Nahverkehr

S-Bahn-Chefs kommen in Schöneberg gut weg

Noch vor einem Jahr mussten sich die Manager viel Kritik von den Fahrgästen anhören. Das war am Dienstag zumindest in Schöneberg anders.

Ringbahnhalle im S-Bahnhof Schöneberg: Der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Berlin, Alexander Kaczmarek (l.), im Gespräch mit Fahrgast Klaus Steinfatt.

Ringbahnhalle im S-Bahnhof Schöneberg: Der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Berlin, Alexander Kaczmarek (l.), im Gespräch mit Fahrgast Klaus Steinfatt.

Foto: Thomas Fülling

Es sollte ein geruhsamer Spätnachmittag werden für Berlins Bahnchef Alexander Kaczmarek und Karsten Preißel, einer von vier Geschäftsführern bei der S-Bahn Berlin GmbH. Gemeinsam mit Führungskräften der Bahntöchter DB Station&Service, Netze und Energie hatten sie sich am Dienstag im S-Bahnhof Schöneberg postiert, um mit Fahrgästen ins Gespräch zu kommen. Doch die meisten Reisenden hasten an der bunten Stellwand in der Bahnsteigmitte vorbei. Für die Schöneberger gab es offenbar nicht viel zu kritisieren an der S-Bahn.

Noch vor einem Dreivierteljahr sah das noch ganz anders aus. Damals hatten sich die Manager bei ihrer Bahnhofstour viel Kritik anhören müssen. Etwa Beschwerden über ärgerliche Zugausfälle, viel zu viele Verspätungen und heruntergekommene Stationen. Angesichts schwacher Qualitätswerte sah sich der Bahnkonzern im Juli 2018 genötigt, eine Qualitätsoffensive zu starten. Gut 200 Einzelmaßnahmen sowie Investitionen von zusätzlich mehr als 30 Millionen Euro wurden damals angekündigt.

Pünktlichkeit der S-Bahn über 96 Prozent

Ein Gemeinschaftsprojekt der verschiedenen Bahnsparten, das anders als so manch vorheriges messbar Wirkung zeigt. So lag etwa die Pünktlichkeit der Berliner S-Bahn in den ersten vier Monaten dieses Jahres stets über der geforderten Quote von 96 Prozent. Im vergangenen Jahr konnte der Planwert lediglich in einem einzigen Monat erfüllt werden. Gleichzeitig verringerte sich die Zahl der ausgefallenen Fahrten deutlich. Der Anteil sank von 2,6 Prozent (Durchschnitt 2018) auf 1,4 Prozent (Januar bis April 2019). „Mit diesen Werten liegen wir deutlich vor den S-Bahnen etwa in München oder Frankfurt am Main“, sagte Bahnmanager Kaczmarek.

Ein positiver Gesamteindruck, der auch von Klaus Steinfatt bestätigt wurde. Der Mittfünfziger, der im August vorigen Jahres aus Hamburg nach Berlin gezogen ist, fährt beruflich wie privat fast täglich mit der S-Bahn. Sein Fazit: „Mit der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit bin ich eigentlich zufrieden. Nur das Platzangebot reicht oft nicht.“ Vor allem im morgendlichen Berufsverkehr auf der Ringbahn sei es sehr eng. Da warte er doch manches Mal lieber auf den nächsten, vielleicht nicht ganz so vollen Zug.

Auch die S-Bahn wartet dringend auf die neuen Züge

Hoffnung auf schnelle Besserung konnte S-Bahn-Geschäftsführer Preißel da nicht machen. „Auch wir warten dringend auf die neuen Züge, aber die Erprobung wird noch eine Weile dauern“, sagte er. Wie berichtet, testen die Hersteller Siemens und Stadler gerade die Prototypen für die nächste S-Bahn-Generation. Der reguläre Einsatz soll allerdings erst 2021 beginnen. Sind ausreichend Neubauzüge da, sollen auf der Ringbahn dann auch Züge mit acht statt mit nur sechs Wagen fahren.

Bis dahin müssten weiter erhebliche Summen in die vorhandene Züge investiert werden. „Wir haben inzwischen die älteste S-Bahn-Flotte Deutschlands“, so S-Bahn-Geschäftsführer Preißel.

Den nächsten Halt machen die Bahn-Manager am Freitag, dann von 15 bis 17 Uhr im S-Bahnhof Spandau. Weitere Vor-Ort-Termine sind in den Bahnhöfen Ostkreuz (14. Juni, ab 15 Uhr), Gesundbrunnen (20. Juni, ab 17 Uhr) und Strausberg (24. Juni, ab 15 Uhr) geplant.