 1. August vorbereitet. Das sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Im Großteil der Schulen werde es keine Probleme geben, in anderen Schulen müsse es Umstrukturierungen etwa im Rahmen von Zeitplänen geben, so die SPD-Politikerin. „Aber es gibt auch Schulen, wo größere Maßnahmen in Angriff genommen werden müssen“, sagte Scheeres. Dazu könnten etwa Umbauten gehören.

Der Vorbereitungsstand in den Schulen ist nach Angaben der Schulverwaltung sehr unterschiedlich. Während sie in den meisten Bezirken weit fortgeschritten sind, hängen einige zurück. Scheeres vermutet dahinter parteipolitisches Kalkül. Vor allem in Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf würden die für Bildung zuständigen Stadträte den Fortgang der Vorbereitungen verzögern. In Steglitz-Zehlendorf verantwortet mit Frank Mückisch ebenso ein Christdemokrat das Bildungsressort wie in Reinickendorf Katrin Schultze-Berndt.

Senat plant mit Bezirken Umsetzung des Gratis-Schulessens zum kommenden Schuljahr

Derzeit plant der Senat in mehreren Werkstattgesprächen mit den Bezirken die Umsetzung des kostenlosen Schulessens an allen Grundschulen zum kommenden Schuljahr. Zwischen den ersten beiden Werkstattgesprächen sei vor allem in Steglitz-Zehlendorf keinerlei Bemühungen festzustellen, das Schulessen zu ermöglichen, heißt es aus der Schulverwaltung. Scheeres will den Bezirk nun auffordern, die Umsetzung zu beschleunigen.

Die rot-rot-grüne Koalition hatte im April beschlossen, allen Grundschülern ein kostenloses Schulessen zu ermöglichen. Gleichzeitig soll die Qualität des Schulessens steigen. 50 Prozent der Speisen sollen aus Bio-Produkten hergestellt sein. Dazu stellt das Land Berlin in diesem Jahr zunächst fünf Millionen Euro zur Verfügung. In den kommenden Jahren wird der Betrag deutlich höher ausfallen, da 2019 nur die Kosten von August bis Dezember anfallen.

Gewerkschaft warnt vor Problemen bei der Umsetzung

Die Gewerkschaft GEW warnt schon seit längerem vor Problemen bei der Umsetzung. In einigen Schulen fehlen geeignete Räume, um allen Schülern ein Essen in der Schule zu ermöglichen. Andere befürchten, dass nicht genug Caterer zur Verfügung stehen, um das flächendeckende Angebot zur Verfügung zu stellen. In der Koalition war das Vorhaben zunächst umstritten. Die Grünen wollten von den Eltern einen einkommensabhängigen Beitrag für das Schulessen fordern, das lehnten SPD und Linke jedoch ab. Im Gegenzug setzten sich die Grünen bei der Anhebung der Qualitätsstandards durch, die ebenfalls einen Anstieg der Kosten bedeutet. Wie viele der rund 170.000 Berliner Grundschüler das Angebot wahrnehmen werden, ist derzeit noch unklar.