Technik

Polizei kann Daten von Raserautos bald selbst auslesen

Es ist technisch aufwendig, die Daten auszulesen. Deshalb machen das nicht Polizisten, sondern externe Experten. Das soll sich ändern.

Die Berliner Polizei kontrolliert am Kurfürstendamm Raser und sogenannte PS-Protzer.

Die Berliner Polizei kontrolliert am Kurfürstendamm Raser und sogenannte PS-Protzer.

Foto: Foto: Frank Lehmann

Berlin.  Raserautos, die beschlagnahmt wurden, landen in Berlin auf einem Sicherstellungsgelände der Polizei. Zum Beispiel an der Belziger Straße in Schöneberg. Die völlig zerstörten Autos aus dem Kudamm-Raser-Prozess stehen dort zum Beispiel.

Für die Ermittler beginnt in den riesigen Backsteinhallen oft der aussagekräftigste Teil ihrer Arbeit. Die Fahrzeuge werden intensiv untersucht. Vor allem moderne Autos geben dabei immer mehr über ihre Besitzer preis.

Sie sind vollgestopft mit Technik, die Daten produziert. Um an diese Daten heranzukommen, müssen dafür bislang Experten von Autofirmen eingeflogen und Gutachter bestellt werden. Das Verfahren ist aufwendig, teuer und zeitintensiv. Das könnte sich aber bald ändern.

Polizei bekommt neue Technik

Noch in diesem Jahr soll die Polizei Technik und Mittel bekommen, um die Daten aus Autos künftig selbst auslesen zu können. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus Justizkreisen. „Es ist eigentlich Irrsinn, dass Experten aus Nordrhein-Westfalen kommen und wir das nicht selber machen“, hieß es auf Nachfrage aus der Behörde.

Die Technik muss besorgt und die Beamten müssen dafür ausgebildet werden. Eine Projektgruppe bei der Polizei erarbeitet gerade den genauen Ablauf. Ziel der Polizei ist es, den Kontrolldruck auf die Rasersszene in Berlin noch weiter zu erhöhen. Vorbild ist die Polizei in Dortmund, die solche Fähigkeiten schon besitzt und testet, wie alltagstauglich das Selbstauslesen der Datensätze ist.

Die Dortmunder Behörde ist Pilotstandort des Projektes „Pro Digi – Sicherung digitaler Fahrzeugspuren zur Verkehrsunfallaufnahme“ in Nordrhein-Westfalen.

Daten aus Airbag und Klimaanlage

Moderne Autos geben so ziemlich alles über die Fahrkünste ihrer Besitzer preis. Ermittler können sich Daten aus der Klimaanlage, den Airbags und dem ABS-System ziehen. Sie können nachträglich Geschwindigkeiten und Drehzahlen abrufen, das Bremsverhalten analysieren und mit den Witterungsbedingungen abgleichen.

Ermittler können so mittlerweile sehr genau das Fahrverhalten rekonstruieren. Und inzwischen kooperieren auch die Autoverleih-Firmen bereitwillig. Das war nicht immer so.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost gab es in der Vergangenheit auch hin und wieder Probleme bei der Zusammenarbeit mit den großen Autofirmen, wenn es darum ging, die Daten aus den Fahrzeugen auszulesen. Autokonzerne fürchten ein schlechtes Image, wenn ihre Fahrzeuge in Gerichtsverfahren auftauchen.

Mehr Anzeigen gegen Raser

Die Ermittler lässt das allerdings kalt. Dass die Polizei nun auch technisch gegen Raser aufrüstet, passt in die Strategie der Hauptstadtbehörde, die verstärkt gegen Verkehrssünder vorgehen will. Während es in Berlin im Jahr 2017 insgesamt 711.606 Anzeigen gegen Raser gab, stieg diese Zahl 2018 auf 829.049 rasant an.

Auch die rechtliche Behandlung hat sich nach einer Gesetzesänderung deutlich verschärft. Im Jahr 2017 wurden in 79 Fällen illegale Autorennen als Ordnungswidrigkeit gewertet. In 19 Fällen wurden die Rennen als Straftat behandelt. Im vergangen Jahr wurden bereits 279 Strafverfahren wegen illegaler Autorennen durchgeführt.