Mietspiegel

Branchenverband attackiert Deutsche Wohnen

Im Streit um die Anerkennung des Berliner Mietspiegels hat der Dachverband der Wohnungsunternehmen die Deutsche Wohnen kritisiert.

Maren Kern ist Vorstandsmitglied beim Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen BBU.

Maren Kern ist Vorstandsmitglied beim Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen BBU.

Foto: Christoph Soeder / dpa

Auch in der eigenen Branche verliert die Deutsche Wohnen an Rückhalt. Zu den Äußerungen des Konzerns im Zusammenhang mit dem Berliner Mietspiegel hat sich der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. (BBU) kritisch geäußert. „Wir haben die Aussagen der Deutsche Wohnen SE zum neuen Berliner Mietspiegel mit Verwunderung zur Kenntnis genommen und können diese nicht nachvollziehen“, sagte Maren Kern, Vorstand des Verbands. „Der BBU hat sich aufgrund der verbandsintern durchgeführten Abstimmungen ganz eindeutig für die Anerkennung des Berliner Mietspiegels 2019 als qualifiziert ausgesprochen.“

Der BBU und seine Mitgliedsunternehmen stünden zu ihrer Verantwortung für den Erhalt des sozialen Zusammenhalts und den Schutz von bezahlbarem Wohnen, so Maren Kern weiter. „Wir erwarten von der Deutsche Wohnen als Berlins größtem Vermieter Berlins ein entsprechendes Bekenntnis.“

Deutsche Wohnen will auf Forschungsergebnisse warten

Die Deutsche Wohnen, Berlins größter privater Wohnungskonzern, hatte zuletzt den Mietspiegel infrage gestellt und in der Vergangenheit immer wieder gegen seine Anwendung geklagt. „Die Deutsche Wohnen unterstützt das Instrument des Mietspiegels ausdrücklich, da es grundsätzlich ein geeignetes Mittel zur Bestimmung der ortsüblichen Vergleichsmiete sein kann“, hatte Vorstandschef Michael Zahn am Dienstag über eine Mitteilung verlauten lassen, aber zugleich ergänzt: „Voraussetzung dafür ist allerdings die Erstellung nach anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen“.

Auf Nachfrage der Berliner Morgenpost, ob denn die Deutsche Wohnen den neuen Berliner Mietspiegel, der seit Monaten das Vorgängerwerk aus dem Jahr 2017 ersetzt, als „wissenschaftlich qualifiziert“ anerkennt, gab sich das Unternehmen auffallend zurückhaltend. Man müsse nun zunächst erst einmal analysieren, ob der neue Mietspiegel tatsächlich qualifiziert sei. Dazu warte man die Einordnung des Forschungsinstituts F+B ab, das die Datenerhebung zum Berliner Mietspiegel vorgenommen hat, sagte Unternehmenssprecherin Manuela Damianakis der Berliner Morgenpost. Diese Prüfung werde voraussichtlich „einige Wochen“ dauern.

Deutsche Wohnen unterstützt Mietspiegel „ausdrücklich“

Später teilte die Deutsche Wohnen mit, man unterstütze „das Instrument des Mietspiegels ausdrücklich, da es grundsätzlich ein geeignetes Mittel zur Bestimmung der ortsüblichen Vergleichsmiete ist“. Voraussetzung dafür sei allerdings eine Erstellung nach wissenschaftlichen Standards.

In den kommenden Monaten werde man den Mietspiegel „eingehend analysieren“. Unabhängig davon werde man aber weiter mit dem Mietspiegel die Mieterhöhungen begründen und auf andere Begründungsmittel „wie beispielsweise Vergleichswohnungen verzichten“. Und weiter: „Als Mitgliedsunternehmen des BBU stehen wir selbstverständlich zu unserer Verantwortung für den Erhalt des sozialen Zusammenhalts und den Schutz von bezahlbarem Wohnen als zentralem Element der Daseinsvorsorge.“