Mail aus Tokio

Berlin und Tokio: Zwei Metropolen, viele Herausforderungen

Tokio ist sehr viel größer als Berlin, hat aber mit ähnlichen Themen wie Mobilität oder Digitalisierung zu kämpfen.

Tokio hat mit ähnlichen Themen wie Mobilität oder Digitalisierung zu kämpfen wie Berlin.

Tokio hat mit ähnlichen Themen wie Mobilität oder Digitalisierung zu kämpfen wie Berlin.

Foto: Foto: Kevin Hoffmann

Es geht früh los in Tokio: Um 8.15 Uhr ist die Wirtschaftsdelegation und der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) abfahrbereit. Denn pünktlich soll das Wirtschaftsforum beginnen, bei dem die rund 30 Berliner Wirtschaftsvertreter mit japanischen Unternehmern zusammentreffen, und das die Gouverneurin von Tokio, Yuriko Koike, gemeinsam mit Müller eröffnen will. Und wie es so ist in Japan: Es geht pünktlich los.

„Wir wollen die internationale Freundschaft vertiefen“, sagt die Gouverneurin. „Vor allem mit Berlin.“ Seit 25 Jahren besteht die Städtepartnerschaft zwischen Tokio und Berlin. In der Kultur und der Stadtentwicklung funktioniert der Austausch schon ganz gut. Die Philharmoniker waren schon da, bald kommen die Berliner Symphoniker nach Tokio. 2014, als man das 20. Jubiläum feierte, da war Müller - damals noch Stadtentwicklungssenator und Stellvertreter von Klaus Wowereit - schon einmal vor Ort, damals griff er das Thema der Stadtentwicklung auf.

Nun soll der Austausch noch intensiviert werden, der Sport liegt beiden Stadtoberhäupter am Herzen. Tokio ist im kommenden Jahr Austragungsort der Olympischen Spiele, kein Wunder, dass das Thema an Bedeutung gewonnen hat. Auch die Paralympics finden 2020 in der japanischen Hauptstadt statt, die Fragen der Inklusion interessieren die Gouverneurin besonders.

Wie läuft das in Berlin, wie geht man mit den Schülern mit Handicap um, wird Yuriko Koike am Nachmittag bei einem zweiten Zusammentreffen in ihrem Amtssitz den Regierenden Bürgermeister fragen. Müller ist vorbereitet, schon lange ist Inklusion in Berlin ein Thema.

Jedes Unternehmen hat eine Minute, um sich vorzustellen

Die Unternehmer wollen bei ihrer dreitägigen Reise Kontakte knüpfen und sich auch japanische Betriebe ansehen. In Japan, das wissen sie, dauern die Prozesse sehr viel länger. Da muss man öfter vor Ort sein, die Entscheidungen fallen erst nach intensiver Überlegung und Prüfung im Team. Alle Berliner Vertreter stellen sich beim Wirtschaftsforum vor - eine Minute hat jedes Unternehmen, hier ist alles straff organisiert. Später kann man sich persönlich kennenlernen und Visitenkarten austauschen.

So ist es ein bisschen wie ein Mutmacher, dass vor der Vorstellungsrunde ein Kooperationsabkommen unterzeichnet wird. Das Berliner Recyclingunternehmen Alba, vertreten durch den Business Director für Asien, Tobias Huinink, unterschreibt einen Vertrag mit dem Tokioter Unternehmen für eine PET-Recycling-Anlage. „Ein wichtiger Schritt für Alba in Japan“, sagt Huinink später. In China ist das Unternehmen schon aktiv, nun geht es weiter auf dem japanischen Markt. Berlins Regierender Bürgermeister und der Geschäftsführer der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), Jan Eder, stellen sich nach der Vertragsunterzeichnung mit zum Foto auf. Das ist wichtig.

+++ Michael Müller will in Tokio für Berlin werben +++

In Tokio leben rund zehn Millionen Menschen, im Großraum rund 30 Millionen. Müller und seine Mitarbeiter nutzen den Vormittag ihrer kurzen, mit Programm vollgepackten Reise auch, um sich einen Überblick über die Metropole zu verschaffen. Erst geht es hoch hinauf auf das Skydeck des Roppongi Hills Club. Von dort hat man einen guten Rundblick – und sieht, wie riesig die Stadt ist. „Und wie wenig grün“, sagt Müller.

Dann laufen Müller und sein Team in Begleitung der 34 Jahre alten Architektin Anne Groß aus Berlin zwei Stunden lang durch die Stadt, durch viele kleine und große Straßen. Vorbei an Einfamilienhäusern, alten und älteren, vorbei an Hochhäusern und dem Tokio Tower, der dem Pariser Eiffelturm nachempfunden ist - allerdings in roter Farbe. „Ich liebe Städte“, sagt Müller. „In Tokio fällt auf, wie sauber es ist.“ Und wie leise - obwohl so viele Menschen unterwegs sind, sprechen sie wenig, schon gar nicht laut ins Telefon. Aus Rücksicht aufeinander, so will es die Kultur.

Kontakte mit den Managern des Weltkonzerns Mitsubishi

Wichtigster Programmpunkt an diesem Montag ist das Treffen mit den Managern des Weltkonzerns Mitsubishi. Hier geht es um Kontakte, noch lange nicht um konkrete Vereinbarungen. Mitsubishi hat in Deutschland einen Sitz in Düsseldorf - und wird von dort auch nicht wegziehen. Aber was ist möglich in Zeiten des wirtschaftlichen Umbruchs, der Digitalisierung? In Japan verfolgt man das Konzept der „Society 5.0“, in Deutschland spricht man von „Industrie 4.0“, meint aber Ähnliches.

Es geht um die Mobilität der Zukunft, also um zukunftsweisende Technologien wie das autonome Fahren oder auch um Null-Energie-Gebäude, um neue Techniken in der Gesundheitsversorgung. Die Manager von Mitsubishi Electric informieren über ihre vielfältigen Unternehmensbereiche, die Berliner fragen nach - und hoffen auf weitere Kontakte. Es wird seine Zeit dauern.