Auszeichnung

Elio Adler – Starker Mann für eine starke Demokratie

Der Berliner Elio Adler wird vom Bündnis für Toleranz und Demokratie als „Botschafter“ ausgezeichnet.

Elio Adler setzt sich für ein tolerante, aber starke Demokratie ein.

Elio Adler setzt sich für ein tolerante, aber starke Demokratie ein.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin. Elio Adler ist in diesen Tagen vielbeschäftigt. Der Bundestag entschied über eine Resolution gegen die antisemitische Boykottkampagne BDS, da war Adler als kompetenter Gesprächspartner gefragt. Die Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes standen an - und unten in der Zahnarztpraxis warteten die ersten Patienten. Am Donnerstag zeichnete das Bündnis für Toleranz und Demokratie Elio Adler als Botschafter aus. Das vom Bundesinnen- und -justizministerium initiierte Bündnis ehrt damit Bürger für ihr Engagement für eine freie, tolerante Gesellschaft.

Für Elio Adler kam der Schlüsselmoment vor fünf Jahren, als antisemitische Demonstrationen über den Kudamm marschierten und Polizei und Berliner dem ohnmächtig gegenüber standen. „Die Gesellschaft ist sich ihrer Fragilität nicht bewusst“, sagt Adler. Deshalb gründete er zusammen mit anderen jüdischen Deutschen die Werteinitiative. Es geht darum, die Freiheit gegen ihre Feinde zu verteidigen.

„Die Gesellschaft … steht derzeit erheblich unter Druck“

„Wir jüdischen Deutschen haben eine besondere Sensibilität dafür, zu erkennen, wenn eine Gesellschaft unter Druck gerät“, sagt Adler. Und die Gesellschaft, so sehen es die mittlerweile knapp 200 Mitglieder der Werteinitiative, steht derzeit erheblich unter Druck. Ob antisemitische Araber auf dem Kudamm, rechte Aufmärsche in Cottbus oder linke Straßenkämpfe beim G-20-Gipfel in Hamburg - sie alle untergraben die freiheitliche Grundordnung in Deutschland. „Und viele Erklärungspfade, die dabei als Begründung angeführt werden, enden in Antisemitismus“, sagt Adler.

Eine Demokratie muss auch wehrhaft sein

Die Werteinitiative will das nicht hinnehmen und nimmt dabei eine besondere Rolle ein. Denn bislang ist die jüdische Gemeinde vor allem dafür bekannt, aus der historischen Erfahrung heraus vor einem starken Staat zu warnen. Das sieht Adler anders. „Sich tolerant aus dem Fenster lehnen kann nur, wer stabil genug auf dem Boden steht“, ist Adler überzeugt. Der Staat soll stark sein.

„Ich werde diese Auszeichnung so verstehen, dass ich gerne Botschafter für Toleranz bin, wenn ich für Toleranz gegenüber all denen kämpfen kann, die ihre individuellen Freiheiten im Rahmen der grundgesetzlichen Möglichkeiten frei ausleben wollen“, sagt Adler deshalb. „Aber der Botschafter für Demokratie, der ich bin, steht für eine starke, wehrhafte Demokratie, für die demokratische Mitte der Gesellschaft und für Intoleranz gegenüber allen, die den Toleranzbegriff missbrauchen und die Schwachpunkte einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung für ihre eigene Anti-Freiheits-Agenda missbrauchen.“

Die Werteinitiative wirbt deshalb für einen neuen Patriotismus in Deutschland - allerdings keinen, der auf die Herkunft setzt, sondern auf gemeinsamen Werten gründet. Zum Beispiel der Verteidigung offenen Gesellschaft, ohne in Nationalismus abzudriften. „Wenn wir uns als wertebasierte Nation verstehen, dann haben wir eine neues Selbstverständnis, das auch die Emotionen erreicht“, sagt Adler

Die Werteinitiative sieht die Demokratie in Gefahr

Dieses Engagement ist zeitraubend. Mittlerweile arbeitet Adler 30 Stunden in der Woche als Zahnarzt in seiner Schmargendorfer Praxis, aber 25 Stunden als ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Werteinitiative. Der Kampf für die freiheitliche Grundordnung ist nach der Überzeugung des 48-Jährigen dringend erforderlich. „Die Demokratie ist in Gefahr“, sagt Adler. „Eine Gesellschaft kippt nicht, wenn es die Mehrheit will, sondern es reicht eine kritische Masse“, ist sich Adler sicher. Und mit den Attacken von links, rechts und dem radikalen Islam sei in Deutschland etwas ins Wanken geraten. Latenten Antisemitismus habe es schon immer gegeben, nun trete er viel enthemmter auf. „Die Entwicklung steht erst am Anfang“, sagt Adler. Immer öfter spüren auch er und seine Familie offenen Antisemitismus. Was früher hinter vorgehaltener Hand gesagt wurde, schreien einem Antisemiten heute offen ins Gesicht. „Diese Leute haben nicht mehr das Gefühl, sich mit ihrem Dreck verstecken zu müssen“, sagt Adler. Dabei wirken die neuen Kommunikationswege in der digitalen Welt wie ein Katalysator dieser gefährlichen Strömungen. Um so mehr ein Grund, mit dem Kampf für eine tolerante Gesellschaft weiter zu machen. „Das Happyend gibt es nicht für umsonst“, sagt Adler.