Sexuelle Gewalt

Missbrauch am Canisius-Kolleg: Kirche verurteilt Täter

Der ehemalige Jesuitenpater Peter R. gilt als Haupttäter der Missbrauchsfälle in den 80er-Jahren. Nun wird er aus dem Klerikerstand entlassen.

Canisius-Skandal: Peter R. gilt als einer der Haupttäter.

Canisius-Skandal: Peter R. gilt als einer der Haupttäter.

Foto: Foto: BM

Berlin. Nach dem Strafrecht waren Peter R.s Taten schon verjährt, als sie 2010 ans Licht kamen. Nun wurde er immerhin nach Kirchenrecht dafür verurteilt: Der heute 77-Jährige Peter R. gilt als Haupttäter der sexuellen Gewalt am Canisius-Kolleg in Tiergarten in den 80er-Jahren. Bis zu 100 Schüler wurden dort Opfer sexueller Gewalt. Das kirchenrechtliche Urteil, das schon in im Dezember 2018 in Berlin fiel, sei vom Vatikan bestätigt worden, teilte das Bistum Hildesheim am Mittwoch mit. In Hildesheim war R. zuletzt beschäftigt.

R. werde nun aus dem Priesterstand entlassen und verliere seine Pensionsansprüche bis auf eine Grundsicherung, so das Bistum. 20.000 Euro würden für ein Projekt zur Aufarbeitung der Geschehnisse im Canisius-Kolleg gezahlt, so das Bistum. Die Summe sei aber ausdrücklich keine Zahlung in Anerkennung des Leids. Eine Schadensersatzklage der Opfer hatte die Kirche nicht zugelassen.

Verdacht gegen Peter R. gab es schon früh

Die Missbrauchstaten waren erst Anfang 2010 ans Tageslicht gekommen, nachdem Opfer sich dem damaligen Rektor der Schule offenbart hatten. Jesuit Pater Klaus Mertes machte den Skandal öffentlich – auch, um das System der Vertuschung dahinter aufzudecken. Zwar gab es den Verdacht gegen Peter R. schon früh, jedoch wurde er in andere Gemeinden versetzt, ohne das diese darüber informiert wurden.

2013 wurde R. schließlich in einem ersten Kirchenprozess verurteilt – für den Missbrauch an einem zur Tatzeit elfjährigen Mädchen. Erst nachdem Betroffene weiter recherchierten, rief die katholische Kirche 2017 Opfer aus Berlin auf, sich als Zeugen zu melden. Aufgrund dieser Aussagen konnte R. nun verurteilt werden.

Matthias Katsch, damals Canisius-Schüler, heute Vorsitzender der Betroffenenvertretung Eckiger Tisch, zeigte sich erleichtert über das Urteil. „Neun Jahre haben wir darauf gewartet und dafür gekämpft.“ Jedoch seien die Opfer nicht als Nebenkläger am Verfahren beteiligt gewesen, sondern lediglich als Zeugen gehört worden. Er erwarte nun, dass Urteil auch in Chile bekannt gemacht wird, wo R. viele Jahre als Priester gearbeitet habe.