Misshandlung Schutzbefohlener

Pfleger erschreckt Kranken mit Horrormaske - Prozess

Seit Freitag steht der 38-Jährige vor Gericht. Misshandlung von Schutzbefohlenen lautet die Anklage.

Der Eingang des Kriminalgerichts Moabit. (Archivbild)

Der Eingang des Kriminalgerichts Moabit. (Archivbild)

Foto: Sven Braun / dpa

Es sollte offenbar ein Scherz sein, den sich ein Mitarbeiter einer Pflegeeinrichtung mit einem psychisch kranken Bewohner der Einrichtung leistete. Lachen konnten darüber allerdings weder sein Arbeitgeber noch seine Kollegen. Und erst recht nicht die Justiz. Seit Freitag steht der 38-Jährige vor Gericht. Misshandlung von Schutzbefohlenen lautet die Anklage.

Im November 2015 betrat der Angeklagte gemeinsam mit einem Auszubildenden der Pflegeeinrichtung das Zimmer des 57-jährigen Bewohners. Mit einer Horrormaske vor dem Gesicht weckte der 38-Jährige den psychisch kranken Mann, der sofort panische Schreie ausstieß.

Gefilmt wurde das Ganze von dem Auszubildenden mit dessen Handy. Und um der alles andere als lustigen Aktion die Krone aufzusetzen, wurde das angefertigte Video mehreren Kollegen zugeschickt. Ein Vierteljahr später landeten die bizarren Aufnahmen bei den Vorgesetzten des 38-Jährigen. Was folgte, war die fristlose Kündigung und eine Anzeige.

„Irgendwie so ein blöder Gedanke“

Wie so oft in Berlin dauerte es seine Zeit, bis der Fall vor Gericht landete. Diesmal war es die Berliner Staatsanwaltschaft, bei der die Akten unbehelligt auf irgendeinem Schreibtisch ruhten, bevor es am Freitag doch noch zur Verhandlung kam. In der sah auch der Angeklagte beim Rückblick auf sein damaliges Handeln keinen Grund zur Heiterkeit.

Es sei „irgendwie so ein blöder Gedanke“ gewesen, der ihn und seinen jungen Kollegen zu der Tat veranlasst habe, erklärte der Angeklagte und beteuerte, heute tue ihm das Ganze leid. Die Richterin verstand das Handeln des 38-Jährigen trotzdem nicht. „Sie wirken doch ganz vernünftig, wie kommt man bloß auf so eine Idee?“, frage die Richterin. Eine zufriedenstellende Antwort bekam sie nicht.

Der Angeklagte macht nun eine Umschulung zum Lokführer

Auch nicht von der Vorgesetzten des Angeklagten, die ebenfalls erklärte, nie habe sie dem immer freundlich und engagiert auftretenden Mitarbeiter etwas Derartiges zugetraut. Noch sind nicht alle Fragen geklärt, der Prozess wird daher, anders als ursprünglich vorgesehen, in der kommenden Woche fortgesetzt.

Dabei muss auch noch ein zweiter Vorwurf gegen den Angeklagten behandelt werden. Er soll eine 67-Jährigen Bewohnerin der Pflegeeinrichtung geohrfeigt haben. Das allerdings bestreitet der 38-Jährige entschieden. Dem Pflegeberuf hat er inzwischen den Rücken gekehrt und macht jetzt eine Umschulung zum Lokführer.