Stadtgrün

Umweltverwaltung will Kleingärten als Parkanlagen öffnen

Die „Charta für das Berliner Stadtgrün“ sieht vor, Kolonien stärker zu öffnen. Viele Verbände und Kleingärtner unterstützen die Idee.

Berndt Nakielski, ehemaliger Taxifahrer, findet Publikumsverkehr gut. Dadurch werde weniger eingebrochen. Und andere Berliner könnten dann seinen schönen Kleingarten sehen.

Berndt Nakielski, ehemaliger Taxifahrer, findet Publikumsverkehr gut. Dadurch werde weniger eingebrochen. Und andere Berliner könnten dann seinen schönen Kleingarten sehen.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin. Um Berlin für seine Bewohner als grüne Stadt zu erhalten, sollen künftig auch Kleingarten-Anlagen eine entscheidende Rolle spielen. Diese sollen stärker für Menschen aus dem Umfeld geöffnet werden, zum Spazieren einladen und mehr Möglichkeiten zum gemeinschaftlichen Gärtnern bieten.

Das wird im Entwurf für die „Charta für das Berliner Stadtgrün“ von der Umweltverwaltung gefordert – die damit auf Unterstützung bei Kleingarten-Verbänden trifft. „Das Öffnen der Kleingärten als Parkanlagen favorisieren wir schon seit Jahren“, sagt Manfred Hopp, Vizepräsident des Landesverbands Berlin der Gartenfreunde. „Kleingärtner, die meinen, sie können ihr verschlossenes, kleines Reich haben, haben die Zeit verschlafen.“

Die wachsende Konkurrenz um Flächen in der Stadt ist längst auch bei den Kleingärtnern angekommen. Diese sehen die Öffnung ihrer Anlagen deshalb auch als Chance, die Kolonien zu erhalten – statt Wohnungen, Schulen und Kitas weichen zu müssen. „Je mehr Öffentlichkeit wir haben, je mehr Veranstaltungen wir für die Nachbarschaft machen, desto mehr Unterstützung werden wir bekommen“, meint Hopp. Deshalb müsse man sich auch mehr präsentieren. Am Ende würde das alles helfen, die Kolonien zu behalten. Die Mehrzahl der Kleingärtner habe das verstanden.

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Kleingarten-Anlagen als „grüne, offene Oasen“

Tatsächlich hört man auch aus den Bezirksverbänden Zustimmung für die Ideen der Umweltverwaltung. Auch wenn Viola Kleinau, Vorstandsvorsitzende vom Bezirksverband der Gartenfreunde Pankow, einräumt: „Wir haben noch die eine oder andere Anlage, wo der gedankliche Wandel noch nicht vollzogen ist.“ Manche würden ihre Anlage lieber noch abgeschlossen haben, „das ärgert mich immer“, sagt sie.

Kleinau selbst stellt sich die Kolonien als „grüne, offene Oasen“ vor, bei denen es verschiedene Nutzungsangebote gibt, von Sportanlagen über offene Wege zum Spazierengehen bis hin zu den klassischen Parzellen. „Wenn man im Kiez nur nebeneinander her lebt“, fragt Kleinau, „wo ist dann der Mehrwert für die Gemeinschaft?“ Geplant sind in Pankow deshalb verschiedene Projekte. Unter anderem sei ein Umweltbildungszentrum in Französisch-Buchholz im Bau, in dem es Schulungen und Kooperationen mit Schulen oder Kitas geben könnte. Auch Urban-Gardening auf Gemeinschaftsflächen, Therapiegärten oder Kulturveranstaltungen hält Kleinau für möglich.

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In Spandau sollen Schilder auf offene Kleingärten verweisen

In Spandau, sagt der dortige Vorsitzende des Bezirksverbands Helmut van Heese, sollen grundsätzlich alle Anlagen tagsüber offen stehen. „Einbrüche kann man auch durch Zäune und abgeschlossene Tore nicht verhindern“, meint er. Geplant sind künftig sogar Extra-Schilder, die darauf hinweisen, dass die Anlagen öffentlich zugänglich sind. „Die Schilder wollen wir an allen Eingängen aufstellen“, sagt van Heese. Zwei Kolonien seien zudem dabei, öffentliche Schaugärten anzulegen, mit Biotopen oder Informationsschildern, so dass Besucher etwas lernen könnten. „Wir werden auch in weiteren Kolonien anregen, das zu machen“, so der Vorsitzende.

In der Kreuzberger Kleingartenkolonie „Potsdamer Güterbahnhof“ gilt das Prinzip der offenen Gärten schon seit langem. Schmale Wege führen durch die Anlage, die eher einem Labyrinth als einer geordneten Kleingartenkolonie ähnelt. Bunte Blumen blühen und das Café Eule lädt zum Verweilen ein. Für einen Moment könnte man vergessen, dass man sich mitten in der Großstadt befindet. Entsprechend beliebt ist die Anlage schon heute bei Spaziergängern. Auch Nadia Täber kommt gern mit ihrer kleinen Tochter her. „Natur ist immer gut. In der Stadt gibt es einfach viel zu viele Baustellen“, sagt sie.

Kleingärtner wollen ihre Privatsphäre schützen

Als störend empfinden viele Pächter die Spaziergänger nicht. „Ich lasse meinen Garten immer offen, damit die Leute gucken und mit mir reden können“, sagt Kleingärtner Hans. Auch Ulli Rödiger, der ein Stück weiter einen Garten hat, spricht sich positiv für die Offenheit aus. Dennoch betont der 49-Jährige: „Mir ist es trotzdem wichtig, dass ich meine Privatsphäre behalte. Immerhin ist das mein Privateigentum und da möchte ich nicht von anderen gestört werden.“ Der Ansicht, dass es Grenzen geben muss, ist auch Kleingärtner Hans: „Grenzen sind ganz wichtig. Der Garten braucht auch Schutz.“