Mail aus Tokio

Müller in Tokio – Millionen-Investitionen für Berlin

Der Regierende Bürgermeister pflegt internationale Netzwerke und holt den Ableger eines japanischen Technologiekonzerns nach Berlin.

Michael Müller berichtet in Tokio seinen Kollegen, wie in Berlin Abfall aus Plastik-Kaffeebechern vermieden wird.

Michael Müller berichtet in Tokio seinen Kollegen, wie in Berlin Abfall aus Plastik-Kaffeebechern vermieden wird.

Foto: Christine Richter

Berlin/Tokio. Das ist eine Botschaft, die dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) richtig gute Laune macht: Der japanische Technologiekonzern NTT will in Berlin, in Mariendorf, mehrere hundert Millionen Euro investieren. „Über mehrere Jahre“, erzählt Müller nach dem Gespräch mit Unternehmensvertretern am Dienstagnachmittag in Tokio, dem zweiten Tag seiner Reise.

Die Investition war natürlich vorbereitet, nun aber hat Müller den japanischen Manager Tsunehisa Okuno persönlich kennengelernt. In Berlin soll „e-shelter“, ein Tochterunternehmen von NTT, ein Rechenzentrum mit rund 16.000 Quadratmetern entwickeln. „Daten, das ist das Gold des 21. Jahrhunderts“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), Jan Eder. „Der persönliche Kontakt ist immer wichtig, das lässt sich mit einer Videokonferenz gar nicht machen“, sagt Müller. Wichtig ist ihm, dass Berlin damit zeigt, wie wettbewerbsfähig die Stadt ist.

In der Heimat werden japanische Firmenpläne begrüßt

Auch in der Heimat, in Berlin, wird das Engagement von NTT später gewürdigt. „Die Entscheidung ist zu begrüßen“, sagt der FDP-Abgeordnete Florian Swyter.

Es werde nun Aufgabe von Müller und von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sein, „die Umsetzung zügig anzugehen und eventuelle Hindernisse aus dem Weg zu schaffen“. Swyter erinnert an den geplanten Google-Campus, der dann wegen der Widerstände der Grünen in Kreuzberg wieder von dem US-Unternehmen abgesagt wurde.

Netzwerk der Bürgermeister von Metropolen

Drei Tage lang ist der Regierende Bürgermeister im knapp 9000 Kilometer von Berlin entfernten Tokio unterwegs. Zum einen geht es um 25 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Tokio, an diesem Dienstag steht aber auch das internationale Städtenetzwerk „U20“ („Urban 20 Mayors Summit“) an. Die Bürgermeister von 20 Metropolen treffen sich in der japanischen Hauptstadt, um über ihre Probleme bei der Abfallwirtschaft, Mobilität, Gesundheitswirtschaft und der demografischen Entwicklung zu diskutieren.

Müller begrüßt viele Bekannte wie die Bürgermeisterin Roms, Virgina Elena Raggi, denn er ist ja neben „U20“ auch noch im Städtenetzwerk Metropolis international vernetzt. „Man kennt sich inzwischen gut“, sagt er.

Der Regierende referiert über Müllverzicht

Müller selbst äußert sich an diesem Vormittag zur Abfallwirtschaft und berichtet seinen Kollegen, dass es in Berlin inzwischen 900 Stellen gibt, an denen auf Plastik-Kaffeebecher verzichtet wird und eigens mitgebrachte Becher benutzt werden können. „Wir wollen möglichst doppelt so viele Verkaufsstellen in Berlin schaffen“, sagt er. Wichtig sei der Anreiz, Abfall zu vermeiden und das Zeichen zu senden: „Jeder kann etwas zur Reduzierung des Abfalls tun.“

Am heutigen Mittwoch wollen die Bürgermeister der 20 Metropolen – unter ihnen Vertreter aus Durban (Südafrika), Buenos Aires (Argentinien), Paris und London – eine gemeinsame Erklärung verabschieden. Diese soll dann am Mittag dem japanischen Premier Shinzo Abe übergeben werden.

Kooperation von Deutscher Schule Tokio mit Alba Berlin

Außerdem ist ein Empfang beim deutschen Botschafter geplant, bei dem auch ein Kooperationsvertrag der Deutschen Schule in Tokio mit dem Berliner Basketballverein Alba unterzeichnet werden soll. Noch in der Nacht zu Donnerstag macht sich Müller dann wieder auf den Heimweg – damit er pünktlich zur Abgeordnetenhaussitzung zurück in Berlin ist. Mit Jetlag, aber pünktlich. Denn darauf wird auch in Tokio, der Partnerstadt, Wert gelegt.