Abgeordnetenhaus

Scheeres: Schulen noch nicht fit für Gratis-Mittagessen

Eine kostenlose Mahlzeit pro Tag für alle Grundschüler - ab August soll das in Berlin Realität sein. Allerdings gibt es bis dahin an etlichen Schulen noch Probleme auszuräumen.

Schüler essen in der Mensa einer Schule.

Schüler essen in der Mensa einer Schule.

Foto: dpa

Berlin. Gut zwei Monate vor dem Start des kostenlosen Mittagessens für alle Grundschüler sind diverse Berliner Schulen noch ungenügend darauf vorbereitet. Das sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Im Großteil der Schulen werde es keine Probleme geben, in anderen Schulen müssten Umstrukturierungen etwa im Rahmen von Zeitplänen vorgenommen werden, so die SPD-Politikerin. "Aber es gibt auch Schulen, wo größere Maßnahmen in Angriff genommen werden müssen." Dazu können etwa Umbauten gehören.

Scheeres unterstrich, dass für die Umsetzung der neuen Regelung die Bezirke zuständig seien. Der Senat begleite diesen Prozess jedoch und biete Unterstützung an. So habe die rot-rot-grüne Koalition in den Nachtragshaushalt fünf Millionen Euro eingestellt, etwa für die Anschaffung von Tellern und Besteck oder kleinere Umbauten.

Scheers übte auch Kritik. "Es gibt leider Bezirke wie Steglitz-Zehlendorf und Reinickendorf, die in den letzten Monaten nicht ihrer Verantwortung nachgekommen sind im Interesse der Schülerinnen und Schüler", sagte sie. "Aber wir werden da dran bleiben." Sie sei zuversichtlich, dass das Vorhaben zum Start des Schuljahres am 1. August überall auch umgesetzt werden könne.

Das Abgeordnetenhaus hatte das gratis Mittagessen für rund 170 000 Schüler der ersten bis sechsten Klasse Anfang April mit den Stimmen der rot-rot-grünen Koalition beschlossen. Auf diese Weise sollen auch Kinder aus Familien mit wenig Geld die Chance auf eine warme Mahlzeit haben - gleichzeitig soll die Qualität der Speisen besser werden. Berlin ist damit bundesweiter Vorreiter.

Die Bildungsgewerkschaft GEW warnt schon seit längerem vor Problemen bei der Umsetzung. Die räumlichen und personellen Voraussetzungen, um die erwartbar höhere Nachfrage zu befriedigen, seien an vielen Schulen nicht vorhanden.

Die GEW schätzt, dass bis zu 30 Prozent der Grundschulkinder bisher nicht an der Ganztagsbetreuung teilnehmen und deshalb in der Regel auch kein Mittagessen in der Schule erhalten. Selbst, wenn nicht alle vom kostenlosen Schulessen Gebrauch machen werden, rechnet die Gewerkschaft mit einem zusätzlichen Bedarf für rund 9000 Schüler.

Scheeres erhofft sich im Hinblick auf diese Zahl im Sommer mehr Klarheit. Dann lägen verbindliche Angaben der Eltern vor, ob ihre Kinder am Schulessen teilnehmen.