Jugendberufsagentur

Jugendarbeitslosigkeit in Berlin ist auf Rekordtief

Eine Jugendberufsagentur berät Jugendliche beim Übergang von der Schule in die Ausbildung, um die Zahlen zu senken.

Immer mehr Jugendliche nutzen in Berlin das Angebot der Jugendberufsagentur (Archivbild).

Immer mehr Jugendliche nutzen in Berlin das Angebot der Jugendberufsagentur (Archivbild).

Foto: CHROMORANGE / Karl-Heinz Spremberg / picture alliance

Berlin.  Die Jugendarbeitslosigkeit in Berlin liegt mit 8,5 Prozent so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Gleichzeitig ist die Zahl der Schulabgänger ohne Schulabschluss leicht ansteigend. Zehn Prozent der Schüler verlassen die Schule ohne einen Abschluss. Um diese Zahlen zu senken, hat das Land vor vier Jahren die Jugendberufsagentur gegründet.

Sie soll Jugendlichen bis zum Alter von 25 helfen, einen Schulabschluss nachzuholen oder einen Ausbildungsplatz zu finden. Zwar wird die Arbeit der Agentur von allen Seiten begrüßt, ob sie aber auch wirksam ist, das lässt sich nicht sagen.

„2. Evaluationsbericht Jugendberufsagentur“

Das geht aus dem „2. Evaluationsbericht Jugendberufsagentur“ hervor, der jetzt dem Abgeordnetenhaus vorliegt.

2018 hat die Jugendberufsagentur insgesamt 60.838 Beratungsgespräche geführt – so viel wie nie zuvor. Allerdings bestehen auch vier Jahre nach der Einrichtung der Agentur noch Mängel bei der Beratung von Jugendlichen beim Weg von der Schule in eine Ausbildung.

„Die Ergebnisse der Evaluation zeigen, dass die Umsetzung in der Praxis auf Herausforderungen stößt. Bislang wird das Angebot noch nicht in der ursprünglich vorgesehenen Form an allen Standorten umfänglich vorgehalten“, heißt es in dem Bericht. So bemängeln die Autoren die unzureichende Kommunikation zwischen den Beteiligten und unklare Kompetenzabgrenzungen.

Positiv: Probleme werden erkannt

„Positiv zu bewerten ist, dass die Probleme erkannt und als Anlass genommen wurden, um eine Weiterentwicklung dieses Aufgabenbereiches einzuleiten“, loben die Wissenschaftler des Forschungsinstituts Berufliche Bildung, die den Bericht erstellt haben. Ob die Arbeit der Agentur aber tatsächlich einen Einfluss auf die sinkende Jugendarbeitslosigkeit hat, lässt sich laut Gutachten nicht feststellen.

„Eindeutige kausale Zusammenhänge sind in diesem Kontext also nur schwer nachweisbar“, heißt es in dem Bericht. Vielmehr stelle sich die Arbeit als ein „sich gegenseitig beeinflussendes Wirkungsgeflecht“ dar. „Im Fall der Jugendberufsagentur kommt hinzu, dass durch die Beratungsleistungen nicht durchgängig unmittelbare Effekte für eine rasche und nachhaltige Einmündung in den Arbeitsmarkt zu erwarten sind, da die Wirkungen sich oftmals erst im Zeitverlauf zeigen.“

Eine erfolgreiche Arbeit besteht der Studie zufolge darin, dass sich Jugendliche selbstständig bewerben und einen Ausbildungsplatz erhalten. Darüber hat die Agentur aber keine Erkenntnisse.

Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke) sieht in der Agentur dennoch ein Mittel, um Jugendarbeitslosigkeit abzubauen und junge Menschen in eine Ausbildung zu vermitteln. „Die Jugendberufsagentur wird nicht alle Probleme lösen können“, sagte Breitenbach. „Sie wird aber, wenn sie gut arbeitet, dazu führen, dass Jugendliche, auch zusammen mit der Berufs- und Studienorientierung und eine bessere Berufsorientierung bekommen.“

Betreuung der Jugendlichen : Ausbildungsabbrüche werden gesenkt

Durch die Betreuung der Jugendlichen könnten mehr junge Menschen in eine Ausbildung vermittelt und Ausbildungsabbrüche gesenkt werden. Gleichzeitig nahm Breitenbach die Unternehmen in die Pflicht, mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. „Es gibt eine Grenze, die die Jugendberufsagentur nicht alleine verschieben kann“, sagte Breitenbach. „Wir brauchen mehr Ausbildungsplätze und mehr Bereitschaft der Unternehmen, auch Jugendliche einzustellen, die nicht zu den Besten gehören, die kein Abi haben.“

Tatsächlich liegt die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze in Berlin bei rund 0,7 je Bewerber. Deutschlandweit beträgt das Verhältnis eins zu eins.

Die Jugendberufsagentur wurde 2015 noch vom Vorgängersenat auf den Weg gebracht. Das Vorbild stellte Hamburg dar, wo eine entsprechende Einrichtung bereits bestand. Jeder Bezirk in Berlin verfügt inzwischen über eine eigene solche Agentur. Das Angebot zur Beratung ist freiwillig und besteht für alle Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren. Dabei spielt keine Rolle, ob die jungen Menschen ohne Schulabschluss oder Studienabbrecher sind.